bilder sommer august 2025

sommer atelier ausstellung  elfi wiese

02. bis 09.08.2025  offen 14 bis 17

eröffnung  samstag, 02.08.25 um 14 Uhr

bilder gespräch gartencafé musik …

    Goethe und Spinoza

    Foto: R.Wiese, Goetheanum 2024

    Ich habe letztens beim Aufräumen einen Aufsatz von mir gefunden, der 2006 in der Vierteljahresschrift ‚Anthroposophie‘ erschienen ist. (III/2006, Nr. 237). Zwei Gedanken darin finde ich auch heute noch interessant. Der eine ist, dass Goethe selbst bemerken und beschreiben kann, wie das Denken der Werke Spinozas auf ihn gewirkt hat. Ich selbst habe diese Wirkung im Durcharbeiten von Spinoza bei mir bemerkt und war deshalb erstaunt, bei Goethe eine Formulierung dieser Wirkung zu finden, die meinem eigenen Erleben sehr präzise entsprach. Der zweite ist mein Gedanke einer geschichtlichen Weiterentwicklung des Denkens durch Spinoza, Goethe und Steiner. Geometrisches kristallines Denken bei Spinoza, denkendes lebendiges Anschauen bei Goethe. Bei Steiner kann sich dieses lebendige Denken dann bis in die Gestaltung seiner Bauten, insbesondere des ‚Goetheanums‘ (Der Name ist insofern Programm!) und damit bis in die äußere Sichtbarkeit ausprägen.

    Goethe hat gegen Ende des 18. Jahrhundert zu einem anschauenden Denken des Lebendigen gelangen können. Dies war mit bestimmten konstitutionellen Voraussetzungen und intensiver jahrelanger Bemühung verbunden. An die Ergebnisse dieser organischen Forschungsmethode konnte Rudolf Steiner anknüpfen und sie über das Lebendige hinaus weiterführen. Dies ist vor allem in anthroposophischen Kreisen ein allgemein bekannter Zusammenhang. Nicht so bekannt ist die wichtige Beziehung Goethes zu einem Philosophen des 17. Jahrhunderts, zu Benedikt (Baruch[1]) de Spinoza. Man kennt von Goethe die Verachtung der Spekulation, und das Bekenntnis nie über das Denken nachgedacht zu haben. Das kann leicht über die philosophischen Grundlagen der Goethe’schen Forschungen hinwegtäuschen. Es ist aber sowohl für den geistesgeschichtlichen Zusammenhang wichtig diese Beziehung herzustellen wie es auch gerade in diesem Fall psychologisch interessant ist, die seelischen Wirkungen eines bestimmten Denkens zu verfolgen. Goethe bedurfte nämlich angesichts seiner besonderen Kräftesituation, einer starken Lockerung der Wesensglieder (konstitutionell und krankheitsbedingt), eines ganz bestimmten Denkens, um seine starken, aber latenten imaginativen Kräfte fruchtbar einsetzen zu können. Solche Begriffe hat Goethe durchaus gesucht, aber bei seinen Zeitgenossen (hier vor allem Kant) nicht finden können. Durch seine Fähigkeiten konnte er sehr präzise die seelischen Wirkungen der jeweiligen Denkart abspüren, und war so gewissermaßen geschützt vor dem, seine Zeit beherrschenden Kantianismus. Aber er brauchte für sein reales imaginatives Erleben geistige Begriffe, die diesem Erleben entsprachen, ja dieses Erleben erst in der richtigen Weise durchleuchteten. Solche Begriffe waren aber zu seiner Zeit schon nicht so leicht zu finden. „Nachdem ich mich nämlich in aller Welt um ein Bildungsmittel meines wunderlichen Wesens vergebens umgesehen hatte, geriet ich endlich an die ‚Ethik’ dieses Mannes.“[2]  Dieser Mann war Bendedikt de Spinoza und sein Buch „Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt“. Dies war 1774, also, bevor Goethe sich praktisch an seine Forschungen machte. Nun hat Goethe Spinoza nicht nur gelesen, als einen Philosophen unter anderen. Er hat sich intensivst mit ihm beschäftigt, und ist in dieser Beschäftigung auch unterstützt worden durch einige mehr schicksalhafte Fügungen. Er traf mit Friedrich Jacobi zusammen, der ein Buch über die Lehre Spinozas geschrieben hatte. Er fand in der Bibliothek seines Vaters ein Buch eines Autors, der Spinoza heftig bekämpfte, was ihn erst richtig motovierte diesen zu studieren. Er liest ihn im lateinischen Original zusammen mit Frau von Stein (1784). Rudolf Steiner kommt zu dem Schluss: „Die Wirkung dieses Philosophen auf Goethe war ungeheuer.“[3] Und Goethe war sich dessen auch bewusst. Er schreibt selbst 1816: „Außer Shakespeare und Spinoza wüßt’ ich nicht, dass irgendein Abgeschiedener eine solche Wirkung auf mich getan (wie Linne)“[4].

