2022 – 20 Jahre DELOS Forschungsstelle

Vor 10 Jahren, 2012, habe ich eine kleine Jubiläumshymne auf die DELOS Forschungsstelle geschrieben und veröffentlicht (‚Ein Delphin taucht selten allein‘.) Nun haben wir 2022 und und die Forschungsstelle, zumindest die Arbeit in Eichwalde in der Stubenrauchstraße 77, ist 20 Jahre alt geworden. Anlass genug für eine kleine persönliche Standortbeschreibung. Eine mehr ‚offizielle‘ Mitteilung der Forschungsstelle findet sich auf ihrer Webseite inklusive des Beitrages von mir und einem wichtigen Aufsatz von Wolf-Ulrich Klünker aus 2012.

Als wir vor kurzem, nach längerer Zeit, mal wieder zu einem Arbeitstreffen in Eichwalde waren, hatte ich den Eindruck, dass das Haus sich doch sehr verändert hat. Und diese Veränderung hat mit der Entwicklung der Arbeit der Forschungsstelle zu tun. Nur deshalb soll dies hier auch geschildert werden. 2012 war das Haus im wesentlichen eine Art Seminar-Ort mit Gästezimmern und Wohnetage. Durch die damalige Seminarstruktur und die Forschungstreffen hatte man als Besucher immer eine Art Sonntags oder auch Festtagsstimmung (so beschreibe ich es ja auch in meinem Jubiläumsbeitrag von 2012). Das Haus füllte sich bei Seminaren und Treffen mit Besuchern und mit dem was dort inhaltlich gearbeitet wurde. Aber nach den Treffen leerte sich das Haus auch immer wieder schnell und wartete bis zur nächsten Veranstaltung. Auch die Gastgeber Wolf-Ulrich Klünker und Monika Elbert waren zu dieser Zeit die meiste Zeit in ganz Deutschland unterwegs, entweder im Rahmen der ‚Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland‘ oder auch für Vorträge und Veranstaltungen an anderen Orten.

Inzwischen hat sich das Leben für die Beteiligten doch merklich verändert. In den letzten Jahren natürlich zusätzlich durch die Einschränkungen der Corona Situation. Die größte Veränderung war dabei die Professur für Wolf-Ulrich Klünker in der Alanus Hochschule, die vor Corona die Zeit aufgeteilt hat in die Alanus-Zeit und die Eichwalde Zeit, bzw. andere Termine. Die einzige Professur für Anthroposophie (Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie usw.) weltweit, inzwischen seit einigen Jahren mit Ramona Rehn als wissenschaftlicher Mitarbeiterin, wie das formal genannt wird. Eine intensive, auch viel Zeit verlangende Arbeit in Alfter bei Bonn. Abgenommen haben dafür die Vorträge anderswo, aber auch die Seminare und Forschungstreffen in Eichwalde sind weniger geworden.

Für das Haus in Eichwalde hat das zur Folge, das es nun mehr ein Lebens- und Arbeitsort für die Forschungsstelle geworden ist. Das zeigt sich dem Besucher daran, dass das Haus jetzt erstmals wie in jeder Hinsicht ‚bewohnt‘ und ‚beseelt‘ erscheint. Es ist sichtbar erfüllt vom Leben und Arbeiten dort und bekommt dadurch jetzt ein dauerndes Leben. Durch die Corona Situation und den Wechsel der Alanus und Seminar-Veranstaltungen in Zoom Formate war es jetzt auch Ausstrahlungspunkt für die inhaltliche Arbeit. Es wurde jetzt dauerhaft von dort gearbeitet, Eichwalde war überall und gleichzeitig waren die Orte der Teilnehmenden im Haus anwesend. Dieses Bild von Eichwalde ist aber nur äußerer Ausdruck einer sich auch weiter entwickelnden Forschung – es kann hier nur angedeutet werden was damit gemeint ist: Der Begriff ist in der Empfindung angekommen! soweit die begriffliche Seite. Gleichzeitig ist dadurch eine Durchdringung von Empfindung und Leben möglich, die weder in bisheriger Wissenschaft, noch in den allgemeinen Lebensformen bisher möglich war. Diese Berührung und Durchdringung mitzubekommen ist natürlich nicht einfach, da man eventuell mit bestimmten Erwartungen aus der Vergangenheit mehr an der begrifflichen Seite des Geschehens interessiert war und ist. Das heißt auch die Formen , in denen eine solche Forschung (mit)geteilt werden kann, sind nicht mehr die Formen von vor zehn Jahren. Die Entwicklung läuft auf eine immer situativere Lebens- und Arbeitsform hinaus, während die allgemeinen Wissenschafts- und Lebensformen immer mehr in systematisierende Planungen und Zielvorstellungen gepresst werden. Inspiration, also Schicksalssinn und Entwicklungssinn, sind aber in solchen Formen nur schwerlich zu leben. Auch insofern ist eine solche Forschung immer auch ein maximaler Grenzgang und ähnlich wie andere Grenzberührungen nicht unbedingt massentauglich.

