Eugene Leroy, Malerei und Zeichnungen 1980-2000

Fahrt ihr schon wieder nach Frankreich? fragte der Freund. Ja, im September waren wir schon einmal in Tourcoing, um im MUba (Musee des Beux-Arts) Bilder von Eugene Leroy im Original zu sehen. Damals hatten wir die Gelegenheit bei einer Führung mit den Kuratorinnen Melanie Lerat und Benedicte Duvernay die geplante Ausstellung in Vorbereitung zu sehen. (siehe meinen Beitrag ‚Farbe und Zeit‘). Jetzt wollten wir die inzwischen eröffnete Ausstellung in Ruhe anschauen. Also mussten wir noch einmal nach ‚Frankreich‘, genauer nach Lille, denn Tourcoing liegt direkt neben Lille. Und dort, im Stadtteil Wasquehal hat Eugene Leroy gelebt und bis zu seinem Tod im Jahr 2000 gemalt.

Eugene Leroy in seinem Atelier in Wasquehal. (Foto aus einem Film aus den 90er Jahren über ihn)

Die Nähe zu dem Ort, an dem Eugene Leroy gelebt und gemalt hat, machte die Ausstellung in seinem ‚Heimatmuseum‘ für mich zu etwas Besonderem. Es fühlte sich so an, als ob er persönlich anwesend war, in und mit seinen Bildern!

Die Bilder und die Suche nach Glück

Nun ist es eine Sache, sich mit einem Maler und seinem Werk zu beschäftigten, und eine weitere, die Bilder selbst zu sehen und wahrzunehmen wie die Bilder auf einen selbst wirken. In diesem Fall die Bilder der letzten 20 Jahre seines Schaffens und Lebens. Und das Wirken der Bilder differenziert sich noch einmal in das Wirken des einzelnen Bildes und in die Wirkung der gesamten Ausstellung.

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Seminar: Sterbebegleitung, Trauerbegleitung, Palliativpflege

Foto: Elfi Wiese

Am Montag war ich (wieder) zu Gast in der Alanus Hochschule. Im Seminar ‚Sexualtrieb und Todestrieb‘ von Wolf-Ulrich Klünker habe ich einige Aspekte aus meiner Arbeit als Supervisor in der Hospizarbeit darstellen können.

Ein besonders wichtiger Aspekt war für mich die Frage nach der Bewusstseinsform, die es braucht, um Menschen im Sterben begleiten zu können. Cicely Saunders, die Begründerin der Hospizarbeit, hat als wichtige Grundhaltung für die Hospizarbeit die Worte Jesus im Garten Getsemani genannt: „Wachet mit mir“ (Markusevangelium 14,34). Diesen Anspruch haben die Jünger Jesu damals bekanntermaßen nicht erfüllen können. Sie sind eingeschlafen. Die Formulierung „Wachet mit mir“ beinhaltet ein Wachbleiben in einer Situation, in der rein äußerlich vielleicht gar nichts zu tun ist, indem es auch keinen Plan, kein Konzept usw. für das Wachbleiben gibt, außer den eigenen Willen in der Situation Wachzubleiben. Wobei Situation hier bedeutet, dass es nicht mehr ganz deutlich ist, wo man sich befindet, noch im Leben oder schon im Tode, denn das Sterben vermittelt ja zwischen diesen beiden Lebensformen. So schildert eine Sterbebegleiterin in dem Buch ‚Die Kunst der Begleitung‘ (siehe untere Beiträge), dass sie das Sterben eines Menschen als ganz friedlich erlebt, während die Angehörigen das Leiden ihres Verwandten wahrnehmen und beklagen. Für das Wachen in einer solchen Lage können anscheinend nicht mehr rein äußerlich wahrnehmbare Eigenschaften helfen, man braucht einen anderen Zugang zu dieser Wirklichkeit des Sterbenden. Wo ist dieser Mensch jetzt wirklich? Ist er noch das, was ich da äußerlich sehe und was anscheinend leidet? Es gibt anscheinend Unterschiede in der Bewusstseinsart zwischen einem normalen Alltagsbewusstsein und dem möglichen Bewusstsein in der Sterbesituation, und weitergehend auch in der Todessituation, bzw. der nachtodlichen Wirklichkeit des betreffenden Menschen. Und für eine solche Bewusstseinsform und die mit ihr verbundenen Urteilsmöglichkeiten gelten anscheinend nicht mehr (alleine) die normalen Kriterien, mit denen wir uns normalerweise in der Wirklichkeit orientieren. Ich orientiere mich nicht mehr als ‚Innenmensch‘ an der äußeren Erscheinung, am ‚Außenmenschen‘, sondern an dem wie der andere Mensch als ‚Innenmensch‘ in mir aufwacht. Eine solche Bewusstseinsform könnte auch im alltäglichen Leben hilfreich sein, für den zwischenmenschlichen Verkehr miteinander, statt gegeneinander. Paradoxerweise wird das bewusste Leben im Sterben von den Sterbebegleiterinnen immer wieder als sinngebend und als ganz eigene Lebendigkeit schaffend erlebt…