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    Wir suchen …

    Die GESO gGmbH, eine Tochter des Umkreis e.V. (und anderer Gesellschafter) sucht einen initiativen Menschen für die Verstärkung der Geschäftsleitung. (http://www.geso-hilfen.de )

    GESO sucht: Geschäftsleitung (m/w/d)

    in Vollzeit oder Teilzeit (mind. 30 Std./Woche)

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    „Das derzeit Mögliche….“

    Bilder von Elfi Wiese

    „Neues und neu Gesehenes….

    große und kleine Bilder an einem schönen Ort“

    Neben Ihren immer wieder neu entstehenden Ausdrucksweisen und Möglichkeiten, 

    zeichnet sich ihre Malerei auch durch die verwendeten Substanzen/ Farben aus. 

    Schauend und suchend in der Natur, sammelt Elfi Wiese die Substanzen 

    für die von ihr selbst hergestellten Farben, 

    aus den verschiedenen Landschaften, die ihr im Leben begegnen.

    Öffnungszeiten:

    Samstag 17. Mai 11.00 – 17.00 Uhr

    Sonntag 18.Mai 11.00 – 17.00 Uhr

    Genießen Sie die Bilder und das schöne Ambiente bei

    Kaffee & Kuchen in Haus und Hof.

    Über Euren Besuch würden wir uns sehr freuen!

    Wir grüßen ganz herzlich,

    Birgit &Sinclair Thiersch

    Birgit & Sinclair Thiersch Eickedorferstr-31 28879 Grasberg 04208/895097 (birgit.thiersch@gmx.de)

    Entwicklung von Ich zu Ich

    Foto: R.Wiese, Brücke in Verden an der Aller

    Wenn man von einer Entwicklungsbeziehung zwischen einem Ich in einem vorherigen Leben und einem Ich heute ausgeht, wäre eine solche Beziehung zwischen Ich und Ich deshalb interessant, weil sich in der Relation zwischen diesen beiden Menschen zeigen würde, wie radikal durch den Tod Entwicklung möglich wird. So radikal, dass diese beiden Menschen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Gleichzeitig ist der eine Mensch die Entwicklungsvoraussetzung für den anderen Menschen. Alleine einen solchen Zusammenhang zwischen zwei verschiedenen Menschen zu denken erfordert eine enorme Kraft. Die Frage mit welchem Ich eine solche Entwicklungsbeziehung besteht ersetzt sinnvollerweise die eher unsinnige Frage, wer ich einmal war in einem anderen Leben, denn das war ja ein anderes Ich.

    Die Entwicklungsbeziehung ist noch in anderer Weise interessant und fruchtbar. Sie könnte dem Menschen aus dem früheren Leben durch den Bezug auf den heutigen Menschen eine ganz neue Dimension seiner Existenz hinzufügen. Denn im Sinne einer retroaktiven Betrachtung würde durch den aktuellen Menschen der vorherige ganz anders dastehen, als ohne eine solche Beziehung. Dadurch würde aber die frühere Existenz nicht aufgehoben oder kurzschlüssig mit einer aktuellen Existenz zusammengeschlossen. Beide Menschen bleiben in ihrer Form bestehen, nur die Entwicklungsdimension verbindet sie. Fragen nach solchen Entwicklungszusammenhängen machen so betrachtet nur Sinn, wenn sie von der Zukunft aus die Vergangenheit neu dimensionieren.

