Erde aufgehoben Teil III

Finissage

Heute war die Finissage der Ausstellung ‚Erde Aufgehoben‘ von Elfi Wiese in Fischerhude und zum Abschluss war zu einer Bildbetrachtung eingeladen. Ausgesucht waren zwei sehr gegensätzliche Bilder: Marokko

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und ein neues Bild, das hier zum ersten Mal gezeigt wurde:

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Es ergab sich ein interessantes Gespräch über die Bilder und über die Arbeit der Malerin. Die Teilnehmer*innen und die Malerin konnten, angeregt durch Fragen von Wolf-Dietmar Stock und Barbara von Monkiewitsch, ihre Eindrücke von den Bildern miteinander abgleichen. Als Nebeneffekt des ‚Zusammenschauens‘, also des gemeinsamen sich Vertiefen in die Bilder, wurde immer mehr von dem sichtbar, was von den Einzelnen gesehen wurde. Dadurch konnte man das eigene Sehen vertiefen und erweitern. Eigentlich brauchen Bilder dieser Art ein solchen Prozess, denn der Betrachter muss eine ganz eigene Aktivität aufbringen um einen/seinen Zugang zu den Bildern zu finden. Sie warten auf diese (Ich)Aktivität und sie werden erst zu wirklichen Bildern in diesem aktiven Sehprozess. Ein solches Geschehen ist tendenziell auch offen für immer neue Bemühungen und Anläufe und damit auch für einen sozialen Austausch.

Eine persönliche Randbemerkung:

Für mich war sehr aufschlussreich, wie die Bilder (zum Teil hatte ich sie auch schon Österreich, also in anderer Umgebung und Hängung gesehen) sich in diesem Gesamtzusammenhang: Kunstverein Fischerhunde, ButhmannsHof, Fischerhude zeigen. Die Bilder hängen in einem Raum im Giebel des Museums des Kunstvereins. Im Stockwerk darunter die Ausstellung mit dem Fischerhuder Maler Angermeyer und andere Fischerhuder Maler. Sie hängen also umgeben von der Geschichte dieses Ortes und damit einer bestimmten Form der Malerei vom Anfang bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Diese Malerei war sehr orts- und landschaftsbezogen. Sie ist dadurch auch in einer ganz bestimmten farblichen Stimmung gehalten. Diese Stimmung, aber auch der gemalte und wirkliche Ort Fischerhude und seine Umgebung, leben in dem Ort als eine ‚Substanz‘ der Arbeit dieser Maler fort. Sie drohen aber auch den Ort in einer gewissen Weise in sich selbst festzuhalten. So dass Fischerhude zum Bild seiner selbst wird, erzeugt durch die Maler. Elfi Wiese Bilder (und die anderer moderner Künstler), und das war für eben in dieser Ausstellung zu erleben, setzen auf dieser Malerei auf, sie setzen sie voraus, aber sie lösen sie auch gleichzeitig wie von oben kommend auf. Es ist durchaus auch als eine bestimmte Form der Erlösung und Befreiung zu erleben. So ergänzen sich beide ‚Substanzen‘ wechselseitig. Insofern war die konkrete Konstellation dieser Ausstellung an diesem Ort, zu dieser Zeit (Herbst), sehr präzise und ein wichtiger Schritt, möglicherweise auch für Fischerhude, auf jeden Fall aber für die Malerin und ihre Bilder, die damit an die geschichtliche Fischerhuder Malerei anknüpfen konnte und diese auf ihre Weise auch ein Stück in die Zukunft bringen konnte.

Roland Wiese 2.11.2019

Nobelpreis für Peter Handke

2012 habe ich einen Aufsatz zum 70. Geburtstag Peter Handkes geschrieben. Er wurde damals in der Zeitschrift DIE DREI veröffentlicht. Aus Anlass der Verleihung des Nobelpreises poste ich ihn noch einmal in meinem Blog. Gratulation eines Lesers!