Roland Wiese 21.11.2025

Die Wirklichkeit des Engels und die Kunst der Begleitung

An dem letzten Wochenende, also an Allerheiligen und Allerseelen, habe ich mit ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen und Vereinsmitgliedern eines Hospizvereins gearbeitet. Es ging darum, die Treffen der Begleiterinnen weiterzuentwickeln. In der Arbeit wurde deutlich welche Art des Sprechens und Hörens und welche Art von Stimmungen es eigentlich braucht um der Wirklichkeit von Sterben und Tod im Gespräch zu entsprechen. Von dieser Wirklichkeit wird ganz viel auch in dem Buch ‚Die Kunst der Begleitung‘ gesprochen. Als ich dieses Buch damals gelesen habe, habe ich einen eigenen Beitrag zu den unterschiedlichen Dimensionen von heutiger Wirklichkeit geschrieben, als eine indirekte Rezension des Buches, aber auch als einen Versuch diese Stimmung einmal zu charakterisieren. Ich habe diesen Beitrag vom November 2023 hier noch einmal neu veröffentlicht, weil er gut zu dem passt, was wir am Wochenende erfahren haben!

Die Wirklichkeit heute erscheint uns in der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung immer mehr als eine schreckliche Wirklichkeit, eine unmenschliche Wirklichkeit. Und dieses Erscheinen behauptet umso mehr die Wirklichkeit zu sein, als es sich in die allgemeine und individuelle Wahrnehmung drängt. Die Erscheinungen dieser Wirklichkeit drängen sich förmlich auf in ihrer Monstrosität und Gewalttätigkeit. Diese Wirklichkeit zieht das allgemeine Interesse mit Gewalt auf sich, man kann ihr kaum entkommen. Es ist eine magisch-dämonische Wirkung des Tötens und des Todes, die von dieser Wirklichkeit genutzt wird, um die Weltaufmerksamkeit permanent auf sich zu lenken. Diese Wirklichkeit ist laut und aufdringlich, man muss nichts selbst tun, um an ihr teilzuhaben, man muss stattdessen etwas tun, um nicht von ihr beherrscht zu werden. Die Wirkung dieser Wirklichkeitsart ist es die Menschen zu spalten, zu polarisieren, sie in Gruppen zu zwingen. Diese Wirklichkeit ist die Hölle.

Eine völlig andere Wirklichkeitsform lebt mehr in den unbeachteten Zwischenräumen des menschlichen Miteinanders. Diese Wirklichkeit und ihre Erscheinungen sind weniger laut und aufdringlich als mehr innerlich und intim. Deshalb ist es nicht so einfach sie zu bemerken, sie zu finden, an sie zu glauben und sie ernst zu nehmen. Gegen die andere Wirklichkeit, gegen die Hölle, kann sie sich nicht gut behaupten. Ein Beispiel für jene Wirklichkeit erzeugt sich (mir) immer wieder in der Begleitung der ehrenamtlichen Sterbegleiterinnen (die wenigen männlichen Sterbebegleiter sind hier mit gemeint). Also auch in der Sphäre des Sterbens und des Todes. Sie erzeugt sich weniger, wenn wir über Probleme der Arbeit sprechen, Probleme mit Einrichtungen, Probleme im Verein usw. Sie entsteht meist wie nebenbei, wenn wir in die Geschichten der Begleiterinnen tiefer hineingehen. Dabei ist ein solches Vertiefen gar nicht so einfach, denn es ist gerade nicht so, dass

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