    Dabei ist die Beziehung zwischen Ich und Ich im engeren Sinn nur der Spezialfall. Solche Bezüge lassen sich auch ausdehnen auf den Zusammenhang mit anderen Menschen. Meine Entwicklung stellt auch ihr Schicksal in ein anderes Licht. So würde sich die Geschichte mit den Menschen vorwärts und rückwärts entwickeln, also aus der Zukunft in die Vergangenheit hinein. Man könnte insofern (frei mit Hegel) formulieren: Nicht wir lernen aus der Geschichte, sondern die Geschichte lernt von uns. Dies gilt positiv wie negativ.

    Roland Wiese, Ostern 2025

    (Der Begriff der Retroaktivität ist mir bei Daniel Martin Feige begegnet, in seinem Buch ‚Die Natur des Menschen, Eine dialektische Anthropologie, 2022)

    Foto: R. Wiese, Brücke alt und Brücke neu in Verden an der Aller

    Wer bleibt

    Wenn man weiß, dass man bleibt, muss man sich nicht so viele Gedanken darüber machen, was von einem bleibt. Man kann sich dafür mehr Gedanken darüber machen, wer bleibt.

    Peter Kruckenberg (5.3.1939 – 2.1.2025)

    Am 2. Januar ist Peter Kruckenberg gestorben. Er war als Chefarzt in Bremen einer der maßgeblichen Planer und Realisierer der Psychiatriereform. Ich habe von 1988-1999 in Bremen-Ost die ambulante Arbeit (Betreutes Wohnen) als Mitarbeiter beim ASB mit aufgebaut, habe diese Reform also in ihrer Wirklichkeit an der Basis erleben können.

    Als ich letzten Sonntag (12.1.25) auf der Autobahn in Richtung Lüneburg fuhr, musste ich, als wir durch die Landschaft um Lüneburg herum fuhren, an Peter Kruckenberg denken. Peter Kruckenberg ist am 2. Januar 2025 gestorben. Am Tag vor meiner Fahrt hatte mir Martina Rasch die Todesanzeigen aus der Zeitung geschickt und ein Interview mit Hiltrud und Peter Kruckenberg (YouTube von 2021?). In dem Interview erzählt Peter Kruckenberg, dass er eigentlich in Niedersachsen im Landeskrankenhaus Lüneburg tätig war und dann 1980 nach Bremen ‚abgeworben‘ wurde. Dort wurde er Chefarzt der Psychiatrie in Bremen-Ost und später auch ärztlicher Direktor der Klinik. Zusammen mit seiner Frau Hiltrud gehört er zu den maßgeblichen Reformern der Psychiatrie. In Bremen hatte er mit dem ersten Modellprogramm zur Psychiatriereform die Möglichkeit, ein vollständiges System zur Unterstützung der Menschen mit seelischer Erkrankung aufzubauen. Gleichzeitig konnte die Langzeitpsychiatrie ‚Kloster Blankenburg‘ aufgelöst werden. Man kann sich, wenn man das so sachlich niederschreibt, gar nicht mehr vorstellen, welche heftigen Kämpfe um diese Reform in Deutschland geführt wurden. Einzelne Bundesländer scherten ganz aus der Reform aus, Franz-Josef Strauss warnte vor der Freilassung der Psychiatriepatienten (Zustand vollständiger gesellschaftlicher Anomie) (vgl. Reumschüssel-Wienert, Christian (2021). 4.3 Die 1980er-Jahre der Psychiatrie: Modelle und Diskurs. In: Christian Reumschüssel-Wienert (Eds.), Psychiatriereform in der Bundesrepublik Deutschland (126-143). Bielefeld: transcript Verlag. https://doi.org/10.14361/9783839458136-012). Aber auch bei den Reformern gab es unterschiedlichste Vorstellungen davon, wie eine neue Psychiatrie aussehen sollte und heftige Kämpfe um den richtigen Weg.  

