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Musik ist grün – Ted Greene zum 10. Todestag

Ich bin seit einiger Zeit Mitglied in der Ted Greene Appreciation Group, einer Facebook Gruppe, die sich, wie es der Name sagt, mit der Wertschätzung, dem Verständnis, und der Würdigung von Ted Greene befasst. Ted Greene war ein amerikanischer Gitarrist und Gitarrenlehrer. Er starb vor zehn Jahren am 26. Juli 2005 im Alter von 58 Jahren. Ted Greene ist hier in Europa und wahrscheinlich auch in Amerika dem breiten Publikum nicht bekannt. Er hat in den siebziger Jahren ein einziges Solo-Album veröffentlicht und er hat einige wichtige Lehrbücher für (Jazz)Gitarre veröffentlicht. Der englische Begriff appreciation ist nur schwer in einem deutschen Wort zu fassen. Er umgreift ein ganzes Feld von positiven Haltungen und Empfindungen: Verständnis, Wertschätzung, Dankbarkeit, Wahrnehmung, Wertsteigerung, Aufwertung, Bewusstsein, Anerkennung und auch Wohlgefallen. Mir gefällt dieses Wort appreciation für das, was ich gerne (außerhalb einer Gruppe) für Ted Greene tun möchte. Ein solches Verständnis oder eine solche Wertschätzung ist aber nicht einfach herzustellen, denn es ist wie bei vielen Menschen, die sich in ihrem speziellen Fachgebiet auszeichnen, dass ihr Schaffen von Menschen jenseits dieses Gebiets nur schwer nachzuvollziehen ist. Umgekehrt sind die Menschen, die aus der eigenen Fachlichkeit heraus einen anderen wertschätzen, oft in ihrem Verständnis eingeschränkt. Denn sie beurteilen ihn oft aufgrund seiner Leistungen in diesem Gebiet, bemerken aber vielleicht gar nicht, wie diese Leistung vielleicht noch ganz andere Perspektiven braucht um in einem größeren Zusammenhang wahrgenommen zu werden. Der folgende Versuch soll eine Wertschätzung der Leistung Ted Greenes für die Musik und die damit verbundene menschliche Empfindungsentwicklung ermöglichen.FB_20150121_01_35_17_Saved_Picture

In einem Interview mit Joni Mitchell im Dezember letzten Jahres(in der Süddeutschen Zeitung), blickt sie zurück auf die Achtziger Jahre und kommt zu einer sehr massiven Beurteilung der Entwicklung der (Pop-)Musik:“ Nein, Musik ist Ende der Siebziger Jahre gestorben.“ Sie bezieht das auf die technische Entwicklung der Musik jener Zeit, die von einer elektrisch verstärkten Musik immer mehr zu einer synthetisch-elektronischen Musik wurde. Und dadurch ging für sie ein Empfinden für die Grundlage der Musik, die Akkorde, verloren. Joni Mitchells Aussage soll in diesem Zusammenhang nicht kulturpessimistisch verstanden werden, sie soll nur darauf hinweisen, dass sich in dieser Zeit tatsächlich ein signifikanter Übergang vollzogen hat, von Musik in etwas Anderes, etwas Neues, das zwar mit der Musik und auch mit dem Tod der Musik zu tun hat, ja sie sogar voraussetzt, was aber etwas ganz Anderes ist. Dieses ‚Sterben‘ der Musik beinhaltet natürlich das Risiko, dass das Musikalische selbst verloren geht. Gleichzeitig ist es möglicherweise die Voraussetzung dafür, das Musikalische erst wirklich zu begreifen und zu erleben. Das Wirken von Ted Greene in der Musik in dieser Phase des Übergangs war ganz darauf ausgerichtet dieses Musikalische selbst erfahrbar zu machen. Er tut dies in einer Umgebung, die auf den ersten Blick nicht gerade besonders gut für ein solches Wirken geeignet ist. Also nicht in einem klassischen Konservatorium in Europa, sondern als Gitarrist in Amerika, in der Zeit der sich entwickelnden Rockmusik. Er tut dies auch nicht als berühmter Musiker, Komponist, Dirigent, sondern als Gitarrist und Gitarrenlehrer. Dass er mit elf Jahren beginnt Gitarre zu spielen, in mehreren Rythm&Blues Bands spielt, sein Studium abbricht um sich ganz der Musik zu widmen, ist alles noch nicht wirklich singulär in dieser Zeit, dass er sich aber eigenständig und intensiv (ohne äußere Veranlassung) mit der gesamten