Ich und Farbe

Ich habe gerade für den Katalog einer Freundin einen kleinen Beitrag verfasst und bin dabei auf eine interessante Stelle bei Rudolf Steiner ( in dem letzten Vortrag vom 8.Mai 1921 Das Wesen der Farbe) gestoßen. „Und wenn man namentlich dann etwa dazu übergeht, zu sagen – wobei man vom Ich nichts Genaues vorstellt -: draußen wäre irgendeine objektive Veranlassung, und die wirkte auf uns, auf unser Ich-, so ist das Unsinn. Das Ich selber ist in der Farbe drinnen. Es ist das Ich und auch der menschliche Astralleib gar nicht von dem Farbigen zu unterscheiden, sie leben in dem Farbigen und sind insoferne außer dem physischen Leib des Menschen, als sie mit dem Farbigen draußen verbunden sind; und das Ich und der astralische Leib, sie bilden im physischen Leib und im Ätherleibe die Farben erst ab. Das ist es, worauf es ankommt. So dass die ganze Frage nach der Wirkung eines Objektiven des Farbigen auf ein Subjektives ein Unsinn ist. Denn in der Farbe drinnen liegt schon dasjenige, was Ich, was astralischer Leib ist, und mit der Farbe herein kommt das Ich und der astralische Leib. Die Farbe ist der Träger des Ichs und des astralischen Leibs in den physischen und in den Ätherleib hinein. So dass die ganze Betrachtungsweise einfach umgedreht werden muss, wenn man zu der Realität vordringen will.“ (Dornach GA 291, 2011, S.82)

Ich und Astralleib sind die Farbproduzenten (wie die Maler) und ihre Produktion/Tätigkeit wird im Bewusstsein und im Organismus abgebildet. Die Frage, die sich mir stellt, kann ich mit Hilfe dieser Vorstellung vom Bewusstsein zu der Tätigkeit des Farbigen vordringen? Man kann sich diesem Sachverhalt auf zweierlei Weise annähern (wahrscheinlich gibt es mehr, nur sind mit diese beiden vertraut). Wenn man sich eine Zeit lang  intensiv mit einem begrifflichen Denken beschäftigt hat und dann vor die Tür tritt und sich auf das einlässt , was man dann erlebt, dann kann man eine intensiveres und lebendigeres Farbgeschehen  bemerken. Auch wenn man  die Beobachtung eines gemalten Bildes, oder einer Landschaft, insbesondere das Anschauen des Himmels dadurch intensiviert, dass man länger hinschaut kann es zu einer solchen Steigerung der Farbwahrnehmung und Farbempfindung kommen. Die Farbempfindung ist sogar das, in das sich die Wahrnehmung verwandelt. Wenn man nun noch versucht im Anschauen zu empfinden, wo eigentlich der Übergang von Außen nach Innen, oder von Innen nach Außen ist, dann steigert sich die Empfindung noch einmal dadurch, dass einem klar wird, dass eine Trennung in subjektiv/objektiv, innen/außen gar nicht mehr möglich ist.

Wir denken bei dem Begriff Farbe meist sofort an die an den Gegenstand, oder die Fläche gebundene Farbe, an das Bild der Farbe. Das ist aber nur der durch Organismus und physischen Leib abgelähmte Zustand der Farbe. Im Ich und im Astralleib – also in der geistigen Empfindung, ist die Farbe selber Empfindung und empfindend. Die Farbe, die ich empfinden und erleben kann, ist aber die Empfindung meines Ich in der Farbe.

Roland Wiese 2.3.2019

 

Forschungswege mit der Farbe IV

Ein weiterer Nachklang zur Ausstellung der Künstler in der Schreinerei in der letzten Woche mit einer Einführung von mir von 2013, mit der die Werkstatt Basel-Horstedt eröffnet wurde. Ein Nachklang und eine Fortführung unseres Forschungsweges mit der Farbe und mit der Kunst.  Beim Wiederentdecken des unten angefügten Textes wurde mir noch einmal deutlich welchen  Forschungs- und SchicksalsWeg wir (Elfi Wiese, Jasminka Bogdanoivic und Johannes Onneken) seitdem miteinander gegangen sind. Und zu dieser Kerngruppe gehören natürlich auch Wolfgang Voigt, Susanne Hörz und Rüdiger Mövens dazu.

