Malerei im Schwellenbereich

Im letzten Jahr habe ich mich mit dem, mir bis dahin nicht bekannten Maler Eugene Leroy, und seinem Ansatz Zeit, Leben und Farbe zu malen, beschäftigt (siehe meine Beiträge hier). Wie ein Art Echo hatte ich in der Folge den inneren Impuls nach Dänemark zu fahren und Per Kirkeby Bilder anzuschauen. Unterstützt wurde dieser Impuls durch die lebendige Erinnerung an große Kirkeby Bilder in einer Ausstellung in Emden vor vielen Jahren. Die Bilder waren damals ein Schock für mich, weil sie mir eine direkte Empfindung der Natur-Empfindung des Malers übertrugen – eine Empfindung von Wald, Bäumen und pflanzlicher Natur als lebendige Natur. Aus verschiedenen biografischen Gründen wurde nichts aus der Frühjahrsreise nach Dänemark, wo zu der Zeit verschiedene große Kirkeby Ausstellungen gezeigt wurden. Jetzt im beginnenden Herbst wurde die Reise möglich, aber ohne das Angebot an großen Ausstellungen. Der erste Versuch in Aarhus im hypermodernen Museum ARoS Kirkeby zu sehen scheiterte, kein einziges Bild aus der großen Sammlung dort war ausgestellt. Das Scheitern dort und mein/unser Eindruck von diesem Museum, eher ein Entertainment-Tempel als ein ernsthafter Ort für konzentrierte Wahrnehmung, verstärkten aber als Negativ-Hintergrund mein Aufatmen als wir dann in im Museum Jorn in Silkeborg in den letzten Räumen des Museums vor den Bildern, oder besser in den Bildern von Kirkeby standen.

Der erste Eindruck, Stille und eine Empfindung von Andacht, – und ich frage mich wie meine Empfindung sich bildet, wo doch keinerlei Inhalt auf den Bildern eine solche Empfindung repräsentiert. Übrigens war die Empfindung bei Eugen Leroy im MuBA in Toircoing ganz anders: Freude, Glück, Kraft. Was wirkt da in mein Sehen als eine solche Empfindungsform bildend?
Wenn sich eine solche Diskrepanz zwischen äußerem Inhalt und Erleben zeigt, stellt sich die Frage nach der Wirklichkeit. Ist das wirklich, was ich da erlebe, oder ist es Illusion? Man befindet sich in einem Wirklichkeitsbereich, in dem die alte Sicherheit der normalen sinnlichen Wahrnehmung nicht mehr gegeben ist. Man befindet sich in einem Dämmerdunkel, in dem sich nur langsam wieder etwas ‚wahrnehmen‘ lässt, was wirklich sicher ist. Diese ’neue‘ Sicherung braucht einen eigenen Einstieg um bewusst und verstehbar zu werden.
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