europäischen Musiktheorie beschäftigt, wirft schon ein anderes Licht auf ihn. In diesem Licht erscheint es auch nicht überraschend, wenn er in der Einleitung zu seinen Gitarren-Lehrbüchern (Modern Chord Progressions – Jazz and Classical Voicings for Guitar) J.S.Bach als ersten von vielen Komponisten und Musikern nennt, die ihn inspiriert und berührt haben. Es mag dann auch nicht mehr überraschen, dass er in seinen Improvisationen, bei seinen öffentlichen Seminaren (die es bei you tube zu sehen gibt) oft mitten aus der Improvisation über einen modernen Standard der Jazz oder Popmusik plötzlich in einer Improvisation über Barockmotive landet. Wobei er diese Musik nie so spielt, wie sie von klassischen Gitarristen gespielt wird, sondern immer aus einer heute möglichen Empfindung heraus, so dass nie der Eindruck einer (typisch) klassischen Musik entsteht. Es klingt bei ihm aber auch nicht so, als benutze ein Rock-oder Jazzmusiker ein eine klassische Melodie für seine Stilrichtung, es klingt so, als sei er diese Musik selbst, und als sei die Barockmusik mit ihm ganz neu und heutig geworden.
Es ist vielleicht hilfreich zum Verständnis dieses Verhältnisses von sogenannter klassischer Musik und heutiger Musik, als eine Art Hintergrund, meinen eigenen Weg zu Ted Greene zu schildern. Ich habe mir selbst, im Wesentlichen autodidaktisch, klassische Gitarre beigebracht und über zwanzig Jahre hauptsächlich Bach gespielt. Meine Lernmethode war dabei etwas eigen: ich habe mir immer ein Stück, dass ich selber sehr mochte, durch eigenes langwieriges Erarbeiten beigebracht. (Ohne jede Theorie oder typisches Üben). Das Gitarre spielen war so ein sehr intimes und langsames Eindringen in das Innere dieser Stücke. Ich lebte monatelang mit dem jeweiligen Stück, bis es richtig in mir lebte. Ich hatte auch keine Absichten in Bezug auf eine Außenwirkung meines Spielens. Es diente ganz meinem eigenen musikalischen Erleben. (Es ist ein riesiger Unterschied, ob man ein Stück nur hört, oder es selber erlernt und sich spielen hört). Vor einiger Zeit bemerkte ich dann, dass meine Beziehung zu dieser Art Musik sich veränderte. Sie interessierte mich nicht mehr so, wie zuvor. Ich suchte etwas Neues. Ich stieß dann auf eine Musik, die sich in den siebziger Jahren sehr stark entwickelt hatte: Solo Jazz Gitarre. Ich stieß auf Joe Pass und, der erklärte die Musikalität seines Spiels in der Folgerichtigkeit der Töne, also einer gewissen Logik und Objektivität, und bezog sich dabei ganz nebenbei auf Bach. Und tatsächlich das Spiel dieser Gitarristen ähnelte der Barockmusik und hatte doch eine ganz andere seelische Ansprache. Kurz danach stieß ich dann auf Ted Greene und hatte einen so starken Wunsch, diese Musik zu spielen, dass ich mich darauf einließ, die unglaublich schwierigen Stücke, die er arrangiert hatte, zu erlernen. Im Verlauf des Übens beschäftigte ich mich auch immer mehr mit seinem Leben, über das es eine Biographie von Barbara Franklin, seiner Lebensgefährtin, gibt. Dabei war als erstes zu bemerken, dass es um ihn herum eine sehr große Gruppe von Menschen, vor allem vielen Gitarristen, oft Schülern von ihm, gibt, die sich darum bemühen, die Erinnerung an Ted Greene wachzuhalten, indem sie sich mit seinem Werk intensiv beschäftigen. Dann war zu bemerken, dass alle (selbst wenn man die amerikanische Art zu Übertreiben abzieht) Ted Greene als einen bemerkenswerten und besonderen Gitarristen, Arrangeur und Lehrer charakterisierten, gleichzeitig aber auch dem Menschen Ted Greene gegenüber ihr außerordentliche Liebe und Zuneigung äußerten. Diese begründeten sie mit der Liebenswürdigkeit, die von ihm ausging. Es muss von diesem Menschen, der selbst wenig für seinen Namen oder Ruhm getan hatte, eine starke Ausstrahlung ausgegangen sein. Eine Ausstrahlung, die auch nach seinem Tod bis heute weiterwirkt.