Roland Wiese 11.10.2019

Peter Handke
Zum siebzigsten Geburtstag

Peter Handke wird am 6. Dezember 70 Jahre alt. 1942 noch mitten im Krieg geboren hat er seit Mitte der sechziger Jahre bis heute ein umfangreiches literarisches Werk geschaffen. Er ist aber auch von Beginn an immer eine Person des öffentlichen Lebens gewesen, viele Menschen werden seinen Namen und Titel seiner Bücher kennen, ohne dass sie sie unbedingt gelesen haben müssen. „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ oder ‚Wunschloses Unglück“, insbesondere aber „Die Stunde der wahren Empfindung“ sind Teil der deutschen Sprache geworden. Peter Handke ist dabei eine Art öffentliche und gleichzeitig private Figur geworden, bzw. geblieben. Er hat sowohl in seinen Werken, wie in vielen Gesprächen in Büchern und in anderen Medien, seine Arbeits- und Forschungsmethode offengelegt. Und seine Arbeit, benötigt das eigene Leben und Erleben als Werkzeug und Organ. Die wechselseitige Entwicklung von Leben, Erleben und Schreiben wird sowohl in der Person öffentlich wahrnehmbar, wie im Werk. Gleichzeitig entsteht und liegt doch auch ein hohes Maß an Identität als individuelle und dauerhafte Form allen Verwandlungen zu Grunde. Dies führt dazu, dass Person und Werk einfach und ganz deutlich erkennbar sind. In dieser erkennbaren Form Peter Handkes findet sich eine Art Entwicklungsvorbild, in dem im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts anschaubar werden kann, wie eine geistige Individualität, geistige und menschliche Entwicklung miteinander verbinden kann. Das Entwicklungsproblem, das er für sich als eigentliche ‚Forschungs- und Lebensfrage benannt hat, ist die Frage nach der ‚Verwandlung‘. ‚Verwandlung‘ erscheint als Zentralbegriff in allen Werken und Äußerungen, und Verwandlung ist seelische und geistige Bemühung einerseits, also aktiver Prozess, aber auch verwandelt werden, die Verwandlung erleben, verwandelt worden zu sein. Im Hintergrund des ‚Verwandlungsbegriffes‘ steht natürlich existentiell die Frage der Identität. Peter Handke, als mit sich selbst hochidentisch, scheint diese Identität nur durch immerwährende Verwandlung bilden zu können, und gleichzeitig kann man sich fragen: Verwandelt er sich denn wirklich? Und wenn, welche Art von Verwandlung ist hier gemeint? Weiterlesen

Erde aufgehoben – Bilder werden zu Imaginationen

Dies ist kein Bericht über eine Ausstellungseröffnung, oder über eine Ausstellung. Dies ist der Versuch in die Wirklichkeit dessen vorzustoßen, was eigentlich durch die Bilder einer Ausstellung erzeugt werden kann, wenn die Bilder dies vermögen und wenn die Menschen, die diese Bilder anschauen, es sehen wollen. Diese Wirklichkeit ist immer konkret, historisch, geographisch, – die Bilder dieser Ausstellung hängen in einem alten Bauernhaus in Fischerhude, mittlerweile in ein Museum umgewandelt. Sie hängen im Giebel, also an oberster Stelle dieses Hauses über den Bildern von Angermeyer, einem Fischerhuder Maler vom Anfang des letzten Jahrhunderts und sie stehen in einem deutlichen Kontrast zu diesen Bildern. An diesem Kontrast kann einiges deutlich werden über die Entwicklung des Menschen, über die Entwicklung der Landschaft, über die Entwicklung der Bilder, und die Entwicklung der Aufgabe, die die Bilder für die Menschen haben. Gewissermaßen als Einstimmung möchte ich einen älteren Aufsatz von mir voransetzen, ein Nachruf auf den Tod von Christian Modersohn, in dem versucht wird den Entwicklungsschritt von Otto Modersohn zu Christian Modersohn in ihrer Malerei zu fassen. Danach werde ich die aktuelle Ausstellung von Elfi Wiese als ein Beispiel für eine zeitgemäße Malerei befragen.

Gefühlte Erscheinungen
Christian Modersohn – 13.10.1916 – 24.12.2009

Der Maler Christian Modersohn ist am Heiligabend im Alter von 93 Jahren im Kreise seiner Familie in Fischerhude gestorben. Der Name Modersohn ist auch überregional bekannt, Vater Otto Modersohn, dessen zweite Frau Paula Modersohn-Becker, – sie stehen für einen Künstlerzusammenhang, der immer auch mit einer Landschaft in Verbindung gebracht wird: Die Landschaft um Worpswede und Fischerhude. Man spricht von Künstlerdörfern, und vergisst dabei oft, dass es eigentlich die Landschaft selbst war, die die künstlerische Dorfgemeinschaft stiftete. Eine unregulierte Wasserlandschaft, die Mündungsdeltas mehrerer Flüsse mäandern hier in die Weser, ungemein geeignet die Lichststimmungen der Jahreszeiten, den großen Himmel zum Bild werden zulassen. Christian Modersohn hat sich dieser Aufgabe seit seinem 20. Lebensjahr verschrieben. Und er bekam über siebzig Jahre um ihr nachzugehen. Weiterlesen

