Was ist das? oder wenn die Dinge beginnen zu blühen…

Forschungswege mit der Farbe VIII

Diesmal geht es um Farben und Formen von Dingen, die Michael Kolod Bilder nennt. Merkwürdige Bilder, merkwürdige Farbwirkungen, die vor und hinter den Dingen schweben. Man weiß nicht, ist die Farbe Oberfläche eines Materials oder Licht…

Im Kunstraum Bremen fand am Samstag, den 1. Februar die Vernissage einer Ausstellung mit Bildern von Michael Kolod statt. 

. IMG_20200201_194716

Die Ausstellung ist betitelt mit ‚wieder – holen‘ , denn 2013 war Michael Kolod schon einmal im Kunstraum zu sehen mit der Ausstellung ‚Zug um Zug‘. Damals stand auf der Webseite des Kunsraumes: „Michael Kolod verwendet in seiner Arbeit Materialien, die, aus Baumärkten stammend, eigentlich in Gärten, Baustellen Verwendung finden. Bereiche, in denen nicht fein ziseliert wird, sondern wo es um nützliche Zweckbestimmung geht. Er stellt diese Werkstoffe in einen neuen Kontext, stellt das zarte, nahzu  Immaterielle heraus, die feine Transluzidität, die feinen Innenräume. Er verwandelt sie, betont ihre Eigenschaften, ohne ihnen neue zuzuweisen. Das Ernstnehmen des Werkstoffes scheint auch im Entstehungsprozess auf, indem er seine Farben, seine Materialien selbst agieren lässt. Er stößt etwas an, sieht zu, wartet ab, greift ein. Werkstoff und Künstler sind im Dialog, überraschen sich, es kann die Eigenart, ja die Persönlichkeit des Materials deutlich werden.“

In Ute Seiferts Begrüßung und Anmoderation  zu der aktuellen Ausstellung wollte sie dieses  Mal die Frage: Was ist das? Im Sinne: woraus ist das hergestellt?  gar nicht mehr in den Mittelpunkt stellen. Michael Kolod entwickelte dieses Motiv in seiner kleinen Ansprache weiter:

Weiterlesen

Ich-Entwicklung begleiten 9.11.2019

Im September und Oktober hatte ich so viele Veranstaltungen, dass ich mit dem Nacharbeiten gar nicht hinterherkomme. So hatten wir am 21.9. die Vernissage von Elfi Wiese, am 22.9. die Eröffnung von Wolfgang Voigts neuem Atelier in Wennigsen, am 28.9. gleichzeitig ‚Ich-Entwicklung begleiten‘ und die Katalog-Vorstellung von Jasminka Bogdanovic in Dornach (so das Martina Rasch das Treffen zur Ich-Entwicklung alleine leiten musste). Am 19.10. hatten wir dann ein Forschungstreffen zum Thema ‚Die Sinne des Ich‘ in Horstedt. Und jetzt am 9.11. ging es weiter mit unseren Treffen zur ‚Ich-Entwicklung‘. Der Gesamtzusammenhang wird hier erwähnt, weil bei allen Veranstaltungen für mich das Thema ‚Ich-Entwicklung‘ explizit oder mehr hintergründig anwesend war.

Nachdem wir in den Treffen zur ‚Ich-Entwicklung‘ Anfang des Jahres mehr das Denken untersucht haben, ergab sich für die letzten Treffen mehr die Frage nach dem Willen. Martina Rasch hatte für sich eine Stelle aus der ‚Allgemeinen Menschenkunde‘ (R. Steiners) gefunden, mit der wir dann zwei mal gearbeitet haben, und die jetzt beim dritten Treffen noch einmal Ausgangspunkt war. „Erst wenn man den Willen wirklich erkennt, kann man auch wenigstens einen Teil der Gefühle erkennen. Denn ein Gefühl ist mit dem Willen sehr verwandt. Wille ist nur das ausgeführte Gefühle und das Gefühl der zurückgehaltene Wille. Der Wille, der sich noch nicht wirklich äußert, der in der Seele zurückbleibt, das ist das Gefühl: ein abgestumpfter Wille ist das Gefühl“ (4.Vortrag S.62) „Gefühl ist werdender, noch nicht gewordener Wille; aber im Willen lebt der ganze Mensch.“ (S.75).

