„Die Ich-Form der Wirklichkeit ist die Kunst…“

An diesem Wochenende fand im Goetheanum in Dornach eine Verkaufsausstellung mit 120 Künstlern aus 16 Ländern statt. 25o Werke, meist Bilder und Plastiken, waren zu sehen. Auf einer Auktion wurden Werke verstorbener Künstler versteigert. Marianne Schubert, die Leiterin der Sektion für Bildende Künste, hatte schon lange die Intention zu einer solchen Ausstellung. Ziel war es „einen Überblick zu zeigen über das zeitgenössische Schaffen aus anthroposophischen Quellen.“(Einladung)

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Marianne Schubert führt durch die Ausstellung

Gestern fand im Rahmen der Ausstellung ein Podiumsgespräch statt mit der Frage: „Gibt es Anthroposophische Kunst?“ Es war angenehm und überraschend, dass das Gespräch, in das das Publikum gleichberechtigt einbezogen war, zu einem Austausch wurde, in dem die unterschiedlichen Ich-Zugänge der Sprechenden zu diesem Thema deutlich wurden, und dadurch nicht Meinung gegen Meinung stand, sondern deutlich wurde auch welcher Ich-Wirklichkeit der Einzelne sprach. In eine zweite Stufe könnte ein solches Gespräch geführt werden, wenn diese Zugänge noch vertieft und weiter individualisiert werden könnten. Das würde zu der Frage führen, wie das eigene Verhältnis zur Anthroposophie ist, und zu welchen Intentionen es bei mir geführt hat sich in dieser Weise selbst zu aktivieren. Beispielsweise wäre es interessant zu erfahren, was einen Reinhold Fäth dazu gebracht hat sich so intensiv in die Geschichte der anthroposophischen Kunst einzuarbeiten und dies in eine Ausstellung münden zu lassen, während die Beschäftigung bei anderen zu bestimmten, ganz anderen künstlerischen Aktivitäten geführt hat. Denn meine These wäre, dass die Beschäftigung mit bestimmten Begriffen, im Menschen Willensintentionen freilegt, die ihn erst in die ganz eigenen Wirklichkeitsbereiche führt.

Das Zitat im Titel dieses Beitrags stammt aus einem Aufsatz von Wolf-Ulrich Klünker, der es auch öfter als Titel für Vorträge genutzt hat. Insofern ist es schon eine Art Begriffszusammenhang. Der ganze Satz lautet folgendermaßen: „Die Ich-Form der Wirklichkeit ist die Kunst, die in der Übergänglichkeit der Dinge zwischen Morgen und Abend real wird und damit die ästhetische Sonderposition verlässt.“ ( anbei das PDF zum ganzen Aufsatz mit Bildern von Elfi Wiese aus der Vierteljahresschrift Anthroposophie. erdaufgang-kluenker ) Wolf-Ulrich Klünker führt dann weiter aus, dass die Kunst damit den Vordergrund, und ich würde ergänzen des Bewusstseins, verlässt, und zum Hintergrund wird, und ich würde hier ergänzen zum Lebenshintergrund wird. Bewusstseinskunst wird zu einer Lebenshaltung und Lebenswirklichkeit, in der das Ich sich halten kann in einer Übergänglichkeit einer Welt, in der es nicht darum geht was etwas ist, sondern wo kommt es her und wohin will es sich entwickeln. Die Ich-Haltung, die in der modernen Kunst notwendige Voraussetzung für das Schaffen ist, wird so zur Grundlage einer Wirklichkeit, die nur noch als Ich-Wirklichkeit eine angemessene Form erhält.

Roland Wiese 9.12.2018

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