30 Jahre Umkreis e.V.

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Verabschiedung von Klaus Bruns aus dem Vorstand (MGV Umkreis e.V.)

30 Jahre Umkreis e.V.

Im nächsten Jahr wird unser Verein 30 Jahre. Die diesjährige Mitgliederversammlung war demgemäß von dieser Perspektive geprägt. Der Umkreis  – Verein zur Förderung sozialer Hilfen ist ein interessanter Zusammenhang, der nicht so einfach nach außen hin zu erklären ist. Er ist auch nicht besonders bekannt. Selbst sein Name ist anscheinend so ungewöhnlich, dass er immer wieder mit ähnlich klingenden Begriffen benannt wird: Umwelt e.V., oder Umfeld usw. Was ist ein Umkreis? Anscheinend eine etwas kompliziertere Figur als ein Kreis, der für sich selber steht. Etwas Kreisartiges, das sich aber immer um etwas herum bildet. Es verändert sich inhaltlich je nachdem, worum es sich bildet. Nur die Figur bleibt gleich.

Es gibt im Umkreis eine Art eingebautes Arbeitsprinzip, dass über die Jahre gleichgeblieben ist, und das bisher gewährleistet hat, dass sich der Umkreis nicht in problematischer Weise entwickelt hat. Es gibt zwei Richtungen in den gearbeitet wird, das eine ist die menschenkundliche und psychologische Forschungsarbeit mit verschiedenen Schwerpunkten: Biographiearbeit, kunsttherapeutische Fortbildungen, jahrelange Aufarbeitung anthroposophischer Anthropologie, Fragen zur Pflege,  aktuell Fragen der Ich-Psychologie usw. Während in den ersten Jahren noch verstärkt künstlerische Zugangsweisen im Fokus standen, haben in den letzten Jahren mehr begriffliche Zugänge die Arbeit geprägt. Parallel zu diesen Arbeitszusammenängen mit wechselnden Konstellationen, haben sich von Beginn immer auch Menschen gemeinsam um konkrete Hilfsanfragen von  einzelnen Menschen gekümmert. Aus solchen konkreten Anfragen haben sich dann oft weitergehend konkrete Einrichtungen gebildet: Die GESO (Gesellschaft für soziale Hilfen) im Landkreis Rotenburg (gemeinsam mit anderen Partnern) als gemeindepsychiatrische Versorgung, die Umkreis Entwicklungsgemeinschaften mit Hilfen für Kinder (Kindertagesstätte) und einzelnen Höfen als Lebens- und Arbeitsgemeinschaften. Manche dieser Einrichtungen haben sich zwischenzeitlich auch wieder aufgelöst(wie z.B. unsere Neue Arbeit und unsere Jugendhilfe) , andere wachsen.

Beide Arbeitsprinzipien sind nicht miteinander kurzgeschlossen. Der Zusammenhang zwischen Forschung und praktischer Sozialarbeit ist nicht kausal, er ist nur jeweils im einzelnen Menschen und vom einzelnen Menschen bemerkbar. Die beiden Prinzipien unterscheiden sich aber deutlich dadurch, dass die eigenen Erkenntnisfragen  frei aus eigenem Antrieb  entwickelt und betrieben werden, während die sozialen Fragen mehr von außen kommen und von dort eine Entwicklung anstoßen können, wenn man sich damit verbindet. Auch unterscheiden  sich beide Felder dadurch, dass die eigenen Erkenntnisfragen erst durch eine kontinuierliche Arbeit in gewisser Art ‚existentiell‘ werden, während die Fragen von Menschen nach Hilfe immer schon per se existentiell sind. Beide Gebiete brauchen deshalb auch jeweils ihr eigenes Milieu, in dem sie leben können. Es ist schwierig sich bestimmte Begriffe zu erarbeiten  und gleichzeitig existentielle Nöte zu verhandeln. Es ist auch nicht sinnvoll existentielle Nöte mit bestimmten Begriffen zu behandeln. Natürlich geraten diese Gebiete immer mal wieder durcheinander. Dies sind in der Umkreis-Geschichte auch die Momente gewesen, in denen die gesamte Situation aus dem Gleichgewicht geraten ist. Aber bis heute hat sich die Balance immer wieder herstellen lassen.

Diese Art der individuellen und gemeinsamen Arbeit hat zur Folge, dass sich einerseits die einzelnen Menschen in ihren eigenen Intentionen entwickeln konnten andererseits sich auch eine Art soziale Hintergrundsubstanz gebildet hat, die gewissermaßen den Umkreis für den Einzelnen bildet. Gemeinhin nennt man so etwas Freundschaft, aber diese Art der Freundschaft basiert auf anderen Ursachen, als normale seelische Freundschaft. Sie beruht auf der  Entwicklung der Einzelnen durch die gemeinsame und individuelle geistige Produktivität. Diese  Substanz, auf die man gemeinhin nicht den Blick richtet, weil es kein inhaltlicher Bewusstseinsinhalt ist, mehr eine tragende Verbindung, die man mit anderen Menschen leise empfindet, haben wir versucht im diesjährigen Umkreis-Gespräch einmal in den Blick zu nehmen.

Roland Wiese 21.12.2017

http://www.umkreis.org

http://www.geso-hilfen.de

 

 

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