Die klassische Musik hat im zwanzigsten Jahrhundert ein eigenartiges Schicksal gehabt. Durch die dramatischen Ereignisse des ersten Drittels dieses Jahrhunderts, insbesondere der beiden Weltkriege, entstand eine besondere Verbindung zwischen der europäischen und der amerikanischen Musik. Diese zeigt sich insbesondere darin, dass viele europäische Komponisten nach Amerika ins Exil gingen und dort für Musicals und Filme Musik komponierten. Erst durch diese Vermischung entstand eine sehr populäre eigenständige amerikanische Musik, die bis heute eine substantielle Grundlage des amerikanischen Selbstgefühls bildet. Für diese Entwicklung steht insbesondere George Gershwin, aber auch viele andere Komponisten dieser Zeit. Man könnte sagen die klassische Musik, die in Europa in ihren Formen (Oper, Operette, Sinfonie etc.) in gewisser Weise erstarrte, mündete in Amerika in die Musical-Kultur und die Filmmusik. Und über diesen Weg wurde sie wieder liedhafter – wurde zum Song. Das sogenannte Great American Songbook, eine Sammlung von Standards amerikanischer Lieder besteht zu einem großen Teil aus Songs aus Musicals oder Filmen. Ihre Komponisten und Texter sind oft amerikanische Komponisten mit klassischer Ausbildung (oft in Europa) oder auch(oft jüdische)Komponisten aus Europa, die nach New York geflohen oder auch schon früher ausgewandert waren. Diese Lieder haben oft eigenartige Biographien, sie wurden von vielen bekannten und unbekannten Musikern interpretiert und arrangiert. Dabei wurden sie manchmal populärer und einfacher und manchmal, vor allem im Jazz, auch Grundlage für komplexe Arrangements und sehr freie Improvisationen. Man kann fast den Eindruck haben, die europäischen klassischen Musikformen münden in diesen ‚Schlagern‘ wieder in die Volksmusik und damit kommt eine ganz bestimmte Formkraft auch in diese populären Lieder hinein, die dann später wieder zum Ausgangspunkt wird für eine neue musikalische Entwicklung (vor allem im Jazz). An dieses ‚Ende‘ einer langen Entwicklung von Musik seit dem Mittelalter knüpfen Musiker wie Ted Greene an und können von dort aus bis in die Ursprünge der Musikentwicklung den Weg rückwärts verfolgen, und gleichzeitig einen neuen Anfang finden für eine zeitgemäße Musikempfindung. Es gibt insofern, neben der Entwicklung der klassischen Musik in sich selbst, einen eher untertauchenden Strom der Musikentwicklung, an den bestimmte Musiker frei anknüpfen können. Im Schatten der populären Musik, die vor allem in den siebziger/achtziger Jahren gerade durch die elektronische Komponente eher gefühlsverstärkend wirkt, entwickeln sie spielend und arrangierend eine eher gefühlsdifferenzierende Musik. In den siebziger/achtziger Jahren zeigt sich für eine kurze Zeit, vor allem in den Solo Alben bestimmter Musiker, ein sehr hohes Niveau musikalischer Komplexität, ohne dass das liedhafte Element verloren geht. Die Musiker sind dabei sowohl Arrangeure, wie auch selbst virtuose Instrumentalisten. Sie lösen Akkorde in Melodien auf, und konzentrieren Melodien in Akkordverschiebungen, verwenden komplexeste Rhythmen, und versuchen auf einem Instrument, z.B. der Gitarre ein Lied mit Bassläufen, Akkorden und Melodiestimme gleichzeitig zu spielen. Ähnlich wie dies in der Barockzeit auf der Laute, dem Cembalo, aber vor allem auf der Orgel von den großen Musikern und Komponisten jener Zeit Praxis war.