Die eigene individuelle Beziehung zu diesem Forschungs- und Lebens Geschehen entwickelt sich auch weiter. Seit dem Sommer gehöre ich als Mitarbeiter und Gesellschafter zur DELOS-Forschungsstelle dazu, aber in ganz eigener Position und Rolle. Deshalb kann ich eigentlich keine Jubiläumshymne mehr wie vor 10 Jahren mit dem Blick von außen schreiben. Ich kann nur aus meinem Beteiligt Sein berichten und der Sinn des Berichtes liegt darin auf die Dimensionen der Forschungsarbeit und damit der Forschungsstelle in Eichwalde hinzuweisen.

Roland Wiese, 15.1.2022

DELOS Adventskalender

Ein Student der Alanus Hochschule hatte die Idee, Aussprüche von Wolf-Ulrich Klünker, die ihn in verschiedenen Veranstaltungen beeindruckt hatten, zu einem Adventskalender zu gestalten, stellenweise mit durchaus humoristischen Untertönen. Das Ergebnis hat uns echt „berührt“, in mehrfachem Wortsinn; Sie finden es im Anhang und auf der Webseite der Forschungsstelle für Psychologie DELOS.

Ramona Rehn
Wolf-Ulrich Klünker
Roland Wiese

Was ist Selbstentwicklung?

Die Wirkung der Selbstentwicklung auf das Kind

Am 19. und 20. 11.21 sollte ein Seminar mit dem obigen Thema im Waldorfseminar Köln stattfinden. Da sich nicht genügend Teilnehmer*innen angemeldet haben, haben wir das Seminar abgesagt. Angesichts der aktuellen Entwicklung der Infektionen vielleicht eine kluge Entscheidung, denn das Seminar sollte in Präsenz stattfinden. Da ich das Thema für wichtig und auch für fruchtbar halte, möchte ich die freigewordene Zeit nutzen, um einige Aspekte, die auch im Seminar eine Rolle gespielt hätten, aufzuschreiben. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit das Seminar zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen.

Einstieg

Wie wirkt eigentlich die Umgebung auf das Kind und wie geht das Kind mit dieser Wirkung um? Es ist ja bekannt, dass gerade beim kleinen Kind die Umgebungswirkung nicht nur eine seelische ist, sondern dass das Kind in den ersten Jahren seinen Organismus, seinen Leib aufbaut. Und dieser Leibaufbau ist im Wesentlichen davon geprägt, was das Kind aus seiner Umgebung aufnimmt an Wahrnehmungen, Empfindungen, Gefühlen usw. Natürlich wirkt auch die ganze äußere Umgebung des Ortes, der Landschaft, des Klimas in diese Leibbildung mit hinein. Rudolf Steiner hat 1924 diese Situation des (ganz) kleinen Kindes sehr prägnant beschrieben: „Wir sind als Kind fast ganz Sinnesorgan, Auge, Ohr. Das Kind nimmt alles, was in seiner Umgebung geschieht, so wahr, wie wenn sein ganzer Körper Sinnesorgan wäre. Deshalb macht es alles nach, weil alles weitervibriert in ihm und wiederum mit derselben Weise, wie es in ihm vibriert, durch seinen Willen aus ihm heraus will.“ (sogenannte Klassenstunden: Neunte Stunde 22.4.1924) Also alles, was um das Kind herum ist, wirkt auf das Kind und wirkt in das Kind hinein „vibrierend“ und  diese Einwirkung vibriert in den Willen, also in die Bewegung des Kindes hinein und durch den Willen des Kindes als Bewegung wieder aus ihm heraus. Und durch diese Tätigkeit werden die Umgebungswirkungen vom Kind einverleibt. Die Umgebung des Kindes ist nicht etwa tot oder passiv und sie muss vom Kind wahrgenommen werden. Die Umgebung ist Vibration für das Kind und wird auch wieder in gleicher Weise ‚ausgeatmet‘ als Vibration, als Bewegung. In das Kind geht permanent die Bewegung der Umgebung ein und wird als Bewegung wieder durch das Kind hindurch ausagiert.

Wilhelm Lehmbruck, Mutter und Kind 1907
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Leben und Licht

