Die Psychologie des Heilpädagogischen Kurses

aus gegebenem Anlass nochmal ganz oben:

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90 Jahre heilpädagogischer Kurs – Therapeutische Perspektiven
Der Heilpädagogische Kurs, im letzten Jahr 90 Jahre alt geworden, bündelt viele Forschungsfragen Rudolf Steiners, die er sein ganzes Leben hindurch verfolgt hat. Viele Fragen hat er dort in eine ganz neue Konkretion gebracht, aber auch eine ganz bestimmte Lebensentwicklung vom Beginn seiner Laufbahn als Geisteswissenschaftler abrunden können. Im Folgenden soll dieser inhaltliche und biographische Zusammenhang ein wenig beleuchtet werden. Vielleicht werden dadurch auch manche verdichteten Passagen des Heilpädagogischen Kurses aufgehellt. 
Biographische Zusammenhänge
Wenn man die Entwicklung des Heilpädagogischen Kurses in der Biographie Steiners verfolgt, findet man eine interessante zeitliche Konstellation: Am 18. Juni 1924 besucht Steiner in Jena die junge Initiative der Heilpädagogen am Lauenstein, wenige Tage später, am 25. Juni, beginnen in Dornach die Vorträge des Heilpädagogisches Kurses vor einer ausgesuchten kleinen Gruppe von engen Mitarbeitern, mit denen Steiner zum Teil schon länger therapeutisch zusammen arbeitet. Auch im Juni, exakt vierzig Jahre zurück, am 16.6.1884, schreibt Pauline Specht an Rudolf Steiner, ob er nicht eine Stelle als Hauslehrer in ihrer Familie antreten möchte. Pauline Specht hat einen behinderten Sohn, Otto, der nicht beschulbar ist, und Rudolf Steiner soll sich hauptsächlich um ihn kümmern. Rudolf Steiner nimmt diese Stelle an – und bleibt sechs Jahre in der Familie Specht. Über die berufliche Tätigkeit hinaus entsteht eine tiefe innerliche Verbundenheit mit der Familie, die mit seinem Weggang nach Weimar nicht endet. 40 Jahre vor dem Heilpädagogischen Kurs leuchtet (rückblickend betrachtet) das Motiv dieses Kurses schon in dieser Lebenssituation auf. Obwohl diese Tätigkeit als Hauslehrer auf den ersten Blick nicht zur beruflichen Intention des jungen Steiner passte. Ein Jahr vorher hatte er ohne Abschluss die Technische Hochschule verlassen. Er hatte gerade mit der Herausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes eine weithin anerkannte wissenschaftliche Leistung vollbracht, hat aber keine berufliche Perspektive, die ihn auch ernähren würde. Während seiner Zeit als Hauslehrer arbeitet er weiter an einem Buch, das dann 1886 erscheint: Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung. Auf die Situation dieser Zeit blickt Rudolf Steiner im Juni 1924 in seinen Aufzeichnungen in seinem ‚Lebensgang‘ zurück. Diese Aufzeichnungen erschienen ja kapitelweise in der Wochenschrift, und parallel zum Kurs erscheinen die Schilderungen jener Zeit in der Familie Specht. Natürlich wird auch im H.P.K. Otto Specht und die Arbeit mit ihm erwähnt. Otto Specht ist zu der Zeit schon seit 9 Jahren tot, er war 1915 im Krieg als Arzt an Typhus verstorben.

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Ich-Entwicklung und die Entwicklung der Welt