Ich bin kein Musiktheoretiker, mehr ein Liebhaber und Praktizierender, man möge mir deshalb meine etwas gewagteThese verzeihen, aber ich habe im Verlauf meiner intensiven Beschäftigung mit einigen Musikern dieser Zeit, und unter diesen insbesondere Ted Greene, den Eindruck gewonnen, dass sich in deren Musik, die Barockmusik aus der Zeit Bachs neu gebiert. ‚Alt‘ ist dabei die Art der Logik, mit der dort arrangiert, aber auch improvisiert wird; neu ist die Verwandlung des Gefühlscharakters der Musik. Ähnlich wie in der Barockmusik entsteht die einzelne musikalische Empfindung aus der Folge der Akkorde – ihrer Auflösung ineinander. Die dabei entstehenden Gefühlsmöglichkeiten, und ich würde behaupten wollen, dass die Musik aus der Zeit Bachs eine intensive Erforschung und gleichzeitige Bildung der sich immer weiter verfeinernden musikalischen Empfindungen ist, diese Gefühlsmöglichkeiten haben in der Barockzeit noch einen sehr objektiven Charakter. Die Empfindungen, die entstehen, wenn man die Chord-Progressionen von Ted Green, oder Joe Pass spielt oder hört, sind in einer gewissen Weise genauso objektiv: Sie entstehen ja auch aus den musikalischen Verhältnissen und Übergängen, aber sie sind gleichzeitig persönlicher geworden, menschlicher. Ted Greene , aber auch viele andere Musiker, haben sich in intensiver Weise mit den Veränderungen der Akkord-Verschiebungen beschäftigt und dies auch in ihren Lehrbüchern dokumentiert, insofern ist ihnen dieser Unterschied auch voll bewusst gewesen. Man kann den merkwürdigen Eindruck bekommen, in dieser Musik findet die Barockmusik eine zeitgemäße Weiterentwicklung, und gleichzeitig, zeigt sich in dieser Musik die menschliche Gefühls-Entwicklung seit der Barockzeit. In dieser Musik ist das seelische Erleben mit einer Art Leben verbunden, so dass diese Musik weniger in ihrer seelischen Massivität wirkt, stattdessen mehr als eine Art Glückseligkeit (kindness), die durchaus aufbauend wirkt. Das ist tendenziell eher langweilig im Vergleich mit härteren Musikarten dieser Zeit. Aber eigentlich nimmt es eine Gefühlsentwicklung vorweg, die heute möglich ist. Ted Greene hatte schon früh für sich selbst bemerkt, dass die härtere Rock-Musik das Selbsterleben in problematischer Weise verstärkt und dies für sich abgelehnt. Trotzdem ist er als Gitarrist seiner Zeit kein Konzertgitarrist mit akustischer Gitarre geworden. Er hat sich (ähnlich wie Bach in seiner Zeit mit der Orgel) intensiv mit den elektrischen Gitarren beschäftigt, ja sogar die Firma Fender beraten bei der Entwicklung bestimmter Modelle. Dabei interessierte ihn immer, wie er mit dem Instrument einen ganz bestimmten, beinahe harfenähnlichen Klang erzeugen konnte. Und es ist wirklich erstaunlich, welchen Klang er aus einer Fender Telecaster herausholen konnte.