Als ich am Samstag Blätter zusammenharkte und in meinen Hänger packte, um sie auf den Grünplatz zu bringen, leuchteten aus dem Hänger die farbigen Blätter so konzentriert, dass ich dachte ich habe eine Art Lichtbatterie vor mir. Eine Art realer Photovoltaik, eine Ausstrahlung von Lebenslicht aus den Blättern. (Ich gebe zu, ich hatte tatsächlich kurz den Gedanken, man müsste doch etwas mit diesem Lichtleben machen). Natürlich hatte ich schon die ganze Zeit intensiv die Lichtfarben der absterbenden Blätter aufgesogen. Aber erst mit den Blättern im Hänger wurde mir etwas klar. Das ausstrahlende Licht der Herbstblätter erlebte ich in einem Kontrast zu dem mehr einstrahlenden Licht der Frühlings Vegetation. Es ist jeweils eine andere Gefühlsstimmung, die die jeweilige Pflanzenlebenslage begleitet. Das Licht das in die Pflanze einstrahlt und sie lebendig macht, wachsen lässt, dass durch die noch zarte Pflanze hindurchstrahlt, oder das Licht, das aus den Blättern am Ende ihres Lebenszyklus herausstrahlt. Dieses Licht hat gelebt und es steht kurz davor dieses Leben auch zu erleben. Aber dafür fehlt der Pflanze, dem Baum der Innenraum. Es ist ein Licht, in dem das Leben dieser Pflanze, dieses Baumes in diesem Sommer, lebt und webt. Es muss aus dem ‚Körper‘ Blatt heraus, dieser kann es nicht halten. Der Baum muss wiederum die Blätter abstoßen, weil er das Seelisch werdende des Blattes nicht ertragen kann. Es würde ihn vergiften. Stattdessen bildet er im verhärtenden Holz seine Lebensringe des Wachsens. Manche Blätter haben auch mehr die Tendenz zum Holzigen, wie die Eichenblätter, manche, wie die Ahornblätter und die Lindenblätter haben mehr die Tendenz zum Wässrigen und zum Leuchtenden. Zwei Art Lebenslicht: Einstrahlendes Lebenslicht und austrahlendes vergehendes gelebtes Licht. Der Unterschied zur Lichtrhythmik im menschlichen Leben – aber gleichzeitig wie eine Begegnung mit einem großen weiten Licht-Lebens-Ich.

Gleichzeitig haben die Blätter ja dieses Jahr, diesen Sommer über gelebt. Sie haben das Licht, das sie jetzt ausstrahlen, die Farben, in denen sie jetzt erstrahlen, aus dem Leben dieses Sommers herausdestilliert. Wenn ich jetzt diese Farben und ihr ausstrahlendes Licht erlebe, trifft dies auf mein Leben, das ich in diesem Jahr gelebt und erlebt habe. Und es entsteht eine Wechselwirkung zwischen beiden. In mir wird das gelebte Licht der Pflanzen menschlich seelisch.

16.11.2021

Von der alten Technik zur neuen Natur des Ich

Karma 3

Pressefoto http://www.currenta.de


Was Fritz in diesen acht Jahren gewonnen hat, das und mehr, habe ich verloren, und was von mir eben übrig ist, erfüllt mich selbst mit der tiefsten Unzufriedenheit … Wollte ich selbst noch mehr von dem bisschen Lebensrecht opfern, das mir geblieben ist, so würde ich Fritz zum einseitigsten, wenn auch bedeutendsten Forscher eintrocknen lassen, den man sich denken kann. Fritzens sämtliche menschlichen Qualitäten ausser dieser einen sind nahe am Einschrumpfen und er ist sozusagen vor der Zeit alt …

Clara Haber in einem Brief an Richard Abegg


In Leverkusen sind im Juli 2021 einige Tanks in einer Sondermüll-Verbrennungsanlage explodiert. Dabei gab es wahrscheinlich sieben Tote und  31 Verletzte. Eine dicke schwarze Rauchwolke zog über die umliegenden Stadteile bis ins Bergische Land. Mir brachte das Ereignis meine Kindheit und Jugend (ich bin 1957 in Leverkusen geboren) in Erinnerung und meine ganz persönliche Verbindung mit der Chemieindustrie. Durch diese Verbindung, die ich vor einigen Jahren auch inhaltlich bis in die Geschichte hinein noch einmal ganz bewusst aufgearbeitet habe, ergaben sich mir einige Perspektiven auf die chemische Industrie des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie dienen mir in diesem Beitrag als Ausgangspunkt für die Frage wie sich Ich-Entwicklung und technische Entwicklung zueinander verhalten, und wie die technische Entwicklung aussehen würde, die aus einer Ich-Entwicklung hervorgeht.

Karma, also Schicksal, ist diese Frage insofern, als ich biographisch, also in meinem Leben mit der Leben gewordenen Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts konfrontiert worden bin, in ihr gelebt habe und lebe. Ich habe also ihre Wirklichkeit am eigenen Leibe und im eigenen Erleben erfahren. Gleichzeitig habe ich aber einen innerlichen Bezug zu einer anderen Denkart, zu jener Wissenschaftsrichtung, die sich historisch – zu Beginn des 20. Jahrhunderts – durch Rudolf Steiner als notwendige Alternative zu der herrschenden Wissenschaftsart  entwickelt hat. Auch diese Entwicklung ist inzwischen ‚Leben‘  und damit auch mögliches ‚Erleben‘ geworden. In der eigenen Biografie sind also Leben gewordene Denkrichtungen und Denkarten zu finden, die diese möglicherweise viel mehr bestimmen als psychologische Phänomene. Das Freilegen solcher geistigen Strömungen im eigenen Leben hilft die die darin liegenden Erkenntnisprobleme und -aufgaben zu bemerken und anzugehen.

