Ein erstes Resümee

Was ist Ich-Entwicklung ?      IMG-20180325-WA0003[14833]

Nachdem wir am Samstag den 3. Teil unserer Einführung in das Thema Ich-Entwicklung hatten, lässt sich ein erstes Resümee ziehen. Vielleicht einige allgemeinere Gedanken vorweg. Der letzte Vortrag von Carl Unger 1929 war unter dem Titel angekündigt: Was ist Anthroposophie? Mir erscheint es so, dass die Frage: Was ist Ich-Entwicklung? eine Art Aktualisierung dieser Fragestellung sein könnte. Dies würde einbeziehen, dass im Verlaufe des 20. Jahrhunderts die Individualisierung der Menschen vorangeschritten ist. Die Notwendigkeit sich biographisch immer mehr aus dem eigenen Ich auszurichten, also sich den eigenen Zusammenhang immer wieder neu herzustellen ist gewachsen. Das bedeutet vielleicht, dass die noch etwas allgemeinere Frage nach einer ‚Anthroposophie‘, sich in die Frage nach der Ich-Entwicklung konkretisiert hat.

Stellt man die Frage nach dem Ich, ist man gleich auf zwei Weisen angesprochen: Direkt persönlich als das Ich, was jetzt sich dieser Frage aussetzt, aber auch in tieferer Weise als das Ich, dass als mögliches Ich sich mehr im Unbewussten verbirgt. Das heißt eine solche Seminarreihe hat möglicherweise eine Wirkung mehr in der Bewusstseinssphäre des Ich, aber es spricht auch in die Tiefen der eigenen Ich-Frage. Es findet die scheinbar erst einmal abstrakte und begriffliche Frage in diesen Tiefen ein sehr konkretes und persönliches Echo. Das bedeutet für eine solche Themenreihe, dass schon die Auseinandersetzung mit dieser Frage nicht außerhalb von Ich-Entwicklung stattfindet (in einem theoretischen Feld), sondern in dem Raum, in dem ich gerade mit dieser Frage bewusst und unbewusst stehe. Dieses Phänomen sorgt dafür, dass die Teilnehmer neben der bewusst bearbeiteten allgemeineren Ich-Frage, auch ihre persönliche Frage bemerken können. Und diese persönlichen Ich-Fragen sind sehr unterschiedlich. Und die Berührung mit dieser Frage ist nicht nur angenehm! IMG-20180325-WA0005[14834]Aber, und das ist der große Unterschied zu Selbsterfahrungsseminaren, in denen ja die persönliche Berührung direkt angesteuert und dann auch bearbeitet wird, die Wirkung von Begriffszusammenhängen auf die eigenen Ich-Tiefen ist erst einmal ungewohnt und muss auch verarbeitet werden. Dies war während der drei Seminare, vor allem beim letzten, deutlich zu erleben. Am Feedback der Teilnehmer war abzulesen, dass jeder Teilnehmer seine ganz persönliche Seminarwirkung schilderte, wobei sich diese noch ganz im Anfang befand und vielleicht noch gar nicht wirklich besprechbar war. Es soll damit der Bogen zu einer Wirkung der Anthroposophie geschlagen werden, wie sie vielleicht angelegt war. Zu einer Wirkung, die die Ich-Entwicklung vorantreibt, dadurch, dass sie als Begriffszusammenhang das Ich nicht (nur) inhaltlich bilden sollte, sondern die eigene individuelle Willenskraft freilegt, die für die persönliche Entwicklung gebraucht wird. (Möglicherweise sind die sich immer wiederholenden Auseinandersetzungen um die Inhalte in der anthroposophischen Szene, nichts anderes als eine versteckte Auseinandersetzung um individuelle Willensausrichtungen, die sich erst durch die Arbeit mit anthroposophischen Begriffszusammenhängen im einzelnen Menschen freigelegt haben.) In diesem Sinne war die Einführung als eine Anregung dieser eigenen Zusammenhangsbildungen und Intentionen gemeint. Man müsste nur ein Augenmerk eben auch auf die eigenen Intentionen haben. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass das Thema Ich-Entwicklung diese Aktivität fordert und fördert (auch von den Referenten). Deshalb werden wir jetzt schauen, wie wir diese Frage weiterbewegen können, und was die nächsten Schritte sein können.
Roland Wiese 30.3.2018 (Karfreitag)

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