Im letzten Jahr hatte unser Treffen ja in Basel stattgefunden – in der Volta Halle. Anlass und Inhalt war die große Ausstellung ‚Experiment Farbe‘, die Jasminka und Johannes mit Nora Loebe und Mathias Rang organisiert haben. Dort hatte Marianne Schubert schon uns angesprochen und von einer Ausstellung erzählt, die sie am Goetheanum veranstalten wolle. Und sie hatte Elfis Bilder gesehen und sie zu dieser Ausstellung eingeladen. Wir waren dann ja noch zum Goetheanum gefahren um die Ausstellung der Bilder von Hannes Weigert anzuschauen, die dort im Treppenhaus am Roten Fenster ausgestellt waren. Bei unserer Ankunft trafen wir direkt im Eingang auf Marianne, die uns eine sehr persönliche Führung durch die Ausstellung gab. Das war wie eine Art Auftakt zu dem Ausstellungsgeschehen in diesem Jahr. Die Ausstellung in diesem Jahr führte dann dazu, dass wir von Donnerstag bis Sonntag viel Zeit hatten miteinander zu arbeiten und uns auszutauschen. Und die Ausstellung führte auch, neben vielen anderen Künstlern, auch die Bilder von Johannes, Jasminka und Elfi wieder zusammen. Eine gewisse, fast wie ein Zitat wirkende, Objektivierung des Werkstattgeschehens von 2013. Weiterlesen

„Die Ich-Form der Wirklichkeit ist die Kunst…“

An diesem Wochenende fand im Goetheanum in Dornach eine Verkaufsausstellung mit 120 Künstlern aus 16 Ländern statt. 25o Werke, meist Bilder und Plastiken, waren zu sehen. Auf einer Auktion wurden Werke verstorbener Künstler versteigert. Marianne Schubert, die Leiterin der Sektion für Bildende Künste, hatte schon lange die Intention zu einer solchen Ausstellung. Ziel war es „einen Überblick zu zeigen über das zeitgenössische Schaffen aus anthroposophischen Quellen.“(Einladung)

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Marianne Schubert führt durch die Ausstellung

Gestern fand im Rahmen der Ausstellung ein Podiumsgespräch statt mit der Frage: „Gibt es Anthroposophische Kunst?“ Es war angenehm und überraschend, dass das Gespräch, in das das Publikum gleichberechtigt einbezogen war, zu einem Austausch wurde, in dem die unterschiedlichen Ich-Zugänge der Sprechenden zu diesem Thema deutlich wurden, und dadurch nicht Meinung gegen Meinung stand, sondern deutlich wurde auch welcher Ich-Wirklichkeit der Einzelne sprach. In eine zweite Stufe könnte ein solches Gespräch geführt werden, wenn diese Zugänge noch vertieft und weiter individualisiert werden könnten. Das würde zu der Frage führen, wie das eigene Verhältnis zur Anthroposophie ist, und zu welchen Intentionen es bei mir geführt hat sich in dieser Weise selbst zu aktivieren. Beispielsweise wäre es interessant zu erfahren, was einen Reinhold Fäth dazu gebracht hat sich so intensiv in die Geschichte der anthroposophischen Kunst einzuarbeiten und dies in eine Ausstellung münden zu lassen, während die Beschäftigung bei anderen zu bestimmten, ganz anderen künstlerischen Aktivitäten geführt hat. Denn meine These wäre, dass die Beschäftigung mit bestimmten Begriffen, im Menschen Willensintentionen freilegt, die ihn erst in die ganz eigenen Wirklichkeitsbereiche führt. Weiterlesen

…darüber hinaus…“HochRegalLager“ — elfi wiese

Die Matinee hatte viele interessierte Besucher und es entstand eine schöne Atmosphäre im Raum. Eine kleine Umgestaltung (siehe Foto) ermöglichte mir, die Wirkung unterschiedlicher Bilderserien in den Raum erlebbar zu machen. Weil danach gefragt wurde, habe ich mich entschlossen, die Ausstellung noch eine weitere Woche bestehen zu lassen: Ausstellungsverlängerung bis Sonntag, den 18.11.2018 in Horstedt […]