Ein Beitrag mit dem Hintergrund unseres 2. Treffens – Ich-Entwicklung Begleiten

Ich beschäftige mich gerade mit Claus Otto Scharmer, der mit seiner „Theorie U – Von der Zukunft her Führen“ versucht Ich-Entwicklung als eigentlichen Durchgangspunkt zur Weltentwicklung deutlich zu machen. So bemerkt er bei allen bisherigen Systemen der Weltentwicklung, dass die Perspektive des sich entwickelnden Selbst ausgeblendet wird. Es sind meist ‚Vogelperspektiven‘, und er fragt: „Welche Perspektive würde sich ergeben, wenn wir das Schlachtfeld nicht nur von oben, sondern aus Sicht der Akteure sehen könnten – aus der Perspektive des sich entwickelnden Selbst?“ (Claus Otto Scharmer Therie U, Heidelberg 2015, S. 115)
Ein zweites Kriterium für eine menschliche Wissenschaft des 21.Jahrhunderts ist für ihn die Frage, ob sie ein Wissen generiert, dass die Realität nur beschreibt, oder „ob sie die Realität, die sie beschreibt, auch hervorbringen kann.“ Es gebe einen ‚blinden Fleck‘ in unserer Wahrnehmung: „Wir nehmen unsere Realität als etwas Äußeres wahr, als etwas, das mit uns geschieht. Wir sehen den Prozess nicht, durch den wir selber die soziale Realität gemeinsam hervorbringen. (…) Dieser blinde Fleck, der den Prozess von sozialer Wirklichkeitsentstehung betrifft, steht einem direkteren Zugriff auf die tieferen Quellen unserer Kreativität im Wege. Das betrifft die Kreativität von Individuen und Gemeinschaft gleichermaßen. Von einem strukturellen Blickwinkel aus betrachtet, spiegelt sich dieser gesellschaftliche blinde Fleck in einem Fehlen von Begegnungs- und Wahrnehmungsräumen, in denen Akteure über die Grenzen von Institutionen und Sektoren hinweg Zukunftsmöglichkeiten sehen, entwickeln und realisieren lernen. Die Gegenwart ist dadurch geprägt, dass organisierte Interessengruppen Antworten auf die gegenwärtigen Probleme anstreben, dabei aber meist nur ein Sonderinteresse vertreten.“ (S.116)
Wenn man dies auf die die Arbeit im Sozialen bezieht, also auf eine professionelle Begegnungs- und Beziehungsarbeit mit einzelnen Menschen, dann wird einem sehr schnell klar, dass der ‚blinde Fleck‘ in dieser Arbeit darin liegt, dass die Entwicklung nur eines Menschen in den Blick genommen wird, die des anscheinend Hilfebedürftigen. Aus dieser Perspektive heraus verschwindet der Helfer als eigenständiges Selbst beinah vollständig aus dem Blick. Er wird zu einem objektiven Werkzeug – zu einer Assistenz, ohne Gesicht, Geschichte, Vergangenheit und Zukunft. Er vollbringt eine ‚Beziehungsdienstleistung‘, wie es fachlich und menschlich verfehlt, manchmal dargestellt wird. Es gibt in der Geschichte der Sozialarbeit und auch der spezifischeren Geschichte der sozialen Psychiatrie nur wenige Beispiele, die die wechselseitige Entwicklung der Beteiligten und ihre Bedingungen in den Blick nehmen und vertreten. Nahezu überall wird versucht verobjektivierte Wirksamkeiten in der sozialen Arbeit zu kreieren, die dann möglichst auch noch planbar und messbar sind. Die Reduktion der Wirklichkeit im Modell führt aber auf die Dauer auch zu reduzierter Wirklichkeit, dass heißt zu einer Reduktion des Erlebens und Lebens. Weiterlesen

Geistselbst-Berührung des Ich

Das Seminar der DELOS-Forschungsstelle mit dem Titel ‚Geistselbst-Berührung des Ich – Befreiung, Lösung und Erlösung‘ fand am Sa./So. 24/25.11.2018, Sa, 15 Uhr – So, 13 Uhr statt. Aus der Ankündigung:
„Imaginative Kräfte sind im Hintergrund von Lebens-, Empfindungs- und Erkenntnisprozessen wirksam. Sie bilden eine individuelle „Märchenschicht“, die wirklicher ist als die sogenannte Realität. In der Ich-Entwicklung kann heute eine Sensibilität für diese Wirkungen ausgebildet werden. Der neue Erlebnis- und Erkenntnisraum berührt sowohl die Sphäre des früheren Engels als auch elementare Lebensvorgänge.“

Kein Seminarbericht!