Weiterlesen

Erde aufgehoben Teil III

Finissage

Heute war die Finissage der Ausstellung ‚Erde Aufgehoben‘ von Elfi Wiese in Fischerhude und zum Abschluss war zu einer Bildbetrachtung eingeladen. Ausgesucht waren zwei sehr gegensätzliche Bilder: Marokko

IMG_20191102_150301

und ein neues Bild, das hier zum ersten Mal gezeigt wurde:

IMG_20191006_140156

Es ergab sich ein interessantes Gespräch über die Bilder und über die Arbeit der Malerin. Die Teilnehmer*innen und die Malerin konnten, angeregt durch Fragen von Wolf-Dietmar Stock und Barbara von Monkiewitsch, ihre Eindrücke von den Bildern miteinander abgleichen. Als Nebeneffekt des ‚Zusammenschauens‘, also des gemeinsamen sich Vertiefen in die Bilder, wurde immer mehr von dem sichtbar, was von den Einzelnen gesehen wurde. Dadurch konnte man das eigene Sehen vertiefen und erweitern. Eigentlich brauchen Bilder dieser Art ein solchen Prozess, denn der Betrachter muss eine ganz eigene Aktivität aufbringen um einen/seinen Zugang zu den Bildern zu finden. Sie warten auf diese (Ich)Aktivität und sie werden erst zu wirklichen Bildern in diesem aktiven Sehprozess. Ein solches Geschehen ist tendenziell auch offen für immer neue Bemühungen und Anläufe und damit auch für einen sozialen Austausch.

Eine persönliche Randbemerkung:

Für mich war sehr aufschlussreich, wie die Bilder (zum Teil hatte ich sie auch schon Österreich, also in anderer Umgebung und Hängung gesehen) sich in diesem Gesamtzusammenhang: Kunstverein Fischerhude, ButhmannsHof,  der Ort Fischerhude zeigen. Die Bilder hängen in einem Raum im Giebel des Museums des Kunstvereins. Im Stockwerk darunter die Ausstellung mit dem Fischerhuder Maler Angermeyer und andere Fischerhuder Maler. Sie hängen also umgeben von der Geschichte dieses Ortes und damit einer bestimmten Form der Malerei vom Anfang bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Diese Malerei war sehr orts- und landschaftsbezogen. Sie ist dadurch auch in einer ganz bestimmten farblichen Stimmung gehalten. Diese Stimmung, aber auch der gemalte und wirkliche Ort Fischerhude und seine Umgebung, leben als eine ‚Substanz‘ der Arbeit dieser Maler fort. Sie drohen aber auch den Ort in einer gewissen Weise in sich selbst festzuhalten. So dass Fischerhude zum Bild seiner selbst wird, erzeugt durch die Maler. Elfi Wiese Bilder (und die anderer moderner Künstler), und das war eben in dieser Ausstellung zu erleben, setzen auf dieser Malerei auf, sie setzen sie voraus, aber sie lösen sie auch gleichzeitig wie von oben kommend auf. Es ist durchaus auch als eine bestimmte Form der Erlösung und Befreiung zu erleben. So ergänzen sich beide ‚Substanzen‘ wechselseitig. Insofern war die konkrete Konstellation dieser Ausstellung an diesem Ort, zu dieser Zeit (Herbst), sehr präzise und ein wichtiger Schritt, möglicherweise auch für Fischerhude, auf jeden Fall aber für die Malerin und ihre Bilder, die damit an die geschichtliche Fischerhuder Malerei anknüpfen konnte und diese auf ihre Weise auch ein Stück in die Zukunft bringen konnte.

Roland Wiese 2.11.2019

Veranstaltungen/Termine

21. September 15.00 Vernissage Elfi Wiese

Erde aufgehoben – Bilder von Elfi Wiese

Buthmanns Hof, Im krummen Ort 2, 28870 Fischerhude

Ausstellung 22.9. bis 3.11.2019

21.9.2019  19.00 Finissage Ausstellung Hideo Chita

am 21.9. um 19 h laden wir herzlich ein zur finissage + musikalischem dialog zwischen Bild + Klang, zwischen
EDNA EVERSMEIER (violine) und CLIVE FORD (kontrabass/flöte)

Kunst [ ] Raum Bremen rückertstr. 21 28199 bremen-neustadt

22.9.2019 10.00 Ateliereinweihung Wolfgang Voigt

11.00-11.45 Chorkonzert „Vocalumen“

Atelier FindOrt, Albert-Einsteinstraße 2 K, 309745 Wennigsen

28.9.2019 Ausstellung und Buch-Vernissage Katalog „Jasminka Bogdanovic“

Datum/Zeit
28. 09. 2019 – 29. 09. 2019 / 16:00 – 10:00
Veranstaltungsort
Glashaus am Goetheanum
Einladung zur Buchvernissage
Samstag 28. September 2019 um 16 Uhr
Künstlergespräch mit der Künstlerin und
den Autoren Werner Barfod, Urs Näf,
Roland Wiese und Johannes Onneken
Die Ausstellung ist geöffnet
Samstag 28. September von 12 bis 18 Uhr
Sonntag 29. September von 10 bis 18 Uhr
Die Künstlerin ist anwesend
Ort
Glashaus Westkuppel
Hügelweg 59
4143 Dornach/Schweiz