Da der Beitrag sehr lang ist, habe ich ihn als PDF beigefügt. Außerdem gibt es auf der Seite Forschungsstelle für Psychologie DELOS einen Beitrag von Wolf-Ulrich Klünker zum Thema Mischung und Entmischung der Elemente inklusive einer Erstübersetzung eines Textes von Thomas von Aquin über die Mischung der Elemente.

Hinzufügen möchte ich auch, dass ich in keiner Weise technikfeindlich eingestellt bin, sondern mich sogar als technikaffin erlebe. Es geht hier nicht darum die aktuelle Technik zu kritisieren, sondern ihre Entwicklung und Grundlagen zu verstehen und einen ganz anderen Ansatz für eine neue Technik zu suchen.

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Selbstentwicklung – Sein und Werden

Mein Thema, Ich-Entwicklung oder Selbstentwicklung, als therapeutische oder pädagogische Wirkung auf mich selbst und andere Menschen, wird in einer aktuellen Buch-Veröffentlichung behandelt. Ich finde darin einige interessante Ansätze und Formulierungen, die an sich schon eine Entwicklungswirkung haben, wenn man mit ihnen etwas umgeht. Es geht um zwei Aufsätze in dem gerade erschienenen Buch ‚Sein und Werden‘, Beiträge zum Entwicklungsverständnis der Waldorfpädagogik‘, herausgegeben von Leonhard Weiss und Carlo Willmann.

Ganz zum Schluss, ich gebe zu die anderen Beiträge noch nicht einmal angelesen zu haben, kommen diese beiden Aufsätze unter der Kapitelüberschrift ‚Fundierende Perspektiven einer entwicklungsorientierten Pädagogik‘: Wolf-Ulrich Klünker ‚Entwicklung, Wirksamkeit und Begriff‘ und Wolfgang Tomaschitz ‚ „Wenn ich einmal groß bin…“ Was es vernünftigerweise heißen könnte, seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen‘. Ganz im Sinne beider Autoren, die Anthroposophie grundsätzlich als Anregung zu Selbstentwicklung verstehen, soll auch hier nur angeregt werden beide Beiträge zu lesen. Deshalb nur einige Einblicke!

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Was ist Selbstentwicklung und wie wirkt sie auf das Kind?

Im November bin ich mit Susanne Hörz im Waldorfseminar in Köln zu einem Seminar eingeladen!

https://www.waldorfseminar-koeln.de/aktuelles/

Wir möchten mit Ihnen zusammen untersuchen, wie die eigene Selbst-Entwicklung in der pädagogischen Arbeit wirkt. Dazu gehört die grundlegende Frage was (m)eine Selbst-Entwicklung ist, die nicht nur
auf mich selbst wirkt, sondern auch in der pädagogischen Arbeit mit dem Kind.
Unterstützung in der eigenen Entwicklung. In der Pädagogik steht meist das Kind im Mittelpunkt. In diesem Seminar geht es um die Ich-Entwicklung der Erwachsenen in der Umgebung des Kindes. Was ist Ich-Entwicklung? Wie hängen Bewusstseins- und Lebensentwicklung zusammen?
Wir werden gemeinsam im Gespräch und mit Übungen an diesen Fragen arbeiten.


Termin: Freitag, 19.11.2021 von 17:00 – 20:00 Uhr
Samstag, 20.11.2021 von 10:00 – 17:00 Uhr


Dozent:in: Roland Wiese, Sozialtherapeut, Supervisor, Autor
(Umkreis e.V.; GESO-Gesellschaft für soziale Hilfen;
http://www.rolandwiese.com)
Susanne Hörz , Kunsttherapeutin BA und
Aufbaustudium zur Waldorflehrerin in Hamburg.


Ort: Michaeli Schule Köln
Vorgebirgswall 4-8
50677 Köln


Kosten: 140 € pro Person
120 € p. P. bei Teilnahme ab 2 Personen einer Einrichtung
100 € p. P. bei Teilnahme ab 3 Personen einer Einrichtung
Anmeldung: Seminar für Waldorfpädagogik Köln, Tel. 0221- 94 14 930, rausch@fbw-rheinland.d

Lebendige Biographiearbeit 2

Auf meinen Beitrag hat Gabriel Prinsenberg geantwortet. Es freut mich, dass mein Zusammenhang auch für ihn stimmig ist!