Im Johannes Evangelium heißt es: Die Wahrheit wird euch frei machen. Wie ist eine solche Befreiungswirkung der Wahrheit zu denken. In Platons Dialog ‚Parmenides‘ lehrt der alte Parmenides den jungen Sokrates den Denk Weg von der Einheit zu dem Vielen Schritt für Schritt zu gehen (und wieder zurück vom Vielen zu der Einheit). Er warnt Sokrates davor zu große Begriffe zu verwenden und lehrt ihn in kleinen Schritten diesen Weg vom Einheitlichen zum Einzelnen zu vollziehen. Als Ergebnis dieser Denkschulung bilde sich ein Gefühl, sagt er: Das Wahrheitsgefühl. (Gyburg Radke hat über diesen Dialog ein wunderschönes Buch geschrieben: Das Lächeln des Parmenides).

Das Wahrheitsgefühl, als eine Empfindung, die sich durch das Denken erst bildet, kann dann auf die Seele wirken – diese Wirkung der Wahrheit war ein Thema des Mittelalters. Wie kann man sich eine Wirkung der Wahrheit, oder der ‚Empfindung hinter dem Denken‘ (Klünker) auf die Lebensprozesse vorstellen? Also eine befreiende Wirkung in die eigenen Lebensprozesse, aber auch darüber hinaus in die Naturprozesse?  Weiterlesen

Ich-Entwicklung begleiten 1

Unser erstes Arbeitstreffen war sehr intensiv! Das war sicherlich  dem intimen Rahmen geschuldet, aber auch den Teilnehmern, die aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der sozialen Arbeit kamen. So konnten wir einerseits miteinander besprechen, welchen Unterschied es macht, wenn man mit dem Blick auf die Ich-Entwicklung auf eine Situation schaut, oder mit dem Blick, der in der gewöhnlichen Sozialarbeit üblich und gefragt ist. Die Fragehaltung macht es aus, in welche Wirklichkeit ich mit dem anderen Menschen hineinkommen kann. Smarte Ziele aus der Hilfeplanung sind etwas anderes als Ich-Entwicklung! Im zweiten Block ging es um das Bild des Ich, das im Organismus und in der Gestalt, aber auch in seinem Leben, wie verzaubert, untergetaucht wirksam ist. Der Mensch ist so gesehen erst einmal ein Bild von sich selbst, und in dieses Bild gehören alle Elemente mit hinein und gehören zum Ich dazu. Diese Perspektive führte zu neuen Fragen, was das für bestimmte Schicksalssituationen bedeuten würde. Daraus ergab sich ein intensives Gespräch zu bestimmten Formen von Behinderung und der Umgang der Menschen mit diesen Formen. Die Veranstaltung war so, wie von uns angestrebt, ein intensives miteinander Forschen an der Ich-Frage. Dabei konnten Elemente der ersten drei Seminare aus dem Frühjahr  im Gespräch aufgegriffen und vertieft werden. Vielen Dank!

Roland Wiese 9.11.2018

Geisteswissenschaft – eine spirituelle Wissenschaft

6.10.2018

Gestern nacht bekam ich einen link geschickt zu einem Radiogespräch von  radio evolve zwischen Tom Steininger und Wolf-Ulrich Klünker. radio evolve gehört wohl zu einer Zeitschrift evolve magazin. Beides war mir bisher nicht bekannt. Dazu gehört wohl auch die Seite ermerge-bewusstseinskultur.

Wissenschaft ist seit Aristoteles als eine bestimmte Form der Erkenntnistätigkeit beschrieben, die vom Ich ausgeht, aber gleichzeitig dieses Ich erst schafft. In dem Radiogespräch von Tom Steininger und Wolf-Ulrich Klünker wird dieses Motiv eindrücklich und doch gut verstehbar bewegt. (Am Wochenende haben wir dieses Thema intensiv am Küchentisch diskutiert – insofern ist das Radiogespräch  wie eine objektive Fortsetzung  der eigenen Bemühung).