 

 

Forschungswege mit der Farbe VII mit Hideo Chita (Tokyo)

Im Kunstraum von Ute Seifert, in der Rückertstraße in Bremen,  ist zur Zeit eine Ausstellung des Malers Hideo Chita aus Tokyo zu sehen. Die Ausstellung geht noch bis zum 21.9.2019 und endet mit einer Finissage am 21.9. um 19.00 Uhr mit improvisierter Musik.

 

IMG_20190907_190641

Die Ausstellung begann mit den Farben eines Regenbogens genau in der Häuserschlucht der Rückertstraße. Innen waren in dem weißen Raum einige Bilder zu sehen, die mir erst einmal nur sehr dicke Schichten von Ölfarbe zeigten. Ich mag solche Bilder mit dicker Ölfarbe nicht. Deshalb musste ich mich ein wenig überwinden, um die Bilder wirklich anzuschauen. IMG_20190907_190931

Nach einer Weile des Anschauens, aber auch einfach mit den Bildern im Raum sein, öffneten sie sich aber immer mehr. Ute Seifert und Hideo Chita wiesen auf den spezifischen Charakter der Farbgestaltung der Bilder hin: Gegensätze, farbliche Gegensätze, Komplementärfarben meist, die so Hideo ‚aufgehoben‘ werden sollen. Mit der Zeit bemerkt man was gemeint ist und auch zu sehen ist. Die Bilder sind vordergründig sehr fest und materiell, aber in der Struktur und in den Farbgegensätzen, die meist noch von einer dritten Farbe wie mit einem Schleier bedeckt sind, hebt sich tatsächlich das Feste auf und wird lebendig. Zum Beispiel wirkt es aus jeder Perspektive vollkommen anders. Weiterlesen

Farbe und Stein

Forschungswege mit der Farbe V

Farbe und Stein

Ein Besuch bei Raimer Jochims

Forschungswege IV fand im März in Horstedt statt. Dort hatten wir eine Ausstellung von Wolfgang Voigt im Atelier von Elfi Wiese. Ein intensive Betrachtung der Bilder, ein gemeinsames Vertiefen in das Sehen war der Höhepunkt der kurzen Ausstellung. Bei diesem gemeinsamen ‚Sehen‘ war auch Ute Seifert, Künstlerin aus Otterstedt und Bremen erstmalig bei uns. Und aus dieser gemeinsamen Aktivität entstand der nächste Schritt unserer Forschungsreise, der Impuls den Maler  und Kunsttheoretiker Raimer Jochims zu besuchen. Ute Seifert ist seit über dreißig Jahren mit ihm befreundet und hat ihn zu Vorträgen eingeladen, Texte von ihm veröffentlicht und mit ihm ausgestellt. Sie hat unseren gemeinsamen Besuch angeregt und vermittelt.  Raimer Jochims lebt in Maintal bei Frankfurt ist inzwischen 84 Jahre alt und hat dort, wo er lebt und arbeitet, eine Stiftung aufgebaut, in der er seine Sammlung ‚Weltkunst‘ zeigt. Viele kostbare Stücke aus allen Zeiten und Regionen sind dort miteinander im Gespräch vereint. In einem weiteren Gebäude hat er einen Ausstellungsraum für die eigenen Arbeiten (von dort ist das Foto). Wir haben an zwei Tagen mit Raimer Jochims seine Sammlung und seine eigenen Werke betrachtet, konnten aber auch mit dem Künstler Michael Kolod in seinem Atelier interessante Beobachtungen machen zu indirekten Licht- und Farbwirkungen, die seine Werke erzeugen. Michael Kolod lebt und arbeitet mit Raimer Jochims und anderen Menschen in der Elias-Gemeinschaft in Maintal und ist auch mitverantwortlich für die Elias-Stiftung. Der folgende Text ist keine Reportage oder Bericht über dieses Treffen, sondern mein ganz anfänglicher und individueller begrifflicher Zugang zu Raimer Jochims und seinem Werk. Mein Zugang ist dabei weniger kunsthistorisch oder künstlerisch, als mehr menschenkundlich, also vom menschlichen Leben her.