Gabriël Prinsenberg


15 August 2021

Liebe Elfi und lieber Roland,

vielen Dank für Eure guten Wünsche zu meinem Geburtstag am 2. August! Mit großem Interesse Roland,habe ich die beiden neuen Texte zur Entwicklung unseres Stils der Biographiearbeit gelesen. Ich danke Dir sehr für Deine ausführliche und existenzielle Analyse. Deine Reflexionen über die Entwicklung unserer biografischen Arbeitsweise und den weiteren Verlauf unserer vielen Kurse haben mich sehr beeindruckt! Ich finde es sehr besonders, dass du es geschafft hast, einige Kerne aus meiner Motivation zu verfolgen:
Schön finde ich, dass Du schreibst, dass ich mich im Vorwort meines Buches Der Weg durch das Labyrinth ganz direkt beziehe auf die Schule von Chartres und die entsprechenden Freien Künste und Wissenschaften und bezeichnest sie als meine Inspirationsquelle. Das heißt, die Biographiearbeit, aber auch alle anderen Forschungs- und Übungsansätze in den Seminaren jener Zeit, beziehen sich auf einen realen Inhalt – den Zusammenhang der mikrokosmischen menschlichen Seele mit dem Makrokosmos und sie knüpfen damit an einen realen Seelenbegriff an.

Auch finde ich es ganz interessant, dass Du rückblickend auf euer eigenes Ausbildungsgeschehen drei wesentliche Wirkungen beschreibst:

* Die Seminare, wie sie von gestaltet wurden, – mit ganz viel ‚Kunst‘ aus allen Bereichen, hatten eine seelentherapeutische Wirkung auf die dramatisch ‚verarmten‘ Seelen der achtziger Jahre. Also die vollständige Durchdringung sowohl der Seminare, wie auch der Inhalte mit dem Künstlerischen gab den Seelen der damaligen Zeit eine Art künstlerische Erfüllung.

* Die zweite Wirkung war, dass durch die Übungen und die vielen Gespräche, eine Vertiefung der Begegnung mit anderen Menschen möglich wurde. Es wurde das sichtbar und hörbar, was nicht das Offensichtliche und Äußere am anderen Menschen war, sondern, das, was durch ihn hindurch tönte, also nicht seine Person, sondern sein ‚personare‘. Auch dies hatte wechselseitige therapeutische Qualität.

*Die dritte Wirkung ist ambivalenter, aber war ebenso deutlich zu bemerken: Die Begegnung mit den allgemeinen seelischen Qualitäten (Temperamente, Planetenqualitäten, Tierkreis etc.) verobjektiviert das eigene Seelische. Es kann sich eine gewisse Emanzipation vom gegebenen Seelischen vollziehen. Dies geschieht meist nicht ohne Krise. Häufig kam es in den Seminaren zu Begegnungen mit dem eigenen Doppelgänger, oder dem des anderen Menschen. In der Folge konnte es zu einer neuen Nacktheit der Seele kommen. Mit einer solchen freieren Empfindungsfähigkeit war es aber nicht einfach zu leben. Deshalb hatte so manches Seminar seine ganz eigene Dramatik!“
Ich freue mich auch, dass Du eine schöne Verbindung zu den Einflüssen aus der humanistischen Psychologie hergestellt hast und meine Arbeit auch als eklektisch sehst. Es war wirklich ein Volltreffer, dass Du den Humanismus, Desiderius Erasmus, aber auch die humanistische Psychologie beschrieben habst. Bei meiner Tätigkeit als Lehrer an den verschiedenen Fachhochschulen in den Niederlanden haben mich vor allem – neben anthroposophischen Quellen – die humanistischen Methoden inspiriert, die in den 1960er und 1970er Jahren so großen Einfluss zur Entwicklung der Sozialen Arbeit hatten.

Ich möchte ein paar Worte zur Persönlichkeit von Erasmus sagen. Obwohl er in Rotterdam (1466) geboren wurde, wurde er in Gouda gezeugt, meiner Heimatstadt und berühmt für seinen Käse und die größte Glasmalerei der Welt in der St.-Johannes-Kirche (Sint Janskerk). Damals schrieb man: „Goudae conceptus, Rotterdami natus“ Er war das Kind des Pfarrers von Sint Janskerk und seiner Freundin. Um den ‚Unfall‘ zu verbergen, fuhren seine Eltern nach Rotterdam, 18 KM weiter, wo Erasmus geboren wurde. Kurz darauf gingen sie zurück nach Gouda, wo er zur Schule ging und später ins Kloster eintrat. Später wurde er dispensiert und ging in die weite Welt hinaus und wurde einer der größten Gelehrten seiner Zeit. Zwei Motive bestimmen die Ideen von Erasmus: die Freiheit der Menschen und der Frieden. Über die Freiheit schrieb er 1516 unter anderem die Institutio, in der er feststellt, dass der Mensch frei ist und daher nicht tyrannisch über andere herrschen oder sie als Sklaven behandeln darf.