Auf der Seite von emerge-bewusstseinskultur habe ich eine interessante Veranstaltung von Tom Steininger gefunden:

Ein neues Zuhause für das Ich?

Die unerkannte Dimension der Wir-Arbeit

mit Thomas Steininger

03. November, 10.00 – 16.00 Uhr, im ZIL- Zentrum Integrales Leben, Kiel

Wir leben in ganz unterschiedlichen Wir-Feldern – in der Familie, mit Kollegen oder Menschen, denen wir zufällig begegnen. Diese Felder haben unterschiedliche Atmosphären, Geschichten und Zusammenhänge. Um ein Wir-Feld in seiner Lebendigkeit wahrzunehmen, braucht es so etwas wie ein „Wahrnehmungsorgan“ für ein Bewusstseinsfeld. Denn unser Bewusstsein ist insbesondere ein lebendiges Feld bewusster und unbewusster menschlicher Beziehungen.

Hier nun das Radiogespräch:

Thomas Steininger mit Prof. Wolf-Ulrich Klünker im Gespräch
.
Wenn wir heute von einem Dialog zwischen Spiritualität und Wissenschaft sprechen, meinen wir meist einen Dialog mit dem vorherrschenden naturwissenschaftlichen Denken. Vielleicht braucht es für diesen aber auch ein anderes Verständnis darüber, was Wissenschaft außer Naturwissenschaft noch sein kann. Kein unkritisches Wunschdenken wie es im New Age oft gepflegt wird und auch kein dogmatisch metaphysisches Denken wie wir es oft in den traditionellen Religionen
vorfinden. Gibt es ein anderes, geisteswissenschaftliches Verständnis einer modernen Wissenschaft?
Prof. Wolf-Ulrich Klünker, Professor für Philosophie und Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie an der Alanus Hochschule bei Bonn, denkt ja, das gibt es.
Radio evolve spricht mit ihm diese Woche über die Möglichkeit einer spirituellen Wissenschaft.

 

Vom wirklichen Ich zum wirksamen Ich

Der Beitrag zum wirklichen Ich (angeregt von einem Karl Ballmer Zitat) hat zwei Kommentatoren zu einer interessanten Diskussion gebracht. Meine Fragestellung ist aber eine andere:

Für mich ist es interessanter als zu klären, was Karl Ballmer damals gemeint haben könnte, oder wer er ist, wie es mit dem Ich weitergegangen ist, bzw. weitergeht!
Ich gebe ja zu, dass der Satz für mich nur ein Anreger war, selbst weiterzudenken, und ich ihn damit in die Gegenwart geholt habe. Eigentlich müsste man aber heute, und das wäre jetzt der Kern meiner Fragestellung, nicht nur vom wirklichen Ich sprechen, sondern, und das macht auch das wirkliche Ich verständlicher, vom wirksamen Ich. Wir haben gerade heute hier eine Veranstaltung gehabt, wo es um diese Frage ging, wie die Wirksamkeit der eigenen Empfindungen eigentlich zu denken ist. Die Wirksamkeit des Ich über sein Empfinden der Natur in die Natur, über sein Empfinden in den Organismus und schließlich über die Empfindung im Zwischenmenschlichen auch in die soziale Wirklichkeit hinein. Natürlich mit einer Empfindung, die sich am Denken oder aus dem Denken gebildet hat.  Mich interessiert also der Weltbezug des wirksamen Ich!  Wolf-Ulrich Klünker kennzeichnet das so wirksame Ich als einen Ort oder ein Organ, durch den oder das erst eine individuelle ‚michaelische‘ Wirksamkeit ermöglicht wird…

(Quelle: Die Empfindung des Schicksals, Wolf-Ulrich Klünker, das Kapitel: Das Gefühl differenziert sich.)

