Forschungsstelle für Psychologie DELOS – Neue Webseite

Wir freuen uns, nach intensiver Arbeit, die Forschungsstelle für Psychologie DELOS mit einer eigenen Webseite sichtbar werden zu lassen. Wolf-Ulrich Klünker, Ramona Rehn und und ich haben in den letzten Monaten gemeinsam mit Johannes Onneken vom Atelier Doppelpunkt in Basel eine ganz neue Seite für DELOS konzipiert und umgesetzt. Mir war dies vor allem deshalb wichtig, weil dort die ganze erarbeitete Substanz der letzten Jahrzehnte einmal im Zusammenhang und in der Kontinuität wahrnehmbar wird! Man findet jetzt alle (noch nicht ganz!)Publikationen in einem ‚Raum‘. Wichtig war und ist uns, dass die Seite auch ästhetisch das ist, wovon sie spricht. Insofern konnten wir hier in der Gestaltung, aber vor allem auch in der Hereinnahme der Lochkamera-Bilder von Ramona Rehn beide Seiten der Arbeit zusammenführen, wie das schon in den letzten Veröffentlichungen in der Wochenschrift und in INFO 3 zu sehen war. Das Dritte, was durch die Seite sichtbar wird, sind die Kooperationen und Projekte der Forschungsstelle. Und zuletzt, nützlich und sinnig: Alle Veranstaltungen können dort immer aktuell gefunden werden – ein nützliches Werkzeug in der immer volatiler werdenden Gegenwart.

Ich werde mich auch in Zukunft redaktionell um die Webseite kümmern. Gleichzeitig hat sich durch die Zusammenarbeit an diesem Projekt unsere Zusammenarbeit im DELOS Raum vertieft und konkretisiert.

Roland Wiese 19.9.2021

Was ist Selbstentwicklung und wie wirkt sie auf das Kind?

Im November bin ich mit Susanne Hörz im Waldorfseminar in Köln zu einem Seminar eingeladen!

https://www.waldorfseminar-koeln.de/aktuelles/

Wir möchten mit Ihnen zusammen untersuchen, wie die eigene Selbst-Entwicklung in der pädagogischen Arbeit wirkt. Dazu gehört die grundlegende Frage was (m)eine Selbst-Entwicklung ist, die nicht nur
auf mich selbst wirkt, sondern auch in der pädagogischen Arbeit mit dem Kind.
Unterstützung in der eigenen Entwicklung. In der Pädagogik steht meist das Kind im Mittelpunkt. In diesem Seminar geht es um die Ich-Entwicklung der Erwachsenen in der Umgebung des Kindes. Was ist Ich-Entwicklung? Wie hängen Bewusstseins- und Lebensentwicklung zusammen?
Wir werden gemeinsam im Gespräch und mit Übungen an diesen Fragen arbeiten.


Termin: Freitag, 19.11.2021 von 17:00 – 20:00 Uhr
Samstag, 20.11.2021 von 10:00 – 17:00 Uhr


Dozent:in: Roland Wiese, Sozialtherapeut, Supervisor, Autor
(Umkreis e.V.; GESO-Gesellschaft für soziale Hilfen;
http://www.rolandwiese.com)
Susanne Hörz , Kunsttherapeutin BA und
Aufbaustudium zur Waldorflehrerin in Hamburg.


Ort: Michaeli Schule Köln
Vorgebirgswall 4-8
50677 Köln


Kosten: 140 € pro Person
120 € p. P. bei Teilnahme ab 2 Personen einer Einrichtung
100 € p. P. bei Teilnahme ab 3 Personen einer Einrichtung
Anmeldung: Seminar für Waldorfpädagogik Köln, Tel. 0221- 94 14 930, rausch@fbw-rheinland.d

Psychologie des Ich – 2. Auflage ist gedruckt

Ich habe heute vom Verlag erfahren, dass die 2. Auflage unseres Buche gedruckt ist und bald ausgeliefert wird! Da es schon von einigen gefragt wurde: Es gibt ein aktuelles Vorwort von Wolf-Ulrich Klünker mit Bezug auf die existentiellere Situation des Ich, einige leichte Überarbeitungen und die damals vergessenen Hinweise auf die Autoren!

