An dem letzten Wochenende, also an Allerheiligen und Allerseelen, habe ich mit ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen und Vereinsmitgliedern eines Hospizvereins gearbeitet. Es ging darum, die Treffen der Begleiterinnen weiterzuentwickeln. In der Arbeit wurde deutlich welche Art des Sprechens und Hörens und welche Art von Stimmungen es eigentlich braucht um der Wirklichkeit von Sterben und Tod im Gespräch zu entsprechen. Von dieser Wirklichkeit wird ganz viel auch in dem Buch ‚Die Kunst der Begleitung‘ gesprochen. Als ich dieses Buch damals gelesen habe, habe ich einen eigenen Beitrag zu den unterschiedlichen Dimensionen von heutiger Wirklichkeit geschrieben, als eine indirekte Rezension des Buches, aber auch als einen Versuch diese Stimmung einmal zu charakterisieren. Ich habe diesen Beitrag vom November 2023 hier noch einmal neu veröffentlicht, weil er gut zu dem passt, was wir am Wochenende erfahren haben!
Die Wirklichkeit heute erscheint uns in der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung immer mehr als eine schreckliche Wirklichkeit, eine unmenschliche Wirklichkeit. Und dieses Erscheinen behauptet umso mehr die Wirklichkeit zu sein, als es sich in die allgemeine und individuelle Wahrnehmung drängt. Die Erscheinungen dieser Wirklichkeit drängen sich förmlich auf in ihrer Monstrosität und Gewalttätigkeit. Diese Wirklichkeit zieht das allgemeine Interesse mit Gewalt auf sich, man kann ihr kaum entkommen. Es ist eine magisch-dämonische Wirkung des Tötens und des Todes, die von dieser Wirklichkeit genutzt wird, um die Weltaufmerksamkeit permanent auf sich zu lenken. Diese Wirklichkeit ist laut und aufdringlich, man muss nichts selbst tun, um an ihr teilzuhaben, man muss stattdessen etwas tun, um nicht von ihr beherrscht zu werden. Die Wirkung dieser Wirklichkeitsart ist es die Menschen zu spalten, zu polarisieren, sie in Gruppen zu zwingen. Diese Wirklichkeit ist die Hölle.
Eine völlig andere Wirklichkeitsform lebt mehr in den unbeachteten Zwischenräumen des menschlichen Miteinanders. Diese Wirklichkeit und ihre Erscheinungen sind weniger laut und aufdringlich als mehr innerlich und intim. Deshalb ist es nicht so einfach sie zu bemerken, sie zu finden, an sie zu glauben und sie ernst zu nehmen. Gegen die andere Wirklichkeit, gegen die Hölle, kann sie sich nicht gut behaupten. Ein Beispiel für jene Wirklichkeit erzeugt sich (mir) immer wieder in der Begleitung der ehrenamtlichen Sterbegleiterinnen (die wenigen männlichen Sterbebegleiter sind hier mit gemeint). Also auch in der Sphäre des Sterbens und des Todes. Sie erzeugt sich weniger, wenn wir über Probleme der Arbeit sprechen, Probleme mit Einrichtungen, Probleme im Verein usw. Sie entsteht meist wie nebenbei, wenn wir in die Geschichten der Begleiterinnen tiefer hineingehen. Dabei ist ein solches Vertiefen gar nicht so einfach, denn es ist gerade nicht so, dass
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