 

29.9.2018

 

Geistselbst-Berührung des Ich

Das nächste Seminar der DELOS-Forschungsstelle mit dem Titel ‚Geistselbst-Berührung des Ich – Befreiung, Lösung und Erlösung‘ findet am Sa./So. 24/25.11.2018, Sa, 15 Uhr – So, 13 Uhr statt. Aus der Ankündigung:

„Imaginative Kräfte sind im Hintergrund  von Lebens-, Empfindungs- und Erkenntnisprozessen wirksam. Sie bilden eine indivdiuelle „Märchenschicht“, die wirklicher ist als die sogenannte Realität. In der Ich-Entwicklung kann heute eine Sensibilität für diese Wirkungen ausgebildet werden. Der neue Erlebnis- und Erkenntnisraum berührt sowohl die Sphäre des früheren Engels als auch elementare Lebensvorgänge.“

Seminar mit Wolf-Ulrich Klünker im Haus der DELOS-Forschungsstelle, Eichwalde (Berlin).

Begrenzte Platzzahl, Teilnahme nur mit Anmeldung

delos@t-online.de oder Tel 030/67803990

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Das Haus der DELOS-Forschungsstelle in Eichwalde

Der Tastsinn im Ich

Der Tastsinn im Ich

Ich habe die kleine Reihe zum Tastsinn, die hier im Blog erschienen ist, in einem PDF zusammengeführt. Damit kann sie besser gelesen werden. Außerdem kommt sie in diesem Format auch in die Bibliothek hier.

Roland Wiese 12.09.2018

 

 

Das Wirkliche Ich – heute

Wenn Karl Ballmer 1925 vom ‚Wirklichen Ich‘ als ‚Wer des Erkennens‘ schreibt, knüpft er an Rudolf Steiners Satz aus ‚Wahrheit und Wissenschaft‘ an:“ Das Ich setzt das Erkennen.“ Heute kann man diese Ich-Sätze und Setzungen weiter verfolgen. Heute kann man fragen: Wer ist das Erkennen? aber auch Wer ist das Leben? und wie verhalten sich beide zueinander? Und man kann anknüpfend an W. U. Klünker ( Die Empfindung des  Schicksals 2011) fragen: Wer war das Leben, vor dem Leben? Denn das Ich setzt das Leben! Und wer war das Erkennen vor dem jetzigen Erkennen? Denn das Ich setzt das Erkennen? Und welche Ich-Entwicklungsspannung besteht zwischen dem Ich des Erkennens und dem Ich des Lebens?

Welche Folgen hätte eine solche Betrachtungsweise für Therapie und Sozialarbeit?

27.8.2018

Das Wirkliche Ich

In dem Katalog ‚Karl Ballmer Kopf & Herz‘, der anlässlich einer großen Aussstellung des Malers Karl Ballmer (1891-1958) 2016 erschienen ist findet sich ein schöner Beitrag von Ulrich Kaiser: ‚Ballmers ursprüngliche Einsicht‘. In diesem Beitrag habe ich eine interessante Stelle zum Ich gefunden. Karl Ballmer schreibt an seinen Freund Friedrich Widmer:  „Ein <allgemeines Ich> ist Begriff, denn ein Begriff ist ja stets ein <Allgemeines>. Das Wirkliche Ich ist aber nicht im Sinne eines Allgemeinen, sondern ist Individualität, Einzigmaligkeit. Bedeutet <Wissenschaft> das System der Begriffe, die von einem obersten Begriff (etwa  <Gott>) zusammengefasst werden, so bedeutet das historische Auftreten des wirklichen Ich für die Wissenschaft die Notwendigkeit, das System der Begriffe zu verwandeln in ein System der Iche.Also wenn z.B. bislang der Baum erkannt war, wenn der <Begriff> des Baumes festgestellt ist, so wäre jetzt nur fortan zu fragen: in wiefern ist der Baum Ich. Oder wenn bislang die erkenntnistheoretische Grundfrage lauten dürfte:<Was ist das Erkennen?>, so hätte auf dem Boden der neuen Tatsachen zu lauten:<Wer ist das Erkennen?>“ (S. 136)

Roland Wiese 27.8.2018