Lebendige Biographiearbeit 2

Auf meinen Beitrag hat Gabriel Prinsenberg geantwortet. Es freut mich, dass mein Zusammenhang auch für ihn stimmig ist!

Gabriël Prinsenberg


15 August 2021

Liebe Elfi und lieber Roland,

vielen Dank für Eure guten Wünsche zu meinem Geburtstag am 2. August! Mit großem Interesse Roland,habe ich die beiden neuen Texte zur Entwicklung unseres Stils der Biographiearbeit gelesen. Ich danke Dir sehr für Deine ausführliche und existenzielle Analyse. Deine Reflexionen über die Entwicklung unserer biografischen Arbeitsweise und den weiteren Verlauf unserer vielen Kurse haben mich sehr beeindruckt! Ich finde es sehr besonders, dass du es geschafft hast, einige Kerne aus meiner Motivation zu verfolgen:
Schön finde ich, dass Du schreibst, dass ich mich im Vorwort meines Buches Der Weg durch das Labyrinth ganz direkt beziehe auf die Schule von Chartres und die entsprechenden Freien Künste und Wissenschaften und bezeichnest sie als meine Inspirationsquelle. Das heißt, die Biographiearbeit, aber auch alle anderen Forschungs- und Übungsansätze in den Seminaren jener Zeit, beziehen sich auf einen realen Inhalt – den Zusammenhang der mikrokosmischen menschlichen Seele mit dem Makrokosmos und sie knüpfen damit an einen realen Seelenbegriff an.

Auch finde ich es ganz interessant, dass Du rückblickend auf euer eigenes Ausbildungsgeschehen drei wesentliche Wirkungen beschreibst:

* Die Seminare, wie sie von gestaltet wurden, – mit ganz viel ‚Kunst‘ aus allen Bereichen, hatten eine seelentherapeutische Wirkung auf die dramatisch ‚verarmten‘ Seelen der achtziger Jahre. Also die vollständige Durchdringung sowohl der Seminare, wie auch der Inhalte mit dem Künstlerischen gab den Seelen der damaligen Zeit eine Art künstlerische Erfüllung.

* Die zweite Wirkung war, dass durch die Übungen und die vielen Gespräche, eine Vertiefung der Begegnung mit anderen Menschen möglich wurde. Es wurde das sichtbar und hörbar, was nicht das Offensichtliche und Äußere am anderen Menschen war, sondern, das, was durch ihn hindurch tönte, also nicht seine Person, sondern sein ‚personare‘. Auch dies hatte wechselseitige therapeutische Qualität.

*Die dritte Wirkung ist ambivalenter, aber war ebenso deutlich zu bemerken: Die Begegnung mit den allgemeinen seelischen Qualitäten (Temperamente, Planetenqualitäten, Tierkreis etc.) verobjektiviert das eigene Seelische. Es kann sich eine gewisse Emanzipation vom gegebenen Seelischen vollziehen. Dies geschieht meist nicht ohne Krise. Häufig kam es in den Seminaren zu Begegnungen mit dem eigenen Doppelgänger, oder dem des anderen Menschen. In der Folge konnte es zu einer neuen Nacktheit der Seele kommen. Mit einer solchen freieren Empfindungsfähigkeit war es aber nicht einfach zu leben. Deshalb hatte so manches Seminar seine ganz eigene Dramatik!“
Ich freue mich auch, dass Du eine schöne Verbindung zu den Einflüssen aus der humanistischen Psychologie hergestellt hast und meine Arbeit auch als eklektisch sehst. Es war wirklich ein Volltreffer, dass Du den Humanismus, Desiderius Erasmus, aber auch die humanistische Psychologie beschrieben habst. Bei meiner Tätigkeit als Lehrer an den verschiedenen Fachhochschulen in den Niederlanden haben mich vor allem – neben anthroposophischen Quellen – die humanistischen Methoden inspiriert, die in den 1960er und 1970er Jahren so großen Einfluss zur Entwicklung der Sozialen Arbeit hatten.