1517 schrieb er „Querela pacis“, die Friedensklage. Er beschäftigt sich unter anderem mit Nationalismus: „Die Engländer verachten die Franzosen aus keinem anderen Grund, als weil sie Franzosen sind. Die Schotten werden gehasst, weil sie Schotten sind. Der Deutsche streitet mit dem Franzosen und beide kämpfen gegen den Spanier. Was könnte schlimmer sein als Nationen, die sich bekämpfen, nur weil sie unterschiedliche Namen haben? Es gibt so viele Dinge, die sie zusammenbringen sollten. Warum sind sie als Menschen ihren Mitmenschen gegenüber nicht wohlwollend?“ Man kann ihn auch wegen seiner vielen Reisen und Begegnungen einen echten Europäer nennen. Trotz seiner heftigen Kritik am Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche blieb er seiner Kirche treu. Schon als Kind war ich von seiner besonderen Persönlichkeit und seinem Wert für die Kultur Europas berührt und besuchte die Orte, an denen er in Gouda gelebt hatte. Ich glaube, ich besitze mehr als 10 Bücher über ihn. Während eines Symposiums in Gouda, an dem ich vor einigen Jahren teilnahm, verlas der Nuntius (Vatikan-Botschafter in Den Haag) einen Brief von Papst Franziskus und lobte Erasmus für seinen großen Wert für die Welt. Während Erasmus seinerzeit von der Kirche wegen seiner Kritik fast denunziert wurde…

Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, in der diese Form der biografischen Arbeit, die ich heute als zeitgemäße Anwendung der Lebenskunst betrachte, die Menschen weiter inspirieren kann?

Anbei: Photo Gabriël als Erasmus, während Erasmus Ausstellung in Museum Gouda…

Lebendige Biographiearbeit

Gabriel Prinsenberg und Roland Wiese (Juli 2021)

Am 8. Juli besuchten uns Olga Bohnsack und Gabriel Prinsenberg. Ein Wiedersehen nach 20 Jahren! Mit den Beiden haben wir in den neunziger Jahren eine Ausbildung in Biographiearbeit organisiert. Eine Weiterbildung für Menschen in sozialen Berufen über 2 Jahre. Über hundert Menschen haben damals daran teilgenommen. Anfang 2000 ebbte der Impuls und die Nachfrage bei uns ab und endete dann 2003. Insofern viel gemeinsame Vergangenheit, aber auch eine Lücke von 20 Jahren und dementsprechend war ich einerseits neugierig, andererseits auch unsicher, wie dieser Besuch sein würde. Nachdem Olga und Gabriel Elfis Ausstellung im Museum in Zeven angeschaut hatten, haben wir vom Nachmittag bis spät in die Nacht intensive Gespräche gehabt. Später kamen auch Martina und Andreas Rasch dazu, die die Organisation der Ausbildung in den letzten Jahren übernommen hatten. Nun kann man weder ein Gespräch wiedergeben, noch die Gesprächsatmosphäre in einem solchen Beitrag wiedergeben. Ich werde deshalb versuchen (in Fortführung meines Beitrages zum Schicksalssinn) einige Grundgedanken und Figuren zur Biographiearbeit aus heutiger Sicht zu skizzieren. Dass dabei Gabriel Prinsenberg im Vordergrund steht, ist keine Missachtung der anderen Beteiligten, auch nicht von Olga, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass Gabriel Prinsenberg doch eine Art Repräsentant für die Biographiearbeit im 20. Jahrhundert ist. Dies wurde insbesondere in unserem Nachtgespräch sehr deutlich, in der Gabriel seine eigene Biographie in einer bestimmten Perspektive erzählte. Vielen Dank für dieses Gespräch und euren Besuch!

Mein Vater ist 2017 gestorben. Er ist 1930 geboren. Meine Mutter ist 1935 geboren. Gabriel Prinsenberg ist 1932 in den Niederlanden geboren. Er gehört also zur Generation meiner Eltern. Als wir uns kennenlernten, hatte ich mich durch meine eigene anthroposophische Entwicklung von meiner Herkunftsfamilie noch einmal weiter entfernt. Umgekehrt, stellte Gabriel für mich eine lebendige Verbindung zu der Zeit nach 1930 dar, und dies sowohl biographisch (wie meine Eltern), aber auch geistig-seelisch, was den Bereich der Psychologie und der Sozialarbeit betrifft. Diese (lebendige) Verbindung ist für mich wichtig, weil sie eine Art geistesgeschichtlicher Lücke in mir füllte, zwischen der Freud/Steiner Zeit und der Zeit der neunziger Jahre. Ich habe diese Lücke, vor allem die sechziger und siebziger Jahre betreffend, später noch in meiner Supervisionsausbildung für die humanistische Psychologie ausfüllen können. Gabriel bezeichnet seinen eigenen Ansatz in der Biographiearbeit als ‚ekklektisch‘. Das heißt er knüpft dezidiert an einige Psychologen an, die für ihn eine Art Ausgangspunkt für seine Arbeit bieten konnten. Er nennt immer wieder Charlotte Bühler, aber auch Alfred Adler (als jemanden, der das Leben nicht aus der Vergangenheit bestimmt sieht, sondern den Zukunftsbezug im Blick hat, und auch und vor allem Viktor Frankl, der wiederum als einer wenigen die Zeit der 30er und 40er Jahre in seiner Psychologie einbezogen hat und damit die Existentialität dieser Zeit in die Psychologie und Psychotherapie aufgenommen hat. Eine Art Bindeglied zwischen diesen Psychologen und der Anthroposophie war für Gabriel Bernhard Lievegoed, der mit seinen Büchern, vor allem, ‚Der Mensch an der Schwelle‘, aber früher noch mit seinem sehr populären Buch: ‚Lebenskrisen-Lebenschancen‘ (1979) die Frage der biographischen Entwicklung angesprochen hat. Man könnte beinahe sagen Bernhard Lievegoed, der in den 70er und achtziger Jahren auf dem Höhepunkt seiner Wirksamkeit war, wirkte indirekt verbindend auf die entstehende gemeinsame Arbeit. Denn auch in unserer ersten Arbeit als Umkreis-Gruppe haben wir uns mit seinem Buch ‚Der Mensch an der Schwelle‘ beschäftigt. Zur Gruppe gehörten damals Menschen mit seelischer Erkrankung und da in Lievegoeds Buch das Thema der seelischen Erkrankungen in Bezug zur menschheitlichen Entwicklung geschildert wird, also als eine problematische geistige Erfahrung, ein Schwellenübertritt, dem man aber nicht gewachsen ist, war das für uns ein interessanter Ansatz des Verständnisses seelischer Erkrankung jenseits der medizinischen Anschauungen. In diesem Kreis haben wir uns auch mit dem Thema der Biographie beschäftigt und sowohl die eigene Biographie wie auch die Biographien von Künstlern gemeinsam studiert. (Ich kann mich heute noch an die Schilderung einer Teilnehmerin erinnern, die sich mit Käthe Kollwitz beschäftigt hatte – vor allem weil die Biographin und Käthe Kollwitz eine ganz bestimmte Ähnlichkeit für mich bekamen).