Ted Greene war sicherlich einer der genialsten und originellsten Gitarristen (in einer Zeit, in der es nicht an guten Gitarristen mangelte). Trotzdem zog er einer möglichen Karriere als Bühnenmusiker das Wirken als Lehrer vor. Es gibt ein einziges Solo-Album von ihm, aber hunderte von Videos, in denen er unterrichtend spielt, oder spielend unterrichtet. Er hatte sich selbst mit vielen Übungen (z. B. Visualisierungen der Akkorde auf dem Griffbrett) aber auch mit unendlichen Transkriptionen von gehörten Musikstücken eine geradezu unendliche Beweglichkeit und Freiheit im Gitarrenspiel erarbeitet. Sein Anliegen war es diese unendliche Arbeit jetzt so einfach wie möglich an seine Studenten und Leser zu vermitteln, dabei in der Sache keine Abstriche zu machen. Ihm ging es nicht darum die schnellsten Läufe oder kompliziertesten Akkorde auf der Gitarre zu spielen, die Gitarre selbst wird, als zeitliches und räumliches Werkzeug, zu einem Organ für immer farbigere Empfindungen. Die Entscheidung als Lehrer zu arbeiten, statt als Band- und Bühnengitarrist, war sicherlich auch eine Entscheidung für das eigene Forschen in dem, was man das eigentlich musikalische Element nennen könnte. Wobei das spezifische Musikalische, das Ted Greene interessiert, nicht ein ideal kosmisches (mathematisches) Musikalisches ist. Durch die Gitarre und ihre zeitlichen (nacheinander) und räumlichen (nebeneinander) Möglichkeiten, können die gleichen Skalen oder Akkorde auf unterschiedlichen Saiten, an verschiedenen Stellen des Stegs gespielt werden. Ted Green weist in seinen Lehrbüchern immer wieder daraufhin, dass es darum geht das immer feinere (unterscheidende) Hören zu schulen, um zu bemerken, wie sich ein Akkord verändert, je nachdem wie und wo und wann er gespielt wird. Die Verfeinerung des Hörens wird auch dadurch gesteigert, dass die Akkorde selbst, wie auch die Skalen, immer feiner modifiziert werden. Ted Greene erreicht in seiner lebenslangen Forschungsarbeit eine völlige Bewegungsfreiheit zu einer immer präziseren Stimmigkeit der einzelnen Ton und Akkordfolgen. Das arrangierte und gespielte Lied wird in diesem Vorgang zu einem Organ für das Musikalische, aber für ein Musikalisches, das erst durch einen Menschen in diese Form gebracht worden ist (unter den irdischen Bedingungen des Nacheinander und Nebeneinander). Ted Greene hat seine eigene Musikalität durch diesen Weg aus jeder Stilrichtung herausgehoben, er ist insofern kein Jazzgitarrist, ebenso wenig wie Bach Barockmusiker ist, auch wenn beide natürlich die musikalischen Möglichkeiten ihrer Zeit kennen und nutzen.
Er hat sich für die Arbeit an diesem neuen musikalischen Leib mit Amerika einen interessanten Ort ausgesucht. Im Dezember 1974 formulierte er (für sich) eine Art philosophisch-praktisches Lebens und Arbeitskonzept, in dem er auch benennt, warum er sich unter seinen verschiedenen Fähigkeiten, ausgerechnet für die Musik als Profession entschieden hat. Ihm geht es in der Musik, um die in ihr latent enthaltenen heilenden und erweckenden Kräfte, die in der Lage sind die trüberen oder niedrigeren Kräfte des Ego, des Stolzes, der Arroganz, der Schmeichelei und Selbstbeweihräucherung auf eine höhere Stufe zu führen. Es geht ihm darum, als Beispiel für eine solche Kraft, sich selbst zu verändern und in diesem Berufsfeld (Entertainment) zu wirken. Er formuliert für dieses Ziel auch (für sich) bestimmte Formen der Selbstkontrolle, eine Art Übungsweg, und erklärt auch, warum er jeglichen Drogenkonsum und bestimmte Formen der Musik nicht mehr ausüben will (weil sie Kräfte erzeugen, die das Gegenteil von dem erzeugen, was er will). Er hat dann etwas über dreißig Jahre Zeit, dieses Konzept zu realisieren, bevor er im Sommer 2005 mit 59 Jahren ganz plötzlich an einem Herzversagen stirbt. Sein Wirken setzt sich auch heute noch weiter fort, weil viele Musiker sich seinen Zugang zur Musik erarbeiten( und viele seiner Schüler immer neues Übungs-Material zur Verfügung stellen) . Möglicherweise hat er als Forscher, Lehrer und Gitarrenspieler tatsächlich einen langfristiger wirkenden Beitrag zur Musik und zur menschlichen Entwicklung beigetragen, als wenn er Bühnenmusiker geworden wäre. Diese weitergehende Wirkung ist auch darin begründet, dass er selbst als Mensch diese heilende Musik geworden ist und ausgestrahlt hat in seine Umgebung. Auch zehn Jahre später kann man diese Kraft spüren, wenn man sich mit seiner Musik und mit ihm als Mensch beginnt zu beschäftigen.
Roland Wiese

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