Veranstaltungen/Termine

21. September 15.00 Vernissage Elfi Wiese

Erde aufgehoben – Bilder von Elfi Wiese

Buthmanns Hof, Im krummen Ort 2, 28870 Fischerhude

Ausstellung 22.9. bis 3.11.2019

21.9.2019  19.00 Finissage Ausstellung Hideo Chita

am 21.9. um 19 h laden wir herzlich ein zur finissage + musikalischem dialog zwischen Bild + Klang, zwischen
EDNA EVERSMEIER (violine) und CLIVE FORD (kontrabass/flöte)

Kunst [ ] Raum Bremen rückertstr. 21 28199 bremen-neustadt

22.9.2019 10.00 Ateliereinweihung Wolfgang Voigt

11.00-11.45 Chorkonzert „Vocalumen“

Atelier FindOrt, Albert-Einsteinstraße 2 K, 309745 Wennigsen

28.9.2019 Ausstellung und Buch-Vernissage Katalog „Jasminka Bogdanovic“

Datum/Zeit
28. 09. 2019 – 29. 09. 2019 / 16:00 – 10:00
Veranstaltungsort
Glashaus am Goetheanum
Einladung zur Buchvernissage
Samstag 28. September 2019 um 16 Uhr
Künstlergespräch mit der Künstlerin und
den Autoren Werner Barfod, Urs Näf,
Roland Wiese und Johannes Onneken
Die Ausstellung ist geöffnet
Samstag 28. September von 12 bis 18 Uhr
Sonntag 29. September von 10 bis 18 Uhr
Die Künstlerin ist anwesend
Ort
Glashaus Westkuppel
Hügelweg 59
4143 Dornach/Schweiz

 

 

Forschungswege mit der Farbe VII mit Hideo Chita (Tokyo)

Im Kunstraum von Ute Seifert, in der Rückertstraße in Bremen,  ist zur Zeit eine Ausstellung des Malers Hideo Chita aus Tokyo zu sehen. Die Ausstellung geht noch bis zum 21.9.2019 und endet mit einer Finissage am 21.9. um 19.00 Uhr mit improvisierter Musik.

 

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Die Ausstellung begann mit den Farben eines Regenbogens genau in der Häuserschlucht der Rückertstraße. Innen waren in dem weißen Raum einige Bilder zu sehen, die mir erst einmal nur sehr dicke Schichten von Ölfarbe zeigten. Ich mag solche Bilder mit dicker Ölfarbe nicht. Deshalb musste ich mich ein wenig überwinden, um die Bilder wirklich anzuschauen. IMG_20190907_190931

Nach einer Weile des Anschauens, aber auch einfach mit den Bildern im Raum sein, öffneten sie sich aber immer mehr. Ute Seifert und Hideo Chita wiesen auf den spezifischen Charakter der Farbgestaltung der Bilder hin: Gegensätze, farbliche Gegensätze, Komplementärfarben meist, die so Hideo ‚aufgehoben‘ werden sollen. Mit der Zeit bemerkt man was gemeint ist und auch zu sehen ist. Die Bilder sind vordergründig sehr fest und materiell, aber in der Struktur und in den Farbgegensätzen, die meist noch von einer dritten Farbe wie mit einem Schleier bedeckt sind, hebt sich tatsächlich das Feste auf und wird lebendig. Zum Beispiel wirkt es aus jeder Perspektive vollkommen anders. Weiterlesen

Wer schaut?

Heute ist der Katalog von Jasminka Bogdanovic bei uns angekommen. Es ist noch einmal etwas ganz anderes in einem Buch durch Bilder und Texte zu blättern. Gerade bei den Porträts ist mir das aufgefallen. Ein lesendes Schauen… und ein neuer Zusammenhang. Ich habe zu dem Katalog mit zwei Texten beigetragen: ‚Wer schaut‘ (Über die Porträts) und ‚Die Ich-Empfindung der Farbe‘. Der Katalog ist zu erwerben ab 28.9.2019. 175 Seiten 29 € im Wolfbach-Verlag. Mehr Bilder auf  http://www.bogdanovic.ch

Wer schaut? Das lebendige Bild des Ich
Die Porträts von Jasminka Bogdanovic

Was heißt es eigentlich, ein Bild von einem lebenden Menschen zu malen? Wie geht das überhaupt und was will man damit erreichen?
Menschen emittieren Bilder von sich. Sie tun dies ständig in einem lebendigen Fluss von Bildern, die sich gegenseitig auslöschen, übermalen, neu malen usw. Wer einmal mit einem anderen Menschen ein intimes Gespräch geführt hat, kann dies vor allem im Antlitz verfolgen. In diesem wird eine Art Bildgeschehen sichtbar, bei dem sich unaufhörlich neue Empfindungsgesichter bilden und ineinander übergehen. Es ist ein ähnlicher Vorgang wie am Himmel, wenn sich Wolken formieren, sich verwandeln und miteinander verbinden. Weiterlesen