IMG_20190810_185907 (2)
Ausstellungsraum ‚Am Kirchberg‘ Stiftung-Eliashof. (Ute Seifert, Elfi Wiese und Raimer Jochims)

Farbe und Stein

Raimer Jochims bezeichnet sich als Farbmaler, sagt selbst immer wieder, dass das Sehen für ihn das Wichtigste ist und alles Malen gewissermaßen ein Sehen lernen ist. Raimer Jochims ist ein Maler, der das künstlerische Schaffen vollkommen als Forschen versteht, ein Forschen vom Staunen geleitet und motiviert, aber auch ein Forschen streng geleitet von einer übenden Haltung und einem konsequenten Folgen der eigenen Erkenntnisse. So hat er zum Beispiel in seinem forschenden und praktizierenden Umgang mit der Farbe bemerkt, dass das Leben und die Energie der Farbe für ihn nicht mehr in rechteckige oder quadratische Bildformen passt und diese dann auch aufgegeben und freiere, den Farben des jeweiligen Bildes entsprechende Formen gesucht und gefunden.
Warum habe ich diesen Beitrag über einen Maler ‚Farbe und Stein‘ genannt? Im Nachklang blieben mir drei wesentliche Erfahrungen von diesem Besuch. Erfahrungen, die natürlich damit zu tun haben, dass ich mich seit einiger Zeit intensiv mit Fragen der Sinneswahrnehmung, insbesondere dem Tastsinn  beschäftigt habe..

Weiterlesen

Buch-Vernissage Katalog „Jasminka Bogdanovic“

Jasminka Bogdanović – Farbe und Porträt

Einladung zur Buchvernissage

Samstag 28. September 2019 um 16 Uhr
Künstlergespräch mit der Künstlerin und
den Autoren Werner Barfod, Urs Näf,
Roland Wiese und Johannes Onneken
Die Ausstellung ist geöffnet
Samstag 28. September von 12 bis 18 Uhr
Sonntag 29. September von 10 bis 18 Uhr
Die Künstlerin ist anwesend
Ort
Glashaus Westkuppel
Hügelweg 59
4143 Dornach/Schweiz

Die Kunstmalerin Jasminka Bogdanović ist durch ihre abstrakten Farbkompositionen und ihre sensiblen Portraits weit über ihren Wohn- und Schaffensort Basel hinaus bekannt geworden.
Dieser Katalog beschränkt sich auf Jasminka Bogdanovićs malerisches Schaffen von 2004 bis 2019. Bezeichnend für diese Zeit sind drei große Themen: Farbe in den abstrakten Arbeiten und den Meditationen, der Blick des Menschen in den Porträts und als Drittes das tragische und rätselhafte Schicksal des Kaspar Hauser. Die grafischen und zeichnerischen Werke bleiben einem zukünftigen Katalog vorbehalten. In einem ausführlichen Interview hat man Gelegenheit, tief in die Gedankenwelt und künstlerischen Beweggründe der Künstlerin einzutauchen. Darauf folgen mehrere Essays von Prof. Dr. Dr. Wolf-Ulrich Klünker, Prof. Dr. Salvatore Lavecchia, Urs Näf, Beate Krützkamp, Werner Barfod und Roland Wiese zum Gesamtwerk wie auch zu einzelnen Bilderzyklen, die einen erweiterten Blick auf Jasminka Bogdanovićs Schaffen werfen, indem sie Beobachtungen, Gedanken, Empfindungen, Erfahrungen und Einsichten schildern, zu denen ihr Werk Anlass geben kann.

Katalog Jasminka

Jasminka Bogdanović – Farbe und Porträt
Gebunden
175 Seiten
140 farbige Abbildungen
Preis: 29 € / 35 CHF
Erscheinungsdatum: 28. Sept. 2019