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    2024 Statistik

    In diesem Jahr haben 3115 Menschen diese Seite aufgerufen. Dieser Blog hatte 6885 Aufrufe. Damit waren es etwas mehr Besucher und etwas weniger Aufrufe als im letzten Jahr. Das zeigt mir, dass dieser Blog genutzt wird und dass es Sinn macht ihn weiterzuführen. Im letzten Jahr habe ich ihn auch etwas nutzerfreundlicher gestaltet und die Bibliothek eingerichtet. Außerdem eine Suchfunktion und längere Aufsätze in den entsprechenden Rubriken zugänglich gemacht (teils auch als PDF abrufbar). Ich hatte auch im Oktober einen Shop eingerichtet um mein Buch zu vertreiben, das hat auch gut funktioniert. Leider musste ich das Buch erst einmal aus dem Verkauf nehmen und es noch einmal gründlich überarbeiten. Aber vom Prinzip her hat der Shop funktioniert und ist sofort genutzt worden.

    Es freut mich, dass der Blog genutzt wird. Das motiviert mich ihn auch nächstes Jahr weiterzuführen und zu füllen! Vielen Dank!

    Roland Wiese 31.12.24

    Thomas von Aquin – Untersuchungen über die Seele

    Ein weiteres längeres Zitat zum Tastsinn aus dem neu erschienenen Band ‚Untersuchungen über die Seele‘ von Thomas von Aquin. Erstmals ins Deutsche übersetzt und bei Meiner erschienern.

    Zum Tastsinn

    „Wenn es nun aber auch mehrere Sinne gibt, so ist gleichwohl einer die Basis der anderen, nämlich der Tastsinn, in dem die ganze sensitive Natur grundlegend besteht. Daher heißt es im 2. Buch von Aristoteles’ Schrift Über die Seele, daß man etwas zuerst wegen dieses Sinnes ›Lebewesen‹ nennt. Daher kommt es, daß, wenn dieser Sinn, wie es im Traum geschieht, unbeweglich ist, auch alle anderen Sinne unveränderlich werden. Und außerdem: Alle anderen Sinne werden nicht nur von der zu großen Stärke der spezifischen Wahrnehmungen aufgehoben, wie das Gesicht von sehr hellen Eindrücken und das Gehör von sehr lauten, vielmehr auch von der Übermacht der Tasteindrücke, wie von starker Hitze oder Kälte. Wenn also der Körper, mit dem die vernünftige Seele vereint wird, für die sensitive Natur bestens geeignet sein muß, ist es notwendig, daß das Organ des Tastsinnes im höchsten Maße angemessen ist. Deshalb heißt es im 2. Buch von Aristoteles’ Schrift Über die Seele, daß wir von allen Lebewesen bei diesem Sinn größere Genauigkeit haben und daß auch wegen der Qualität dieses Sinnes ein Mensch gegenüber einem anderen für die geistigen Tätigkeiten besser geeignet ist.“

    S. 109

    Der Tastsinn wird hier von Thomas, wie bei Aristoteles auch, noch umfassend verstanden. („Der hier erstmals vollständig ins Deutsche übersetzte Text umfaßt 21 Fragen, die Thomas, so weiß man seit der kritischen Edition in der Editio Leonina 1996, in der neueingerichteten Ordenshochschule Santa Sabina in Rom 1266/67 disputiert und schriftlich gefaßt hat. Der Kommentar zu Aristoteles’ De anima, mit dem Thomas seine Aristoteles-Kommentierung40 eröffnet, ist zwischen Ende 1267 und Sommer 1268 zu lokalisieren.41 Dieses Jahrzehnt ist dasjenige, in dem Wilhelm von Moerbeke erstmals seine intensive Übersetzertätigkeit entfaltet hat. Im Zuge dieser Bemühungen ist beispielsweise auch noch die De-anima-Paraphrase des Themistius42 (4. Jh.) im Lateinischen zugänglich geworden.“ Aus dem Nachwort)

    Thomas von Aquin: Über die Seele

    Im Meiner Verlag ist vor kurzem die Übersetzung eines Textes von Thomas von Aquin erschienen, in dem Thomas sich mit der Seele des Menschen beschäftigt. Der Originaltitel ist ‚Untersuchungen über die Seele‘ (Questiones disputatae de anima). Seine Untersuchungen stützt er wesentlich und sehr explizit auf ‚de anima‘ , also ‚Über die Seele‘ von Aristoteles. Einige Hundert Seiten feinste Denkbewegungen zum Thema menschliche Seele! Interessanterweise gibt es einen zweiten Text dazu: Über die Geistgeschöpfe.

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