Ich möchte ein paar Worte zur Persönlichkeit von Erasmus sagen. Obwohl er in Rotterdam (1466) geboren wurde, wurde er in Gouda gezeugt, meiner Heimatstadt und berühmt für seinen Käse und die größte Glasmalerei der Welt in der St.-Johannes-Kirche (Sint Janskerk). Damals schrieb man: „Goudae conceptus, Rotterdami natus“ Er war das Kind des Pfarrers von Sint Janskerk und seiner Freundin. Um den ‚Unfall‘ zu verbergen, fuhren seine Eltern nach Rotterdam, 18 KM weiter, wo Erasmus geboren wurde. Kurz darauf gingen sie zurück nach Gouda, wo er zur Schule ging und später ins Kloster eintrat. Später wurde er dispensiert und ging in die weite Welt hinaus und wurde einer der größten Gelehrten seiner Zeit. Zwei Motive bestimmen die Ideen von Erasmus: die Freiheit der Menschen und der Frieden. Über die Freiheit schrieb er 1516 unter anderem die Institutio, in der er feststellt, dass der Mensch frei ist und daher nicht tyrannisch über andere herrschen oder sie als Sklaven behandeln darf.

1517 schrieb er „Querela pacis“, die Friedensklage. Er beschäftigt sich unter anderem mit Nationalismus: „Die Engländer verachten die Franzosen aus keinem anderen Grund, als weil sie Franzosen sind. Die Schotten werden gehasst, weil sie Schotten sind. Der Deutsche streitet mit dem Franzosen und beide kämpfen gegen den Spanier. Was könnte schlimmer sein als Nationen, die sich bekämpfen, nur weil sie unterschiedliche Namen haben? Es gibt so viele Dinge, die sie zusammenbringen sollten. Warum sind sie als Menschen ihren Mitmenschen gegenüber nicht wohlwollend?“ Man kann ihn auch wegen seiner vielen Reisen und Begegnungen einen echten Europäer nennen. Trotz seiner heftigen Kritik am Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche blieb er seiner Kirche treu. Schon als Kind war ich von seiner besonderen Persönlichkeit und seinem Wert für die Kultur Europas berührt und besuchte die Orte, an denen er in Gouda gelebt hatte. Ich glaube, ich besitze mehr als 10 Bücher über ihn. Während eines Symposiums in Gouda, an dem ich vor einigen Jahren teilnahm, verlas der Nuntius (Vatikan-Botschafter in Den Haag) einen Brief von Papst Franziskus und lobte Erasmus für seinen großen Wert für die Welt. Während Erasmus seinerzeit von der Kirche wegen seiner Kritik fast denunziert wurde…

Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, in der diese Form der biografischen Arbeit, die ich heute als zeitgemäße Anwendung der Lebenskunst betrachte, die Menschen weiter inspirieren kann?

Anbei: Photo Gabriël als Erasmus, während Erasmus Ausstellung in Museum Gouda…

Lebendige Biographiearbeit

Gabriel Prinsenberg und Roland Wiese (Juli 2021)

Am 8. Juli besuchten uns Olga Bohnsack und Gabriel Prinsenberg. Ein Wiedersehen nach 20 Jahren! Mit den Beiden haben wir in den neunziger Jahren eine Ausbildung in Biographiearbeit organisiert. Eine Weiterbildung für Menschen in sozialen Berufen über 2 Jahre. Über hundert Menschen haben damals daran teilgenommen. Anfang 2000 ebbte der Impuls und die Nachfrage bei uns ab und endete dann 2003. Insofern viel gemeinsame Vergangenheit, aber auch eine Lücke von 20 Jahren und dementsprechend war ich einerseits neugierig, andererseits auch unsicher, wie dieser Besuch sein würde. Nachdem Olga und Gabriel Elfis Ausstellung im Museum in Zeven angeschaut hatten, haben wir vom Nachmittag bis spät in die Nacht intensive Gespräche gehabt. Später kamen auch Martina und Andreas Rasch dazu, die die Organisation der Ausbildung in den letzten Jahren übernommen hatten. Nun kann man weder ein Gespräch wiedergeben, noch die Gesprächsatmosphäre in einem solchen Beitrag wiedergeben. Ich werde deshalb versuchen (in Fortführung meines Beitrages zum Schicksalssinn) einige Grundgedanken und Figuren zur Biographiearbeit aus heutiger Sicht zu skizzieren. Dass dabei Gabriel Prinsenberg im Vordergrund steht, ist keine Missachtung der anderen Beteiligten, auch nicht von Olga, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass Gabriel Prinsenberg doch eine Art Repräsentant für die Biographiearbeit im 20. Jahrhundert ist. Dies wurde insbesondere in unserem Nachtgespräch sehr deutlich, in der Gabriel seine eigene Biographie in einer bestimmten Perspektive erzählte. Vielen Dank für dieses Gespräch und euren Besuch!

