Innenleben

Als ich gestern Nacht, wie nebenbei, beim Schreiben aus dem Fenster schaute, war für einen kurzen Moment der Mond zu sehen. Im starken Wind zogen Wolken an ihm vorbei und verdeckten ihn nach kurzer Zeit wieder vollständig. Selbst mit dem Blick nur durch das Fenster empfand ich seine Form, sein Licht in der Nacht und sein Leben mit den Wolken. Und ich erinnerte mich an die Formulierungen Markus Gabriels – die Sonne ist nicht nur da oben am Himmel, oder Rudolf Steiners „Nun auf diese Wahrnehmungen kommt man ja auch heute wieder, wenn man die Dinge im richtigen Licht betrachtet, wenn man sich zurückerobert die Möglichkeit, wiederum den ganzen Mond zu erleben. (…) Sobald aber wiederum die Vorstellung eine real entsprechende wird, dass wir ja im Mond drinnen leben, dass also das, was Mond genannt werden kann, ein Kraftzusammenhang ist, der uns ganz durchdringt, dann braucht nicht mehr Verwunderung darüber einzutreten, dass dieser Kraftzusammenhang auch gestaltend im Menschen auftritt und im Tier.“ 

Eine weitere Formulierung, die für eine neue Psychologie grundlegend sein kann, findet sich in dem Buch ‚Die Selbsterkenntnis der Seele‘ (1988) von Wolf-Ulrich Klünker. „So kann in der Seelenlehre des Thomas (von Aquin) der Zusammenhang der menschlichen Seele mit dem Kosmos untersucht werden. Thomas‘ Ausführungen über die Beziehung der menschlichen Seele zu den Engelwesenheiten sind beispielhaft für die Eingliederung der „seelischen Wesenheit des Menschen in den Kosmos“, von der Rudolf Steiner spricht. Durch die Verknüpfung der Seelenanschauung mit der Engellehre kommt bei Thomas neben dem „Innenleben“ der Seele auch das „Innenleben des Kosmos“ in den Blick.“ (S. 91) In diesen Formulierungen findet sich eine Anlage für eine Psychologie der Kosmologie.

Die folgende Formulierung kann, wenn man einmal real mit ihr umgeht, eine solche Psychologie empfindbar und erlebbar machen: „Im Unterschied zu einem körperlichen Wesen befindet sich der Engel“nicht vom Raum umschrieben an einem Ort…, sondern eingrenzenderweise (defintive). Wenn die menschliche Seele bestimmte Räumlichkeiten auf sich wirken läßt, kann sie bemerken, wie der Engel einen bestimmten Ort <<hält>> , wie er ihn <<eingrenzenderweise>>, also konturierend oder festschreibend gestaltet. Mit ihrem Raumeseindruck hat die Seele das Werk oder das Ergebnis des Engelwirkens vor Augen. Wendet sich die Seele dagegen ihrem eigenen Verhältnis zu ihrem Leib zu, so kann sie sich das Wirken, die Tätigkeit des Engels verdeutlichen. Der Raum, der den Menschen umgibt, ist in diesem Sinne Ergebnis des Engelwirkens, Engelwerk. Der Ort, den sich die Seele in ihrem Verhältnis zum Leib selbst gestaltend gibt, ist dem Engelwirken als Tätigkeit vergleichbar.“ (Selbsterkenntnis der Seele, S. 69). Man achte einmal darauf, wie man sich einen Ort und welchen Ort, dadurch schafft, indem man sein Verhältnis zum Leib gestaltet.

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