über …darüber hinaus…“HochRegalLager“ — elfi wiese

Neo Rauch

Auf arte war letztens ein Portrait des Leipziger Malers Neo Rauch zu sehen. (In der Mediathek noch zu sehen). Ohne dieses Portrait hätte ich mich wahrscheinlich nicht näher mit diesem Maler und seinen Bildern beschäftigt. Manchmal kann der Zugang zu etwas Neuem oder Fremden über die Bilder gehen, manchmal aber auch über die Person. In diesem Fall war es für mich die Person, weil mich die Bilder so gar nicht ansprechen. Ich hätte überhaupt keinen Zugang zu den Bildern bekommen, ohne diesen Film. Weder mag ich die Figuren, noch die Farben, noch die Kompositionen auf Anhieb. Das Erleben des Menschen, der diese Bilder malt, das ermöglicht der Film – gibt mir die Möglichkeit die Bilder anders anzuschauen, wie durch die Wirklichkeit des Ich des Malers hindurch, also nicht mit meinen vorhanden Empfindungen und ästhetischen Vorlieben. Das hängt auch damit zusammen, dass bei diesem Maler die Bilder direkt aus dieser Ich-Schicht heraus entstehen, und weiter begleitet werden. Dies betrifft sowohl die farbige Stimmung der Bilder, wie auch die Figuren (die ihn noch nachts verfolgen), aber auch die gesamte Komposition, die eine ganz eigenen Bildlogik gehorcht. Diese Bildlogik und auch die Art der Farbigkeit (Kunstkritiker sprechen von opaker Farbigkeit) haben eine Art Traumcharakteristik. Die Bilder sprechen durch diese Art natürlich die Phantasie der Betrachter an und bringen sie in diese mehr imaginative Stimmung. So wirkt es sehr skurril und intim zugleich, wenn man sieht, in welche Räume die Sammler seiner Bilder, diese hängen. Aber sie beschreiben sehr deutlich, dass die Bilder ihnen diese Räume ergänzen, entweder durch die Farbstimmung, oder durch die erweiterte Räumlichkeit, die das Bild in den Raum hinein schafft. Es geht also um Übergänge an den Grenzen der irdischen Räumlichkeit in die Farb- und Figur Räumlichkeit des Traumes, des Jenseits, einer imaginativen Wirklichkeit, die auch auseinanderliegende Zeiträume überspannt. Dabei scheint eine Art Grundstimmung immer wieder die Bilder zu durchdringen und zu tönen: Eine Lichtfarbstimmung, die ich mit den 50er und 60er Jahren verbinde. Wenn man dann noch aus dem Film erfährt, dass die Eltern des Malers bei einem Zugunglück ums Leben gekommen sind, im Alter von 19 und 21 Jahren, als er selbst erst einige Wochen alt war, und dass der Vater auch gemalt hat, dann kann man doch ansatzweise nachvollziehen aus welcher Wirklichkeitsschicht heraus der Maler malt. Auch die tiefe Ernsthaftigkeit, Kontinuität und Konsequenz Neo Rauchs verstärkt diesen Eindruck.  Diese Kraft hat sich sogar durch das Medium Fernsehen vermittelt und mir einen tiefen Eindruck von Mensch und Werk gegeben, der noch anhält. (Deshalb dieser Beitrag – als Fortsetzung dieser Wirkung)

Roland Wiese 23.10.2018

 

 

 

Wer schaut?

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Kinderportraits von Jasminka Bogdanovic in der aktuellen Wochenschrift

Mich beeindrucken diese Portraits von Jasminka sehr. Wir haben schon intensive Bildbetrachtungen von ihren Portraits gemacht. Aber diese Kinderblicke, die sie da gemalt hat, haben noch eine ganz andere Dimension.  Jasminka  geht es darum den Blick zu malen. Das bedeutet alles Gemalte  des Menschen dient nur dazu diesen Blick wahrnehmbar zu machen, der selbst ja nicht zu malen ist. Und dies ist bei Kindern besonders eindrücklich und ernst.  (Die Bildreihe entstand für die Kaspar-Hauser Festspiele in Ansbach 2018)

Roland Wiese 10.10.2018