Mein Vater ist 2017 gestorben. Er ist 1930 geboren. Meine Mutter ist 1935 geboren. Gabriel Prinsenberg ist 1932 in den Niederlanden geboren. Er gehört also zur Generation meiner Eltern. Als wir uns kennenlernten, hatte ich mich durch meine eigene anthroposophische Entwicklung von meiner Herkunftsfamilie noch einmal weiter entfernt. Umgekehrt, stellte Gabriel für mich eine lebendige Verbindung zu der Zeit nach 1930 dar, und dies sowohl biographisch (wie meine Eltern), aber auch geistig-seelisch, was den Bereich der Psychologie und der Sozialarbeit betrifft. Diese (lebendige) Verbindung ist für mich wichtig, weil sie eine Art geistesgeschichtlicher Lücke in mir füllte, zwischen der Freud/Steiner Zeit und der Zeit der neunziger Jahre. Ich habe diese Lücke, vor allem die sechziger und siebziger Jahre betreffend, später noch in meiner Supervisionsausbildung für die humanistische Psychologie ausfüllen können. Gabriel bezeichnet seinen eigenen Ansatz in der Biographiearbeit als ‚ekklektisch‘. Das heißt er knüpft dezidiert an einige Psychologen an, die für ihn eine Art Ausgangspunkt für seine Arbeit bieten konnten. Er nennt immer wieder Charlotte Bühler, aber auch Alfred Adler (als jemanden, der das Leben nicht aus der Vergangenheit bestimmt sieht, sondern den Zukunftsbezug im Blick hat, und auch und vor allem Viktor Frankl, der wiederum als einer wenigen die Zeit der 30er und 40er Jahre in seiner Psychologie einbezogen hat und damit die Existentialität dieser Zeit in die Psychologie und Psychotherapie aufgenommen hat. Eine Art Bindeglied zwischen diesen Psychologen und der Anthroposophie war für Gabriel Bernhard Lievegoed, der mit seinen Büchern, vor allem, ‚Der Mensch an der Schwelle‘, aber früher noch mit seinem sehr populären Buch: ‚Lebenskrisen-Lebenschancen‘ (1979) die Frage der biographischen Entwicklung angesprochen hat. Man könnte beinahe sagen Bernhard Lievegoed, der in den 70er und achtziger Jahren auf dem Höhepunkt seiner Wirksamkeit war, wirkte indirekt verbindend auf die entstehende gemeinsame Arbeit. Denn auch in unserer ersten Arbeit als Umkreis-Gruppe haben wir uns mit seinem Buch ‚Der Mensch an der Schwelle‘ beschäftigt. Zur Gruppe gehörten damals Menschen mit seelischer Erkrankung und da in Lievegoeds Buch das Thema der seelischen Erkrankungen in Bezug zur menschheitlichen Entwicklung geschildert wird, also als eine problematische geistige Erfahrung, ein Schwellenübertritt, dem man aber nicht gewachsen ist, war das für uns ein interessanter Ansatz des Verständnisses seelischer Erkrankung jenseits der medizinischen Anschauungen. In diesem Kreis haben wir uns auch mit dem Thema der Biographie beschäftigt und sowohl die eigene Biographie wie auch die Biographien von Künstlern gemeinsam studiert. (Ich kann mich heute noch an die Schilderung einer Teilnehmerin erinnern, die sich mit Käthe Kollwitz beschäftigt hatte – vor allem weil die Biographin und Käthe Kollwitz eine ganz bestimmte Ähnlichkeit für mich bekamen).