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Der Schicksalssinn

Karma 2

Will man über individuelle karmische Entwicklungen etwas sagen oder schreiben, dann braucht es dafür konkrete Erfahrungen und konkrete Anlässe. Mit Anlässe ist eine Art Anstoß oder eine Begegnung gemeint, die von außen und damit wie objektiv einen Zusammenhang sichtbar werden lässt, der nicht nur persönlich ist, sondern auch eine geistesgeschichtliche Figur beinhaltet. Ein solcher Anstoß kam vor kurzem mit einer Mail von Olga Bohnsack und Gabriel Prinsenberg, die uns darauf hinwiesen, dass wir vor dreißig Jahren, also 1991, das erste Biografie-Seminar von Gabriel im Umkreis e.V. veranstaltet haben. Ich war damals mit Olga auch Teilnehmer dieses ersten Seminars, während Elfi  die komplette Organisation und Durchführung geleistet hat. Aus diesem ersten Seminar hat sich dann eine kontinuierliche Zusammenarbeit entwickelt, die über zehn Jahre währte.  In dieser Zeit entwickelten wir gemeinsam mit Gabriel und Olga aus den einzelnen Seminaren eine Weiterbildung für Menschen in sozialen Berufen, die für viele Menschen eine wichtige Grundlage für ihre soziale und therapeutische Arbeit wurde. Neben den Seminaren mit Teilnehmenden aus ganz Deutschland, entwickelten wir regionale Kleingruppen. Und durch die gemeinsame Ausbildung entwickelten sich viele langwährende Beziehungen unter der den Teilnehmenden. Dies hatte nicht zuletzt auch damit zu tun, dass die Seminare sich sehr persönlich mit Fragen des eigenen Schicksals beschäftigten und gleichzeitig dieses Schicksal auf seine ihm innewohnenden Kräfte und Gesetze angeschaut wurde. Gabriel Prinsenberg veröffentlichte 1997 sein Buch ‚Der Weg durch das Labyrinth‘  Biographisches Arbeiten Begleitung auf dem Lebensweg. 1999 haben wir im ‚Umkreis‘ ein kleines Büchlein von Gabriel herausgegeben, das den Titel trägt ‚ Die Kunst in den helfenden Berufen‘. Damals schrieb ich im Vorwort:“ Der Umkreis e.V. leistet Sozialarbeit – wie begleiten Menschen mit schweren psychischen und sozialen Problemen. Aus dieser Arbeit heraus hat sich das Bedürfnis, ja die Notwendigkeit nach weiterer eigener Ausbildung und Forschung in dem Bereich der Kunst des Helfens entwickelt. In unserer so wissenschaftsgeprägten Zeit ist es für uns ein elementares Bedürfnis die Sozialarbeit künstlerisch zu erweitern. Nur so wird sie dem ganzen Menschen gerecht. (…) Es gibt für eine erweiterte Sozialarbeit nur wenig Grundlagenliteratur. Gabriel Prinsenberg hat hier skizzenhaft einiges von dem vorgelegt was in einer solchen grundlegenden Ausbildung für eine anthroposophisch erweiterte Sozialarbeit zu finden sein wird.“

