Erde aufgehoben – Bilder werden zu Imaginationen

Dies ist kein Bericht über eine Ausstellungseröffnung, oder über eine Ausstellung. Dies ist der Versuch in die Wirklichkeit dessen vorzustoßen, was eigentlich durch die Bilder einer Ausstellung erzeugt werden kann, wenn die Bilder dies vermögen und wenn die Menschen, die diese Bilder anschauen, es sehen wollen. Diese Wirklichkeit ist immer konkret, historisch, geographisch, – die Bilder dieser Ausstellung hängen in einem alten Bauernhaus in Fischerhude, mittlerweile in ein Museum umgewandelt. Sie hängen im Giebel, also an oberster Stelle dieses Hauses über den Bildern von Angermeyer, einem Fischerhuder Maler vom Anfang des letzten Jahrhunderts und sie stehen in einem deutlichen Kontrast zu diesen Bildern. An diesem Kontrast kann einiges deutlich werden über die Entwicklung des Menschen, über die Entwicklung der Landschaft, über die Entwicklung der Bilder, und die Entwicklung der Aufgabe, die die Bilder für die Menschen haben. Gewissermaßen als Einstimmung möchte ich einen älteren Aufsatz von mir voransetzen, ein Nachruf auf den Tod von Christian Modersohn, in dem versucht wird den Entwicklungsschritt von Otto Modersohn zu Christian Modersohn in ihrer Malerei zu fassen. Danach werde ich die aktuelle Ausstellung von Elfi Wiese als ein Beispiel für eine zeitgemäße Malerei befragen.

Gefühlte Erscheinungen
Christian Modersohn – 13.10.1916 – 24.12.2009

Der Maler Christian Modersohn ist am Heiligabend im Alter von 93 Jahren im Kreise seiner Familie in Fischerhude gestorben. Der Name Modersohn ist auch überregional bekannt, Vater Otto Modersohn, dessen zweite Frau Paula Modersohn-Becker, – sie stehen für einen Künstlerzusammenhang, der immer auch mit einer Landschaft in Verbindung gebracht wird: Die Landschaft um Worpswede und Fischerhude. Man spricht von Künstlerdörfern, und vergisst dabei oft, dass es eigentlich die Landschaft selbst war, die die künstlerische Dorfgemeinschaft stiftete. Eine unregulierte Wasserlandschaft, die Mündungsdeltas mehrerer Flüsse mäandern hier in die Weser, ungemein geeignet die Lichststimmungen der Jahreszeiten, den großen Himmel zum Bild werden zulassen. Christian Modersohn hat sich dieser Aufgabe seit seinem 20. Lebensjahr verschrieben. Und er bekam über siebzig Jahre um ihr nachzugehen. Weiterlesen