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Wie Bilder Sinn erzeugen

Forschungswege mit der Farbe

Unsere Forschungswege mit der Farbe haben uns ja schon vor Längerem mit Ute Seifert zusammengeführt. Ute Seifert ist Malerin und betreibt den KUNSTRAUM in Bremen in der Rückertstraße. Wir haben schon einiges gemeinsam unternommen, unter anderem gemeinsame Besuche bei Reimar Jochims im Maintal, Ausstellungen und Bildbetrachtungen. Jetzt hat sie eine kleine Gruppe eingeladen, um an dem Buch von Gottfried Boehm, ‚Wie Bilder Sinn erzeugen‘ zu arbeiten. In einem lebendigen Gespräch haben wir uns durch die Einleitung bewegt. „Der Mensch ist jenes Wesen, das sich ein Bild zu machen vermag.“ (S.10) Können sich Tiere Bilder machen? „Wir sind alle ikonischer Natur.“ Aber das Bild hält uns auch gefangen. Wir leben in einem Bilderleib und in einem Bildeleib. Erst heute können wir die Frage nach ‚dem Bild‘ stellen, sagt Böhm. Erst heute, wo alles zum Bild werden kann, und nicht mehr deutlich ist, was ein Bild ist. „Mit der Entgrenzung hatten die Bilder an Universalität rapide gewonnen, ihre Selbstverständlichkeit aber eingebüßt (S.13)“ „Die Welt wird bis in die Atome hinein zum Bild.“ Und Bilder sind nicht nur Abbilder des Bestehenden, der Welt, Boehm sieht sie als “ eine Macht, imstande unsere Zugänge zur Welt vorzuentwerfen und damit zu entscheiden, wie wir sehen, schließlich: was die Welt „ist“.“ (S.14) Insofern scheint es hochaktuell danach zu fragen, was das Bild ist und wie es zeigt und damit Sinn erzeugt. Während wir immer mehr in der Welt der Bilder leben und auch gleichzeitig in der imaginativen Wirklichkeit, die der Bilderwelt zu Grunde liegt, kennen wir uns mit dieser Welt nicht so gut aus, wie mit der Welt der Sprache und Schrift. Deswegen ist es spannend gemeinsam mit Gottfried Boehm (bzw. seinem Buch) ‚das Bild‘ zu denken…

Roland Wiese 22.7.2021

Der Schicksalssinn

Karma 2

Will man über individuelle karmische Entwicklungen etwas sagen oder schreiben, dann braucht es dafür konkrete Erfahrungen und konkrete Anlässe. Mit Anlässe ist eine Art Anstoß oder eine Begegnung gemeint, die von außen und damit wie objektiv einen Zusammenhang sichtbar werden lässt, der nicht nur persönlich ist, sondern auch eine geistesgeschichtliche Figur beinhaltet. Ein solcher Anstoß kam vor kurzem mit einer Mail von Olga Bohnsack und Gabriel Prinsenberg, die uns darauf hinwiesen, dass wir vor dreißig Jahren, also 1991, das erste Biografie-Seminar von Gabriel im Umkreis e.V. veranstaltet haben. Ich war damals mit Olga auch Teilnehmer dieses ersten Seminars, während Elfi  die komplette Organisation und Durchführung geleistet hat. Aus diesem ersten Seminar hat sich dann eine kontinuierliche Zusammenarbeit entwickelt, die über zehn Jahre währte.  In dieser Zeit entwickelten wir gemeinsam mit Gabriel und Olga aus den einzelnen Seminaren eine Weiterbildung für Menschen in sozialen Berufen, die für viele Menschen eine wichtige Grundlage für ihre soziale und therapeutische Arbeit wurde. Neben den Seminaren mit Teilnehmenden aus ganz Deutschland, entwickelten wir regionale Kleingruppen. Und durch die gemeinsame Ausbildung entwickelten sich viele langwährende Beziehungen unter der den Teilnehmenden. Dies hatte nicht zuletzt auch damit zu tun, dass die Seminare sich sehr persönlich mit Fragen des eigenen Schicksals beschäftigten und gleichzeitig dieses Schicksal auf seine ihm innewohnenden Kräfte und Gesetze angeschaut wurde. Gabriel Prinsenberg veröffentlichte 1997 sein Buch ‚Der Weg durch das Labyrinth‘  Biographisches Arbeiten Begleitung auf dem Lebensweg. 1999 haben wir im ‚Umkreis‘ ein kleines Büchlein von Gabriel herausgegeben, das den Titel trägt ‚ Die Kunst in den helfenden Berufen‘. Damals schrieb ich im Vorwort:“ Der Umkreis e.V. leistet Sozialarbeit – wie begleiten Menschen mit schweren psychischen und sozialen Problemen. Aus dieser Arbeit heraus hat sich das Bedürfnis, ja die Notwendigkeit nach weiterer eigener Ausbildung und Forschung in dem Bereich der Kunst des Helfens entwickelt. In unserer so wissenschaftsgeprägten Zeit ist es für uns ein elementares Bedürfnis die Sozialarbeit künstlerisch zu erweitern. Nur so wird sie dem ganzen Menschen gerecht. (…) Es gibt für eine erweiterte Sozialarbeit nur wenig Grundlagenliteratur. Gabriel Prinsenberg hat hier skizzenhaft einiges von dem vorgelegt was in einer solchen grundlegenden Ausbildung für eine anthroposophisch erweiterte Sozialarbeit zu finden sein wird.“