Beispielseiten-Katalog-Bogdanovic

Selbstheilungskräfte des Ich

IMG_20190630_114358

„Selbstheilungskräfte des Ich“ – Der Titel dieses Beitrages war auch der Titel der Veranstaltung am Wochenende in der DELOS-Forschungsstelle in Eichwalde. Man kann das Seminar nennen, aber Wolf-Ulrich Klünker betonte schon in der Einleitung, dass es nicht so einfach ist eine Veranstaltung zu diesem Thema zu haben. Denn man könnte natürlich Veranstaltungen über die Selbstheilungskräfte noch und nöcher machen, ohne dadurch den Selbstheilungskräften auch nur einen Schritt näher zu kommen. Wie können aber die Selbstheilungskräfte im einzelnen Menschen selbst angesprochen werden, ohne das Ich der anwesenden Menschen zu umgehen? Interessant ist für mich die Wahrnehmung des Nachklangs der Veranstaltung – die inhaltliche Seite war sicherlich nicht unwichtig, aber viel wesentlicher erscheint mir, dass ich mich danach in einem anderen Zustand befinde als vorher. Man könnte es vielleicht so formulieren – ich empfinde sehr genau, ohne zu wissen, woher ich das wissen kann, das mein Zustand nach der Veranstaltung idealiter der ist, der mir möglich ist, in dem ich mich aber sonst nicht befinde. Ich erlebe mich ansatzweise in einer gewissen Identität von leiblicher und geistig-seelischer Möglichkeit. Ich schließe daraus verschiedene Dinge: Ich habe mich am Wochenende in der geistigen Bewegung und Bemühung mit den anderen und mit Wolf-Ulrich Klünker in einer Wirklichkeitsschicht aufgehalten, in der die Selbstheilungskräfte des Ich anwesend sind. Das, was und wie wir am Wochenende gesprochen und gefühlt haben sind die Selbstheilungskräfte. Man muss jetzt nicht meinen, dass das seelisch in irgendeiner Weise eine besondere Intensität hatte, weder während noch nach dem Seminar. Das Gefühl der Identität mit sich selbst (bis in den leiblichen Bereich hinein) ist nicht besonders aufdringlich, sondern eher leise. Es ist auch nicht zu beweisen, dass es irgendeinen Zusammenhang mit der Veranstaltung hat. Es ist mir aber innerlich vollständig klar, dass es so ist. Resümee: Die Selbstheilungskräfte (man kann sich mal fragen, wie man sich diese eigentlich vorstellt!) sind möglicherweise ganz anders. Sie sind vielleicht eine gewisse geistige Aktivität – Steiner hat es im Lebensgang (seiner Autobiographie) einmal so formuliert, dass man mit dem ganzen Menschen in das Denken, also in das geistige tätig sein, hineingeht. Selbstheilungskräfte, ein heute viel gebrauchter Begriff, zu Steiners Zeiten hätte man vielleicht noch vom ‚Lebensgeist‘ gesprochen. Ein Geistig-Seelisches, das in der Lage ist Leben aufzubauen. Natürlich ist eine solche Veranstaltung keine Dauermedikation, aber man kann für sich eine Art Modellerfahrung machen, welches Leben in welcher geistigen Aktivität eigentlich notwendig ist, um die Einheit zwischen Leben und Bewusstsein wiederherzustellen. Also welche Art von Bewusstsein lebenswirksam ist und, gleichermaßen, welche Art von Bewusstsein lebensschädigend wirkt. Beide Wirkungen beschränken sich dabei nicht auf den eigenen Organismus, sondern strahlen in die Lebenswirklichkeit insgesamt aus.

Weiterlesen

Kurz, aber intensiv…

Ich habe heute, zusammen mit Albrecht Kaiser, Student*innen an der Alanus Hochschule zum Thema ‚Einführung in die Anthroposophie‘ unterrichtet. Wolf-Ulrich Klünker hatte Albrecht Kaiser und mich kurzfristig gefragt, ob wir am Sonntag für ihn einspringen würden. Und so haben Albrecht und ich heute gemeinsam mit den Studenten an der Sinneslehre, vor allem am Tastsinn gearbeitet. Wolf-Ulrich und Ramona Rehn hatten Freitag und Samstag schon einige Themen vorgearbeitet. Die Student*innen waren, genau wie wir, sehr zufrieden mit dem Einstieg und auch mit den Vertretungsdozenten. Lieber Albrecht, danke für die kongeniale Zusammenarbeit! Da ist Zukunft drin, sowohl im Thema, wie in der Konstellation.

Roland Wiese 16.6.2019

P.S. Wir haben heute ja die heilpädagogische Arbeit Steiners mit Otto Specht näher angeschaut. Am 16.6.1884 schrieb Pauline Specht an Rudolf Steiner wegen der Hauslehrerstelle. Am 18.6.1924 besucht Steiner  die Heilpädagogische Initiative in Jena und am 25.6. 1924 begann der Heilpädagogische Kurs. (Albrecht hat mir erzählt, dass er mit dem Erbprinzen von Schloss Hamborn einen der Teilnehmer des HPK gekannt hat). Auf der Seite Psychologie findet man einen Aufsatz von mir zur Psychologie des Heilpädagogischen Kurses: Die Psychologie des Heilpädagogischen Kurses