Vom wirklichen Ich zum wirksamen Ich

Der Beitrag zum wirklichen Ich (angeregt von einem Karl Ballmer Zitat) hat zwei Kommentatoren zu einer interessanten Diskussion gebracht. Meine Fragestellung ist aber eine andere:

Für mich ist es interessanter als zu klären, was Karl Ballmer damals gemeint haben könnte, oder wer er ist, wie es mit dem Ich weitergegangen ist, bzw. weitergeht!
Ich gebe ja zu, dass der Satz für mich nur ein Anreger war, selbst weiterzudenken, und ich ihn damit in die Gegenwart geholt habe. Eigentlich müsste man aber heute, und das wäre jetzt der Kern meiner Fragestellung, nicht nur vom wirklichen Ich sprechen, sondern, und das macht auch das wirkliche Ich verständlicher, vom wirksamen Ich. Wir haben gerade heute hier eine Veranstaltung gehabt, wo es um diese Frage ging, wie die Wirksamkeit der eigenen Empfindungen eigentlich zu denken ist. Die Wirksamkeit des Ich über sein Empfinden der Natur in die Natur, über sein Empfinden in den Organismus und schließlich über die Empfindung im Zwischenmenschlichen auch in die soziale Wirklichkeit hinein. Natürlich mit einer Empfindung, die sich am Denken oder aus dem Denken gebildet hat.  Mich interessiert also der Weltbezug des wirksamen Ich!  Wolf-Ulrich Klünker kennzeichnet das so wirksame Ich als einen Ort oder ein Organ, durch den oder das erst eine individuelle ‚michaelische‘ Wirksamkeit ermöglicht wird…

(Quelle: Die Empfindung des Schicksals, Wolf-Ulrich Klünker, das Kapitel: Das Gefühl differenziert sich.)

 

29.9.2018

 

Das Wirkliche Ich – heute

Wenn Karl Ballmer 1925 vom ‚Wirklichen Ich‘ als ‚Wer des Erkennens‘ schreibt, knüpft er an Rudolf Steiners Satz aus ‚Wahrheit und Wissenschaft‘ an:“ Das Ich setzt das Erkennen.“ Heute kann man diese Ich-Sätze und Setzungen weiter verfolgen. Heute kann man fragen: Wer ist das Erkennen? aber auch Wer ist das Leben? und wie verhalten sich beide zueinander? Und man kann anknüpfend an W. U. Klünker ( Die Empfindung des  Schicksals 2011) fragen: Wer war das Leben, vor dem Leben? Denn das Ich setzt das Leben! Und wer war das Erkennen vor dem jetzigen Erkennen? Denn das Ich setzt das Erkennen? Und welche Ich-Entwicklungsspannung besteht zwischen dem Ich des Erkennens und dem Ich des Lebens?

Welche Folgen hätte eine solche Betrachtungsweise für Therapie und Sozialarbeit?

27.8.2018

Das Wirkliche Ich

In dem Katalog ‚Karl Ballmer Kopf & Herz‘, der anlässlich einer großen Aussstellung des Malers Karl Ballmer (1891-1958) 2016 erschienen ist findet sich ein schöner Beitrag von Ulrich Kaiser: ‚Ballmers ursprüngliche Einsicht‘. In diesem Beitrag habe ich eine interessante Stelle zum Ich gefunden. Karl Ballmer schreibt an seinen Freund Friedrich Widmer:  „Ein <allgemeines Ich> ist Begriff, denn ein Begriff ist ja stets ein <Allgemeines>. Das Wirkliche Ich ist aber nicht im Sinne eines Allgemeinen, sondern ist Individualität, Einzigmaligkeit. Bedeutet <Wissenschaft> das System der Begriffe, die von einem obersten Begriff (etwa  <Gott>) zusammengefasst werden, so bedeutet das historische Auftreten des wirklichen Ich für die Wissenschaft die Notwendigkeit, das System der Begriffe zu verwandeln in ein System der Iche.Also wenn z.B. bislang der Baum erkannt war, wenn der <Begriff> des Baumes festgestellt ist, so wäre jetzt nur fortan zu fragen: in wiefern ist der Baum Ich. Oder wenn bislang die erkenntnistheoretische Grundfrage lauten dürfte:<Was ist das Erkennen?>, so hätte auf dem Boden der neuen Tatsachen zu lauten:<Wer ist das Erkennen?>“ (S. 136)

Roland Wiese 27.8.2018