Nach der Jahrtausendwende verlor dieser Impuls (bei uns) an Kraft, und die Seminare endeten. Gleichzeitig begann unsere intensive Zusammenarbeit mit Wolf-Ulrich Klünker und Monika Elbert von der DELOS-Forschungsstelle für Psychologie in Berlin (Eichwalde). Diese fand ihren Niederschlag in unserer eignen Forschungs- und Seminartätigkeit mit dem Schwerpunkt Ich-Entwicklung (und der Mitarbeit an dem Buch ‚Psychologie des Ich‘). Anlass genug einmal aus heutiger Sicht diesen Zusammenhang in den Blick zu nehmen. Dies kann vielleicht auch helfen die eigene Spur und die damit verbundenen Intentionen (auch die des Umkreis e.V.) besser sehen zu können. Denn die Frage nach der (freien) Begleitung von Menschen auf ihrem Lebensweg und in ihrem Leben ist immer noch unsere Intention. Unsere Fachstelle ‚Maßstab Mensch‘ ist die aktuelle Realisierung dieser Intention. Die Frage nach der Psychologie des Menschen oder des Ich konkretisiert sich deshalb bei uns auf die Frage nach den psychologischen Grundlagen einer Sozialarbeit, die real in der Schicksalssphäre wirksam wird.

 

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Biographiearbeit und Karma

Beginnen wir am Ende: Uns hat damals die Frage nach dem roten Faden in der eigenen Biografie in die Frage geführt, wie denn in der eigenen Biografie das eigene Karma zu erkennen ist. Also die Frage nach dem Aufwachen im eigenen Leben hat zu der Frage nach den Kräften und Formen geführt, die dieses Leben gebildet und geformt haben. Das Ende der Biographiearbeit war für uns, die wir diese Ausbildung durchlaufen und auch mitgestaltet haben, der Anfang unserer Karma Forschung. Von der Wirkung, vom Ergebnis her geschaut, hat unsere Biographiearbeit uns auf die Spur unserer weiteren Schicksalsentwicklung gebracht, weniger, wie wir uns vorgestellt hatten, erkennend, als vielmehr wirkend. Dazu passt auch, dass unsere Versuche, die Karma Forschung direkt an die Biographiearbeit anzuknüpfen erst einmal vollständig scheitern mussten. Sowohl die Seminare, die damals besucht wurden, wie auch eigene Versuche einen Weg zu finden, führten immer in eine Sackgasse, weil wir bemerkten, dass die Art der Forschung dem Gegenstand nicht angemessen war.