Nach der Jahrtausendwende verlor dieser Impuls (bei uns) an Kraft, und die Seminare endeten. Gleichzeitig begann unsere intensive Zusammenarbeit mit Wolf-Ulrich Klünker und Monika Elbert von der DELOS-Forschungsstelle für Psychologie in Berlin (Eichwalde). Diese fand ihren Niederschlag in unserer eignen Forschungs- und Seminartätigkeit mit dem Schwerpunkt Ich-Entwicklung (und der Mitarbeit an dem Buch ‚Psychologie des Ich‘). Anlass genug einmal aus heutiger Sicht diesen Zusammenhang in den Blick zu nehmen. Dies kann vielleicht auch helfen die eigene Spur und die damit verbundenen Intentionen (auch die des Umkreis e.V.) besser sehen zu können. Denn die Frage nach der (freien) Begleitung von Menschen auf ihrem Lebensweg und in ihrem Leben ist immer noch unsere Intention. Unsere Fachstelle ‚Maßstab Mensch‘ ist die aktuelle Realisierung dieser Intention. Die Frage nach der Psychologie des Menschen oder des Ich konkretisiert sich deshalb bei uns auf die Frage nach den psychologischen Grundlagen einer Sozialarbeit, die real in der Schicksalssphäre wirksam wird.

 

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Biographiearbeit und Karma

Beginnen wir am Ende: Uns hat damals die Frage nach dem roten Faden in der eigenen Biografie in die Frage geführt, wie denn in der eigenen Biografie das eigene Karma zu erkennen ist. Also die Frage nach dem Aufwachen im eigenen Leben hat zu der Frage nach den Kräften und Formen geführt, die dieses Leben gebildet und geformt haben. Das Ende der Biographiearbeit war für uns, die wir diese Ausbildung durchlaufen und auch mitgestaltet haben, der Anfang unserer Karma Forschung. Von der Wirkung, vom Ergebnis her geschaut, hat unsere Biographiearbeit uns auf die Spur unserer weiteren Schicksalsentwicklung gebracht, weniger, wie wir uns vorgestellt hatten, erkennend, als vielmehr wirkend. Dazu passt auch, dass unsere Versuche, die Karma Forschung direkt an die Biographiearbeit anzuknüpfen erst einmal vollständig scheitern mussten. Sowohl die Seminare, die damals besucht wurden, wie auch eigene Versuche einen Weg zu finden, führten immer in eine Sackgasse, weil wir bemerkten, dass die Art der Forschung dem Gegenstand nicht angemessen war.

Erst die über zehnjährige intensive Zusammenarbeit mit Wolf-Ulrich Klünker in dem Forschungskreis zu Therapiefragen (ab 2003) mit vielen Wochenendtreffen und Seminaren, hat diese Frage einlösen können. Das Buch ‚Die Empfindung des Schicksals – Biografie und Karma im 21. Jahrhundert‘ , von Wolf-Ulrich Klünker 2011 veröffentlicht, bezeugt diese Einlösung. „Selbsterkenntnis und Schicksalserkenntnis gehören heute eng zusammen. (…) Ich brauche mich selbst in der Fülle meines irdischen Seins, um mich geistig begreifen zu können. Und gleichermaßen: Ich selbst als geistiges Wesen kann mir der Wirklichkeit, die auch jenseits der Schwelle gilt, nur bewusst werden, wenn ich von meiner irdischen Lebensseite alle Höhen und Tiefen, alle Chancen und Gefahren , alle Hoffnungen und Ängste miteinbeziehe.“ (S.7) Und im Klappentext heißt es: „Das Ich kann heute für die Wirklichkeit des Schicksals erwachen. In der Biografie verbinden sich Bewusstsein und Leben zu einer Empfindung karmischer Realität. In dieser Schicht des Erlebens findet Anthroposophie ihre Form für das 21. Jahrhundert“. Meine grundlegende Empfindung für diesen ‚Weg‘ würde ich so kennzeichnen: Angekommen! Man könnte es auch die Erfüllung einer Bewegungsintention nennen. Wobei diese Erfüllung, dieses Angekommen sein natürlich sogleich zwei Seiten hat: Ja, du hast ein Ziel erreicht, aber was nun? Es trat tatsächlich mit der Erfüllung einer bestimmten ‚Suche‘ ,mit dem Ankommen im eigenen Schicksal, das neue Problem auf, dass anscheinend (zumindest aus heutiger Sicht betrachtet) kein weiteres Ziel intrinsisch veranlagt war. So dass mit dem Erreichen dieses Zieles das ‚neue‘ Gefühl, eine neue ‚Empfindung‘ auftrat und immer noch auftritt, dass jeder nächste Schritt nicht mehr ‚abgesichert‘ ist und völlig offen ist. Während vorher der Weg tatsächlich ein Weg durch das Labyrinth der eigenen Biografie war, und das Gehen durch das Labyrinth ein Dranbleiben an einer Art innerem roten Faden bedeutete – gegen alle äußeren Ablenkungen und Behauptungen der Außenwelt, ähnelt der jetzige Weg eher einem Weg durch die Wüste. Kein Labyrinth, kein Weg, kein roter Faden usw. Weiterlesen