Das Leben mit den Verstorbenen

Der Tod im Leben

Ich begleite seit einigen Jahren ehrenamtliche Sterbebegleiter von Hospizvereinen. Im Gespräch versuchen wir die Erlebnisse der Begleiter zu verstehen und zu vertiefen. Eine Frage taucht dabei immer wieder auf und zeigt sich als eine entscheidende Grenzfrage in dem ganzen Lebensbereich des Sterbens: Was ist nach dem Tod?  Dabei sollte diese Frage eigentlich recht unproblematisch zu beantworten sein, es gibt ja ein jahrtausendealtes Wissen über das sogenannte Jenseits. Aber, und das kennzeichnet die heutige Situation des Menschen sehr genau, die letzten einhundert Jahre der Wissenschaftsentwicklung haben diese Art von ‚Wissen‘ als Glauben diskreditiert und gleichzeitig diesen ‚Glauben‘ als eine subjektive Form des Wissens entwertet, so dass der ‚Glaube‘ heute vielen Menschen nicht mehr wirklich tragfähig erscheint. Man kann lange über die persönlichen Glaubenshaltungen und Annahmen sprechen, am Ende kommt dann oft der Satz: Aber man kann es ja nicht wissen! Und vielleicht noch als letzte Steigerung des Grenzerlebens: Es ist noch keiner zurückgekommen! Gibt es eine Möglichkeit dieser (selbstaufgebauten) Zwickmühle des Erkennens zu entkommen?

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Erdarbeiten

elfi wiese

„Wahrnehmung hört nicht beim Sehen mit den Augen auf. In jeder Wahrnehmung entsteht ein Wissen über Zusammenhänge, das von sich überrascht wird. Daher erzeugt die Wahrnehmung mehr als ein Spiegelbild der Wirklichkeit.“ [1]

ERDARBEITEN[2]

Für mich liegt im Umgang mit Materie und Landschaft eine wichtige Quelle für meine Bilder.

 

Seit fast 20 Jahren erkunde ich Landschaften auch dadurch, dass ich Erdmaterial in ihnen sammele. Weil mich die Erde, der Untergrund, in seiner Konsistenz und Farbigkeit anzieht und sich mir dadurch ein Aspekt einer Landschaft erschließt, der im wahrsten Sinne des Wortes „untergründig“ wirkt und meist eher unbeachtet bleibt.

Oft sind die Orte, an denen ich Erden finde menschengemachte „Wunden“ der Erde: Äcker, Sand-oder Baugruben, Steinbrüche, Gräben, Hänge,  Wegränder.

Hier ist die Erde nackt, öffnet ihr Inneres und zeigt sich.

Im Atelier verarbeite ich dieses Erdmaterial durch sieben oder reiben so fein wie möglich oder nötig, um es mit…

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Der Pendelschlag des Ich im Gefühl

Am nächsten Samstag gehen wir den nächsten Schritt in unserer Seminarreihe ‚Ich-Entwicklung Begleiten‘, wobei der Begriff Seminar das Geschehen in diesen Veranstaltungen nicht wirklich trifft, da es immer ein Live-Prozess ist. Aber ein gewisser begrifflicher Vorlauf, eine gewisse thematische Bestimmung ist immer hilfreich um dann improvisieren zu können. In diesem Sinne wollen wir nächsten Samstag das Thema Wille und Gefühl im Ich angehen. Vorausgehend deshalb einige Überlegungen zum Thema.

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Das Ich im Fühlen des Gefühls

Um das Ich im Denken und Wahrnehmen bewusst werden zu lassen, geht es darum den Berührungspunkt zwischen meiner Tätigkeit im Denken und Wahrnehmen und dem objektiv Gegebenen in den Denkgesetzen und dem äußeren Geschehen zu bemerken. An dieser Grenze kann sich das Ich nur bewegen, wenn es sich selbst aktiv in seiner Tätigkeit bewusst ist – also sich als denkend oder wahrnehmend erleben kann. „Ich empfinde mich denkend…“ beginnt der Meditationssatz, man könnte ihn auch auf das Wahrnehmen anwenden: „Ich erlebe mich wahrnehmend…“ Also nicht ich erlebe meine Wahrnehmungen! Ich bin beteiligt am Zustandekommen des gesamten Zusammenhanges des Denkens oder des Wahrnehmens. Wobei es dabei fein auseinanderzuhalten gilt, die wirkliche eigene Beteiligung und die objektiven Zusammenhänge. Eine problematische Vermischung führt nur ins chaotische wahnhafte Denken und Wahrnehmen. Es handelt sich um ein Schwellengeschehen, bei dem immer die Gefahr besteht, dass die Denkformen und die Wahrnehmungsformen in falscher Weise mit Kraft aufgeladen werden. Falsch meint hier, dass das Ich sich selbst diese Kräfte zuschreibt und sich dadurch aufbläht. Es muss die kleine punktartige Grenzübergangsbewegung bleiben – empfindende Bewegung, nicht mit äußerer Kraft aufgeladene Selbstbezugnahme. Es geht um eine wahrnehmende Bewegung zwischen zentralem und peripherem Ich. Weiterlesen