Erst die über zehnjährige intensive Zusammenarbeit mit Wolf-Ulrich Klünker in dem Forschungskreis zu Therapiefragen (ab 2003) mit vielen Wochenendtreffen und Seminaren, hat diese Frage einlösen können. Das Buch ‚Die Empfindung des Schicksals – Biografie und Karma im 21. Jahrhundert‘ , von Wolf-Ulrich Klünker 2011 veröffentlicht, bezeugt diese Einlösung. „Selbsterkenntnis und Schicksalserkenntnis gehören heute eng zusammen. (…) Ich brauche mich selbst in der Fülle meines irdischen Seins, um mich geistig begreifen zu können. Und gleichermaßen: Ich selbst als geistiges Wesen kann mir der Wirklichkeit, die auch jenseits der Schwelle gilt, nur bewusst werden, wenn ich von meiner irdischen Lebensseite alle Höhen und Tiefen, alle Chancen und Gefahren , alle Hoffnungen und Ängste miteinbeziehe.“ (S.7) Und im Klappentext heißt es: „Das Ich kann heute für die Wirklichkeit des Schicksals erwachen. In der Biografie verbinden sich Bewusstsein und Leben zu einer Empfindung karmischer Realität. In dieser Schicht des Erlebens findet Anthroposophie ihre Form für das 21. Jahrhundert“. Meine grundlegende Empfindung für diesen ‚Weg‘ würde ich so kennzeichnen: Angekommen! Man könnte es auch die Erfüllung einer Bewegungsintention nennen. Wobei diese Erfüllung, dieses Angekommen sein natürlich sogleich zwei Seiten hat: Ja, du hast ein Ziel erreicht, aber was nun? Es trat tatsächlich mit der Erfüllung einer bestimmten ‚Suche‘ ,mit dem Ankommen im eigenen Schicksal, das neue Problem auf, dass anscheinend (zumindest aus heutiger Sicht betrachtet) kein weiteres Ziel intrinsisch veranlagt war. So dass mit dem Erreichen dieses Zieles das ‚neue‘ Gefühl, eine neue ‚Empfindung‘ auftrat und immer noch auftritt, dass jeder nächste Schritt nicht mehr ‚abgesichert‘ ist und völlig offen ist. Während vorher der Weg tatsächlich ein Weg durch das Labyrinth der eigenen Biografie war, und das Gehen durch das Labyrinth ein Dranbleiben an einer Art innerem roten Faden bedeutete – gegen alle äußeren Ablenkungen und Behauptungen der Außenwelt, ähnelt der jetzige Weg eher einem Weg durch die Wüste. Kein Labyrinth, kein Weg, kein roter Faden usw. Weiterlesen

Gewissheit, Offenheit und Zweifel im Erkennen — Anthroposophie und Skepsis

In der Wochenschrift Das Goetheanum ist ein Artikel von Wolf-Ulrich Klünker zur Frage von Anthroposophie und Skepsis erschienen. Ich kann ihn nur empfehlen, wenn man sich aus der Falle der Subjekt/Objekt Spaltung gegenwärtiger Diskurse erlösen möchte…Dazu gibt es passend zum Thema Lochkamerafotos von Ramona Rehn und entsprechende Erläuterungen.

Ramona Rehn, ‹Der untere Himmel›, Lochbildkamerafotografien, 2019

Man kann auf der Webseite der Wochenschrift, die ich im Übrigen ästhetisch für sehr gelungen halte und für moderner als die Papierausgabe, immer drei Artikel kostenlos lesen.

https://dasgoetheanum.com/gewissheit-offenheit-und-zweifel-im-erkennen-anthroposophie-und-skepsis/

Neue Landschaft – im Radio

Morgen am 11.5. um 19.00 wird in der Sendung Kulturspiegel im NDR 1 Niedersachsen ein Bericht über die Ausstellung in Zeven Niedersachsen gesendet. Elfi Wiese wurde von Maren Momsen interviewt.

Die Ausstellung wird wegen der Einschränkungen bis 1. August verlängert. Öffnungszeiten und aktuelle Lage auf der Seite des Museums. Galerie im Königin Christinen Haus.

Roland Wiese 10.5.21